Hari´s Märkte am Abend – 09.05.12 – Bedeutende Wende bei den Goldminen ?

22 Uhr - Handelsschluss

Was für ein Tag 🙂

Es gibt Tage die in Erinnerung bleiben, der 04. Oktober 2011 war so einer, als der S&P500 unter 1100 abkippte und bei 1078 in der letzen Handelsstunde dann ohne Vorwarnung brutal die Kaufprogramme von Big Money einstiegen und damit seitdem das absolute Tief markierten. Ich war damals schnell genug die Bedeutung des Moments zu erkennen und zu thematisieren. Wer sich an meine Beiträge damals bei Investors Inside erinnert - noch am selben Abend - weiss, wie skeptisch die Mehrzahl der Leser war. Aber so ist das immer an bedeutenden Wendepunkten, sie kommen immer dann, wenn sich der Blick der Mehrheit schon in die Gegenrichtung orientiert hat.

Heute fühlte es sich bei den Goldminen ähnlich an. DAX kurz davor die 6400 zu verlieren, S&P500 unter 1350 und Gold unter 1590 USD. Ich sass um 15.30 Uhr bei Handelsstart der Wallstreet buchstäblich mit dem Finger am Abzug über meinen Goldminen, denn heute war der Tag der Bestätigung, nachdem Gold die 1610 USD gebrochen hatte.

Zur Eröffnung wurden dann unter grossen Volumen die letzten schwachen Hände heraus gekegelt und dann kamen die Kaufprogramme massiv in den Markt. Der GDX (Goldminen ETF) 2,0% im Plus, Barrick (WKN 870450) 2,5% und Newmont Mining (WKN 853823) 4,0% um nur die beiden grössten Namen zu nennen. Diese Wende heute könnte bedeutend sein. Wir brauchen natürlich die Bestätigung morgen, ohne die ist das heute alles nichts wert. Aber bisher hat das alle Inkredenzien eines klassischen "Swing-Low", eines bedeutenden Wendepunktes bei den Goldminen.

Damit hat sich erneut bestätigt, wie wichtig es ist die Bestätigung abzuwarten und sich auch nicht verrückt machen zu lassen, bevor die amerikanischen Handelsplätze offen sind. Erst dann entscheidet sich das Schicksal des Tages. Diese Technik der "Bestätigung" hat nun verhindert, dass ich in einen möglichen Tiefpunkt hinein die Goldminen verkauft habe.

Es wird ja bei den Goldminen auch mal Zeit, diese sind nach meiner Analyse fundamental, gegenüber dem Goldpreis und markttechnisch dermassen überverkauft und unterbewertet, dass hier erhebliches Potential nach oben besteht. Alleine für eine reine Normalisierung der Bewertung sind nach meiner Ansicht dicke zweistellige Gewinne drin. Sollte Morgen die Bestätigung kommen, werde ich im Handelssystem über das Vehikel des ETFs GDX aggressiv Long gehen. Im Investmentdepot bin ich ausreichend investiert und werde nur hier und da aufstocken. Für eine aggressive Wette im GDX gibt es nun auch einen wunderschönen Stop, nämlich genau die 41 USD, die heute die Wende ausgelöst haben. Damit ist ein derartiger Trade hervorragend, bei mässigem Risiko abgesichert.

Sollten diese 41 USD nach unten durchschlagen werden, ist die Stärke heute wohl ein Fehlsignal oder genauer gesagt ein "Dead Cat Bounce". Damit brauche ich auch nicht mehr den Goldpreis als "Notvehikel" um den Minensektor einzuschätzen, die 41 USD sind nun eine saubere Begrenzung, die eine nachhaltige Wende von einem unwichtigen Bounce unterscheidet. Denn zur Vorsicht gemahnt nach wie vor der Goldpreis, der sich heute zwar bei 1590 USD stabilisierte, aber nicht genügend Kraft hatte die 1600 wieder zu erreichen. Der Goldpreis indiziert nun eher noch tiefere Kurse, es wäre aber nicht das erste Mal, das die Minen dem Goldpreis ein paar Tage voraus laufen. Insofern werde ich nicht in voreilige Euphorie verfallen und werde unbedingt die morgige Bestätigung für die heutige Bewegung abwarten. Morgen werde ich wissen, ob das heute bedeutend oder nur ein "Dead Cat Bounce" war. Die Chance einer bedeutenden Wende besteht nun aber und das ist viel mehr, als es noch heute Vormittag schien.

