Window Dressing und der Fortsetzungstrade

Im Artikel -> der Weg zum Jahreswechsel <-, hatte ich Ihnen vor zwei Wochen gezeigt, wie ich den weiteren Verlauf zum Jahresende sehe und warum ich weiter von einem starken Jahresabschluss ausgehe.

Es scheint bisher ziemlich genau so zu kommen, den kleinen "November-Schluckauf" hatten wir wohl schon und insbesondere die US Märkte schieben weiter gnadenlos hoch.

Heute will ich Sie daher ganz kurz auf einen weiteren Aspekt des "Window Dressing" hinweisen, denn es führt nicht nur an der Oberfläche der Indizes dazu, dass das Jahresende einen guten Abschluss findet. Es führt vor allem auch dazu, dass die im Jahr besonders gut gelaufenen Aktien von den hinterher hängenden Fonds-Manager extra noch einmal gekauft werden, um sie im Depot zu haben und im Sinne "habe doch alles richtig gemacht" vorweisen zu könnnen.

Mit dem Jahreswechsel werden die Spielkarten dann aber neu gemischt, dann kann eine Sektor-Rotation stattfinden und sich neue Favoriten herausbilden. Und was im Vorjahr zu weit gelaufen war, kann dann zur Korrektur ansetzen - es muss nicht, es kann. Aber bis Ende des Jahres wird recht zuverlässig einfach fortgeschrieben, was schon das ganze Jahr erfolgreich war und auf diesen Mechanismus kann man auch ein paar Trades bis Weihnachten basieren.

Im Premium-Bereich haben wir das Thema schon letzte Woche unter dem Titel "Fortsetungstrades zum Jahresende" besprochen und dabei auch einige Beispiele diskutiert. Hier im freien Bereich, will ich Sie nur erneut auf den Umstand hinweisen und Ihnen ein paar Beispiele aus dem Umfeld der ganz grossen Bluechips zeigen, die für einen derartigen "Fortsetzungstrade" in Frage kommen (alle Charts von )

Alibaba (BABA), Home Depot (HD) und Paypal (PYPL) - wenig überraschende und keinesfalls neue Namen. Kann das so einfach sein?

Ja kann es, dieser Mechanismus zum Jahresende gehört zu den stabilsten überhaupt, was ihn immer noch nicht absolut sicher macht - sicher ist am Markt gar nichts. Aber dieser Mechanismus ist so wahrscheinlich, dass darauf zu setzen sich in der Mehrzahl der Jahre immer wieder gelohnt hat, zumal die Namen vom Investmentgedanken her ja auch keine Hasardeur-Aktien sind.

Wenn Sie weitere Namen suchen, schauen Sie mal in meine Tweets auf der rechten Seite des Blogs oder suchen Sie sich selber grosse Aktien, die das ganze Jahr gut gelaufen sind und idealerweise gerade eine kleine Konsolidierung hingelegt haben.

Denken Sie aber daran, dass dieses Spiel mit dem Jahreswechsel beendet ist, es ist also ein temporäre Wette auf die letzten Wochen des Jahres. Was nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass diese Aktien dann fallen müssen, aber die "Sonderkonjunktur" zum Jahresende ist halt vorbei.

Viel Erfolg!

Ihr Hari

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Alibaba und IPOs – Sinn oder Unsinn für Anleger?

Der folgende Beitrag erschien am 15.09.14 09:45 in Hari Live und wurde für den freien Bereich leicht angepasst, um den Kontext verständlich zu halten

Im Zusammenhang mit einem Kommentar zu Charly Mungers Interview in Sachen Buffett und Berkshire Hathaway, habe ich daran erinnert, dass sich die Wissenden gegenüber den Ahnungslosen dadurch auszeichnen, dass sie wissen, was sie *nicht* wissen. Dieser wichtige Punkt passt in meinen Augen sehr gut zum Thema Alibaba und Börsengängen generell.

Sie haben bisher hier auf surveybuilder.info nichts zum Börsengang von Alibaba gelesen. Ein Börsengang, der übrigens weniger ein Börsengang, als eine Kapitalerhöhung ist, denn Alibaba ist mit seinem Businessportal alibaba.com schon und wurde aber . Formal war das natürlich eine andere rechtliche Einheit, dahinter stand aber auch damals Jack Ma und die Internet Plattform Alibaba. Von dieser Geschichte liest man aber nun nichts mehr, warum wohl? Die Antwort erscheint mir persönlich klar: rein - raus - wieder rein ist nicht wirklich vertrauenerweckend. 😉

Aber darüber will ich hier gar nicht schreiben, ich will eigentlich zu Alibaba gar nichts sagen. Ich will Ihnen aber erklären, warum Sie dazu hier auf surveybuilder.info nichts lesen und auch nicht zu anderen IPOs.