Hier der GDX Chart der letzten Tage von 21.30 Uhr. Beachten Sie das Volumen, die kapitulationsartigen Verkäufe gestern Abend und heute bei Handelsstart und dann das Volumen bei der Gegenbewegung.

Es blieb aber heute nicht nur bei der Wende in den Goldminen, sondern auch die Indizes drehten knapp unter 6400 im DAX und knapp unter 1350 im S&P500 wieder. Das Marktverhalten in den grossen Indizes ist aber für mich lange nicht so überzeugend, wie der potentielle "Swing Low" bei den Minen. Da muss man einfach Morgen abwarten. In Anbetracht der üblen Lage in Europa, rechne ich nicht mit grossen Anstiegen, sondern mit weiterer, starker Volatilität. Aber wenn wir uns nur mal wieder etwas nach oben, vom Abgrund weg arbeiten würden, das wäre doch auch schon mal was 😉

Noch etwas hatte heute einen ähnlichen Charakter wie die Goldminen. Arch Coal (WKN 908011), das "kohleschwarze Depotdesaster" 😉 eröffnete mit 2% Minus und schloss mit 9% Plus ! Und das ohne für mich sichtbare Nachricht und bei hohem Volumen. Sehr merkwürdig und sehr typisch für ein "Swing-Low", wenn der gnadenlose Verkaufsdruck sich endlich erschöpft hat. Sicher hat der weiter starke Gaspreis geholfen, aber die anderen Kohle-Minen waren nicht so stark, da muss was in der Aktie selber los sein. Vielleicht doch eine Übernahme ? Wer weiss und bei der Bewertung durchaus vorstellbar.

Zahlen und Ausblick bei Klöckner (WKN KC0100) waren heute eigentlich ein "Non-Event". Nichts davon war wirklich neu, sicher war es eine kleine Enttäuschung, dass der Ausblick weiter mau bleibt, aber das war nun wirklich auch keine Überraschung. Der Markt "bedankte" sich mit 8% Minus, womit Klöckner die Tiefs von Oktober und November 2011 erneut testet. Wenn so etwas ohne echten Grund passiert, sagt es eine Menge über die Verfassung des Marktes aus und die ist im Moment sehr schlecht.

Aber eigentlich sah das heute auch nach einer echten Kapitulation bei Klöckner aus und viel spricht daher in meinen Augen markttechnisch dafür, dass 8,2€ bei Klöckner wieder Kaufkurse waren. Aber die Situation im Markt ist so unklar, dass ich zum Thema Stahl lieber keine Prognosen wage. Denn eine Auto- und Maschinenbauindustrie mit vollen Auftragsbüchern und gleichzeitig eine Stahlindustrie am Boden, das habe ich bisher noch nicht erlebt und insofern greifen hier auch keine Erfahrungswerte mehr. Wir sind, was die Eurokrise angeht, eindeutig in unerforschten Gewässern und das macht Prognosen rein aus Markttechnik sehr, sehr schwierig.

K+S (WKN KSAG88) ist dagegen vergleichsweise ein Fels in der Brandung in diesen Tagen. K+S lieferte ganz gute Zahlen im Rahmen der Erwartungen und einen stabilen Ausblick. K+S ist eine der Aktien, die in ihrer Geschäftsentwicklung nicht direkt mit dem Desaster in der Euro-Zone korreliert ist. Bei attraktiver Bewertung überwiegen hier in meinen Augen die Chancen, ich halte bei K+S weiterhin ganz entspannt eine Long-Position.