Der Grund ist ganz einfach, weil ich grundsätzlich *NIE* an IPOs teilnehme, sondern immer abwarte, was der Markt daraus macht, nachdem Lockup-Periode und Kurspflege durch die Investmentbanken ausgelaufen sind und sich erstmalig unbeeinflusste Kurse ergeben.

Wenn ich die drei wichtigsten Eigenschaften aufschreiben müsste, die man braucht um konsistent am Markt erfolgreich zu sein, wäre eine der drei Eigenschaften ganz eindeutig der Satz:

-> Man muss gnadenlos rational sein und nur dort agieren, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann, der die eigenen Chancen zumindest zu einem 51 zu 49 Verhältnis führt. Wo man diesen Vorteil rational nicht sehen kann, bleibt man konsequent und ohne Reue fern.

Und es gibt wohl kaum einen Moment bei Aktien, an dem man ein schlechteres Chance/Risiko Verhältnis hat, als bei einem IPO - und zwar egal bei welchem. Warum wird auch schnell klar, wenn man sich mal überlegt, wer sich da mit welcher Motivation gegenüber steht.

Einen IPO, verbunden mit der Last der öffentlichen Berichtspflichten, machen Altgesellschafter nur, wenn sie auf diese Art und Weise zu guten Konditionen aussteigen können und/oder sich Cash ins Unternehmen holen können, auf jeden Fall zu besseren Konditionen, als sie ohne IPO selber erzielen könnten.

Da das Unternehmen aber noch nicht öffentlich ist, wissen genau genommen nur die Altgesellschafter sicher, was im Unternehmen wirklich los ist und was es wert ist. Und ab welcher Schwelle ein IPO ein Premium erzeugen würde, das diesen aufwendigen Weg lohnend macht.

Neben den Altgesellschaftern stehen dann noch die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die "Wissenden" dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind.

Und auf der anderen Seite haben wir die Schafe - Entschuldigung ich meinte natürlich die Investoren 😉 - die zur Tränke geführt werden müssen, aber gar nicht die Daten und Mittel haben, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen, wie die auf der anderen Seite des Deals.

Und um die Investoren zur Tränke zu führen, wird natürlich massiv beworben, gute Stimmung gemacht usw. Und eben Themen wie 2007-2012 dezent unter dem Tisch deponiert. "Roadshow" nennt man das, in der die potentiellen Investoren vom Einstieg überzeugt werden sollen, man kann das also mit einer gewissen Logik auch eine "Verkaufsveranstaltung" nennen. 😉 Sicher, wer in den Roadshows sitzt, bekommt sicher tieferen Einblick und die institutionellen Investoren haben ganze Teams, die sich in die Zahlen zum IPO vergraben können. Aber trotzdem bleibt auch da immer noch eine Restunsicherheit, den man kann nur analysieren, was einem von den Altgesellschaftern auch gesagt und gezeigt wird.

Damit ist doch offensichtlich und klar, dass bei so einem Setup - so einem Ungleichgewicht zwischen den Wissenden im Unternehmen und denen, die ihnen ihr Kapital geben sollen - kein 50/50 Chancengleichgewicht existieren kann. Nein, so ein IPO ist strukturell immer eher ein 40/60 Szenario zu Gunsten der Altgesellschafter.

Das heisst nicht, dass nicht auch mal IPOs für die Anleger gut ausgehen können. Auch 40% treffen oft ein. Und es gibt auch IPOs, bei denen es den Altgesellschaftern nicht auf einen schnell Cash-Out, sondern wirklich auf langfristige Aktionäre ankommt und die deswegen auch beim Emissionspreis sehr fair und realistisch sind.

Aber der entscheidende Punkt ist der, den ich oben gemacht habe: es ist sonnenklar, dass wir als kleine Anleger hier keinen Edge haben können! Und deshalb halte ich mich von IPOs generell fern und warte ab, bis Mr. Market Monate später ein unbeeinflusstes Urteil fällt. Und habe keine Reue, wenn dann auch mal ein IPO gut läuft und ich etwas "verpasst" habe.

Denn erneut: Man ist dann erfolgreich, wenn man gnadenlos rational ist und nur dort agiert, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann! Bei IPOs aber kann das strukturell gar nicht der Fall sein.

Ihr Hari

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