Bemerkenswert fand ich heute auch Wacker Chemie (WCH888). Nachdem der Ausblick zuletzt doch nicht so begeistern konnte wie erhofft, verliess das spekulative Geld die Aktie wieder und diese mäanderte unter 60€ herum. Heute schaute der Kurs dann unter 58€ und gegen 17 Uhr ging es dann mit einem Schlag Intraday um 5% nach oben, bis 61€. Ich kenne den Grund dieser Bewegung nicht, aber auch da muss wie bei Arch Coal etwas los sein, was einige wissen, wir aber nicht. Auf jeden Fall ist die Kursentwicklung der letzten Tage und dieser heutige Sprung für mich Indiz, dass der Abwärtsdruck möglicherweise aus der Aktie weicht und man den Blick nun wieder nach oben richten könnte. Ich bin mit meiner Long-Position nach wie vor investiert.

Zum Abschluss möchte ich einen Kommentar hier auch im Artikel nutzen, damit er nicht übersehen wird. Es geht um die Frage:

Was zeichnet einen optimalen Broker aus, wenn man seine Trading-Aktivitäten professionalisieren will ?

Über dieses wichtige Thema wurde hier zuletzt diskutiert und ich möchte daher hiermit auch meinen Beitrag leisten, damit meine Leser am Ende bei einem seriösen, leistungsfähigen Anbieter landen. Deshalb hier meine ganz persönlichen, subjektiven Selektionskriterien für einen guten Broker für “Profis”, oder solche die es werden wollen.

Ein guter Broker ....

(1) bietet das komplette Handelsportfolio ab, also Aktien, Futures, Devisen, CFDs etc.

(2) ist an den wichtigsten Handelsplätzen der Welt direkt vertreten.

(3) legt seine Bilanzen offen und hat ein klares Geschäftsmodell, aus dem man erkennen kann, dass der Broker sein Geld mit seinen Kunden verdient und nicht gegen sie. Indiz dafür ist, wenn die Mitarbeiter bereit sind und die Kompetenz haben, das Geschäftsmodell dem Kunden zu erklären.

(4) hat zuverlässige und leistungsfähige EDV-Systeme, die auch in der Vergangenheit bei hoher Volatilität nicht in die Knie gingen. Hier hilft zb der Flash-Crash 2010 als Erfahrungswert oder Anfang August 2011 der Beginn des Absturzes. Einige der Direktbanken in Deutschland waren da letztes Jahr Offline, die vermeintlich “günstigste” war über Tage nicht zuverlässig erreichbar. Ich nenne das "Schönwetterbanken", vermeintlich günstig kann halt ziemlich teuer werden. 😉 Im Web finden sich noch die Kundenbeschwerden, wenn man gezielt sucht.

(5) hat deutschsprachigen Support der nicht nur behauptet wird, sondern in Form deutschsprachiger Mitarbeiter mit Namen (also real vorhanden) irgendwo in Europa sitzt. Sollte man testen bevor man Kunde wird, behauptet wird viel. 😉

(6) hat ein einfaches, transparentes Gebührensystem.

Das sind die in meinen Augen entscheidenden Kriterien. Nicht entscheidend ist, worauf "Otto Normalanleger" permanent starrt, die Gebührenhöhe. Die ist eher sekundär für die grundsätzliche Entscheidung und kann man dann in der Schlussrunde verhandeln, wenn man sich nur noch zwischen 2-3 Favoriten entscheidet. Denn wenn ein Broker die obigen Kriterien erfüllt und seit Jahren weltweit erfolgreich ist, dann hat er so oder so konkurrenzfähige Gebühren. Anders geht das gar nicht. Und ein paar Euro mehr pro Trade sind gut investiert, wenn dafür die EDV stimmt und immer noch läuft, während die anderen Offline sind, weil sie unter der Last zusammen brechen.

Deshalb Vorsicht vor diesen gebührenorientierten, sogenannten “Broker-Vergleichen” in den beliebten Zeitschriften, die gehen nach meiner Ansicht in der Regel an den entscheidenden Punkten vorbei.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 23.04.12 – Europa zerfällt, wo ist nur das ganze Geld hin ?

17.30 Uhr - Ein paar sehr persönliche Gedanken zur Euro-Krise.

Ein bitterer Tag ist an den europäischen Märkten zu Ende gegangen. Wie schon lange von mir erwartet, traten heute endlich die Implikationen der Wahl in Frankreich in das Bewusstsein der Märkte. Und Mr. Market gefällt nicht, was er sieht. Ein richtig mieser Einkaufsmanager-Index und eine Regierungskrise in den Niederlanden, sowie durchwachsene Daten aus China taten dann ihr übriges.

Europa zerfällt, rette sich wer kann - so kann man wohl die Wahrnehmung des Marktes am heutigen Tage beschreiben.

Ich werde mich heute daher auch nicht zum aktuellen Marktgeschehen äussern, "Sea of Red" ist eine ausreichende Beschreibung und das sagt alles. Ich will mich vielmehr in einer Art Essay meiner persönlichen, höchst subjektiven Sicht auf das "grosse Ganze" nähern. Wenn Sie nicht noch mehr schlechte Nachrichten wollen, dann lesen Sie bitte nicht weiter, ich habe wenig Positives zu bieten.

Wo ist nur das ganze Geld hin ? Diese Frage lag mir in Anbetracht der Märkte heute auf der Zunge.

Denn auf der einen Seite haben wir Notenbanken, die wie wahnsinnig die Druckmaschinen anwerfen. Und wir haben Staaten, die über beide Ohren verschuldet sind und mit hunderten Milliarden ihr Banksystem stützen. Nun sollte man ja meinen, das sich diese Billionen - ja es sind Billionen ! - an Liquidität irgendwo sammeln und zu neuen Blasen führen.

Aber was passiert heute ? Aktien runter, Gold runter, Euro Staatsanleihen (bis auf Bunds) runter. Alles runter. Und wo ist das ganze Geld ? Wo ist der sichere Hafen, in den man sich retten kann ? Irgendwo müssen sich diese Billionen doch sammeln ? Wir befinden uns mitten im grössten fiskalischen Experiment der Weltgeschichte und ich habe nicht den Eindruck, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Obige Fragen sind natürlich rhetorisch und es gibt natürlich Antworten. Aber Antworten die einem nicht gefallen, wenn man darüber nachdenkt. Der heutige Tag gibt uns auf jeden Fall einen Vorgeschmack darauf, was uns in Europa blüht, wenn wir diese Krise nicht endlich in den Griff bekommen. Denn Wohlstand kann sehr wohl "verdampfen", sich einfach in Luft auflösen - auch das ist in der Geschichte schon mehrfach passiert. Und nur weil es in Deutschland die letzten 65 Jahre nicht passiert ist, ist das keine Garantie für die Zukunft.

Im Endeffekt gäbe es in meinen Augen für Europa eigentlich nur zwei grundlegende Wege, die wirklich funktionieren würden.

Entweder müsste sich Europa sofort zu einem funktionierenden Bundesstaat mit zentraler Finanz- und Wirtschafts-Regierung zusammen schliessen. Das ist irreal und wird durch den "Spaltpilz Euro" immer unwahrscheinlicher, der in den einzelnen Ländern ja gerade nationalistisches Gedankengut fördert und in den Parlamenten stärkt.

Oder wir müssten das Experiment Euro sofort beenden und in einem geordneten Prozess und (noch) in Freundschaft wieder in ein Wechselkuystem mit nationalen Währungen wechseln, eine Rückkehr zum EWS also. Auch das ist irreal, die Politik ist durch die permanente Agitation der Grossindustrie gedanklich zu verseucht und in dem Irrglauben gefangen, dass ein Ende des Euros auch der Untergang Europas wäre. Dabei ist das Gegenteil offensichtlich der Fall, dieser fehlkonstruierte Euro ist der Spaltpilz Europas ! Die Väter des Euros haben sich - ohne es zu wollen - durch Naivität und wirtschaftliches Unwissen an der Zukunft Europas versündigt, das ist meine traurige Meinung zum Thema.

Ich halte es da wie und bin davon überzeugt, dass ein (geordnetes!) Ende des Euros für Deutschland am Ende gut tragbar wäre. Deutschland war "Exportweltmeister" mit der starken D-Mark und ist es wieder mit dem Euro. Warum bitte, soll das Deutschland nach einem heftigen, aber kurzen Anpassungsschmerz nicht auch wieder mit einer neuen, harten Währung gelingen ? Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit beruht auf dem Wissen, dem Ideenreichtum und dem Tüftlergeist seiner Ingenieure in der Exportindustrie und eben gerade nicht auf "Financial Engineering". Das war schon in den letzten 150 Jahren Deutschlands Stärke und wird es auch in Zukunft sein.

Und damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin Europäer aus Überzeugung und der echte Bundesstaat wäre die Lösung meiner Wahl. Aber das ist derzeit leider irreal und wird mit jedem Monat der Krise irrealer. Und bevor Europa ungeordnet zerfällt und nationale Egoismen endgültig wieder ihr hässliches Haupt erheben, ist ein schnelles Ende dieses fehlgeleiteten Experiments immer noch die bessere Lösung, als der quälende, langsame Zerfall, in dem wir uns nach meiner Ansicht gerade befinden.

Neben diesen zwei grundlegenden Alternativen gibt es natürlich auch durchaus seriöse und funktionierende, technokratische Lösungsansätze im System. Ein paar wurden hier im Blog auch schon skizziert. Nur werden diese nach meiner Ansicht reine Theorie bleiben, denn was wirtschaftlich oder volkswirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich in dem Geschnatter von 27 Demokratien und Millionen Wählern in Panik nicht durchsetzen. So wird das, was wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, in der Eurozone wohl keine reale Chance haben.

Wir werden also nach meiner Erwartung einfach weiter machen wie bisher, bis zum bitteren Ende. Die Politik wird weiter "retten" und die Notenbanken weiter Geld drucken. Und wir werden noch 2 oder 3 solche Wellen zwischen Krise und Entspannung erleben. Bis wir dann irgendwann gegen die Wand laufen und dieser "Reset" wird dann sehr, sehr schmerzhaft werden.

Ich habe es vor ein paar Tagen schon einmal gesagt: ich wäre überrascht, wenn es den Euro in der heutigen Form in ein paar Jahren noch gäbe. Und auch das Europa im Jahr 2015 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich anders aussehen als heute.

Ich weiss, das sind finstere Worte, aber so sehe ich die Welt um uns herum und das schon länger und nicht erst seit heute. Aber heute ist ein guter Tag um es mal auszusprechen, denn heute dürfte jeder verstehen wovon ich rede.

Und trotzdem bieten die Aktienmärkte kurzfristig jede Menge Chancen und ich bin immer noch überzeugt, dass wir ein gutes zweites Halbjahr 2012 erleben werden. Aber nicht, weil wir in der Welt unsere grundlegenden Schulden-Probleme lösen, sondern in Form einer "Sumpfblüte", weil die Liquidität eben doch am Ende ihren Weg in die Sachwerte finden wird, also in Aktien und Gold. Und weil die Notenbanken alles tun werden um den Laden zusammen zu halten, solange man den Schein noch wahren kann. Und für ein paar Runden "Sumpfblüte" reicht es durchaus noch, bevor uns dann in den kommenden Jahren die sehr bittere Rechnung präsentiert wird.

Es gibt ja auch wirklich keine Alternative, wenn Sie etwas Kapital angesammelt haben. Irgendwo muss es ja hin. Schauen wir uns die zum "Geld auf dem Konto" alternativen Anlageklassen doch mal aus meiner sehr persönlichen, subjektiven Sicht an:

- Kopfkissen ? Müssen wir nicht ernsthaft darüber reden oder ? Papierschnipsel einer dann vielleicht untergegangenen Währung unter einem Kopfkissen sind wirklich keine gute Idee, ausser für den Bollerofen in einem kalten Winter. Hat noch jemand Reichsmark ?

- Lebens- oder Renten-Versicherungen ? Igitt ! Man gibt gutes Kapital heute, um ein Versprechen der Finanzindustrie auf einem Blatt Papier zu bekommen, das Jahrzehnte später eingelöst werden soll. Und selbst wenn das Versprechen nominal eingelöst wird, weiss keiner was die Zahl dann wirklich noch wert ist. Inflation, Währungsreform - alles möglich und alles mit den Mickerzinsen nicht annähernd abgegolten.

- Staatsanleihen ? Igitt ! Wie oben, nominal in den USA, Deutschland und anderen stabilen Ländern wohl recht sicher, aber was bekommt man dann für diese Zahl auf dem Papier tatsächlich ? Und es soll keiner glauben, dass sich die aktuellen "Fluchtstaaten" wie Kanada, Australien, Norwegen, Schweiz etc mit ihren vergleichsweise kleinen Anleihemärkten einem globalen Problem entziehen könnten - das ist Illusion !

- Deutsche Rentenversicherung ? Sie werden erstaunt sein: Ja, bei mässigem Einsatz durchaus sinnvolle Anlage ! Eben gerade weil kein Kapital existiert, dass vernichtet oder entwertet werden kann. Es ist vielmehr ein Anspruch an die Kreativität und Leistungskraft unserer Kinder - egal in welcher Währung unsere Kinder dann ihre Leistung verrechnen. Und wenn wir als Eltern nicht alles falsch machen, werden unsere Kinder kreativ und erfolgeich sein. Unsere Ansprüche sind solange sicher, wie wir eine Demokratie haben, denn die Stimmenmehrheit der Versicherten wird immer dafür sorgen, dass die Politik auch eine Gegenleistung für das eingezahlte Kapital sicher stellen muss. Rendite darf man natürlich keine erwarten, aber mit Kapitalerhalt kann man in diesen Zeiten ja schon zufrieden sein.

- Immobilien ? Naja, die selbstgenutzte Immobilie macht sicher Sinn. Aber darüber hinaus ? In den unattraktiven Regionen werden die Leerstände eher grösser und in den Boomzentren wie München sind die Preise doch jetzt schon jenseits von Gut und Böse. Wer heute in München zu 10.000€ pro qm kauft, der wird sein Kapital nach meiner Einschätzung so schnell nicht wiedersehen.

Bei den Immobilienpreisen wird ja gerne vergessen, dass sie keinen "echten" Wert darstellen, sondern direktes Abbild der Wirtschaftskraft sind. Nur wegen der Wirtschaftskraft zahlt man im München 10.000 € pro qm bei guten Eigentumswohnungen. Und in ländlichen Regionen des Nordostens dagegen nur dreistellig pro qm. Nicht die Immobilie oder der Grund und Boden in München ist so und soviel wert - die Wirtschaftskraft der Stadt ist es ! Dieser kleine, aber wichtige Unterschied, wird von vielen Immobilienbesitzern gerne übersehen.

Klar, eine Immobilie behält man und die kann man auch in der Krise anfassen. Aber was ist sie dann noch wert ? Wer Anfang 1923 aus Angst vor der Hyperinflation mit Eigenkapital noch schnell eine Immobilie kaufte, hat ein ziemlich schlechtes Geschäft gemacht und bekam zusätzlich zweimal in 25 Jahren massive Sondersteuern aufgebrummt, die einer Teilenteignung gleichkamen. Wer die Immobilie aber nur mit Darlehen kaufte, machte damals das Geschäft seines Lebens. Die Darlehen waren wertlos und konnten mit einer Rolle Klopapier abgegolten werden, die Immobilie war aber noch da.

- Ackerland und Wald ? Ja, eigentlich eine gute Idee, aber das will bewirtschaftet werden und wirft nur Mickerrenditen ab. Zumal auch bei Ackerland schon die Preise kräftig steigen. Wer genügend Vermögen hat und eine professionelle Bewirtschaftung organisieren kann, für den sicher eine gute Idee. Aber für den durchschnittlichen, wohlhabenden Bürger ? Funktioniert nicht und über die diversen geschlossenen Fonds eher auch nicht - daran verdienen nach meiner Erfahrung in der Regel die Initiatoren, nicht aber die Anleger.

- Kunst oder Oldtimer ? Ja, funktioniert, aber in den engen Märkten nur für die wenigen Spezialisten, die sich wirklich auskennen. Für die breite Masse der Bürger mit Anlagenotstand keine Lösung.

Was bleibt also an liquiden, fungiblen Sachwerten, in denen man sein mühsam erarbeitetes Kapital einigermassen sinnvoll parken kann ?

>>> Aktien und Edelmetalle <<<

Es gibt dazu keine seriöse Alternative und weil das so ist, sind für mich persönlich miese Aktien-Kurse Kaufkurse - gerade weil wir mitten in einer Krise stecken, die die Welt verändern dürfte.

Und wissen Sie auch, woran Sie erkennen werden, dass die Krise ihrem Höhepunkt zusteuert ? Wenn die Aktienkurse steigen, obwohl die Wirtschaftsdaten mies sind ! Weil die Geldkonten dann leer geräumt werden um schnell noch liquide Sachwerte zu kaufen - Aktien oder Gold - weil man den Konten der Banken und der Währung nicht mehr traut.

Jetzt werden Sie denken, so finster haben ich den Hari ja noch nie erlebt. Stimmt aber nicht, so denke ich schon seit einiger Zeit über unser Problem in Europa. Ich bin aber auch überzeugt, dass die aktuellen Kurse an der Börse kurzfristig wieder interessante Kaufgelegenheiten bieten und wir schon bald wieder deutlich höher stehen könnten, vielleicht schon diesen Mittwoch nach der FED Sitzung. Aber darüber schreibe ich dann Morgen wieder. Heute ist dagegen der passende Tag, um die traurigen, mittelfristigen Aussichten meines Makrobildes rund um die Euro-Krise mal auf den Punkt zu bringen.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Denken Sie daran, dass "Hier und Jetzt" zu geniessen. Morgen ist es schon Vergangenheit und kommt nie wieder ....

Ihr Hari

PS: Hari´s Märkte am Abend erscheinen Morgen Abend etwas später gegen 22.30 - 23 Uhr. Ich möchte die Zahlen von Apple noch berücksichtigen, die grosse Bedeutung haben werden.

Schneider Electric FR0000121972 – Zukunftsmarkt Gebäudemanagement

In der Kategorie „Anlageideen“ stelle ich in loser Folge interessante internationale Aktien vor, die über den Kreis der in Deutschland bekannten, üblichen Standardwerte hinaus gehen. Diese Aktien genügen in meinen Augen alle den folgenden Kriterien:
- Sie haben ein stabiles, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, das für dauerhafte Erträge gut ist
- Sie sind aktuell an der Börse fundamental attraktiv bewertet
- Sie sind entweder schon in meinen Depots oder befinden sich in meinen Watchlists, um möglicherweise in der Zukunft aufgenommen zu werden

Ich betone ausdrücklich, dass mit der Vorstellung der Aktien keine konkrete Kaufempfehlung verbunden ist. Oft befinden sich die vorgestellten Aktien noch in unklaren technischen Situationen und sollten einfach nur weiter beobachtet werden. Ausserdem werde ich hier die wesentlichen Faktoren bei der Bewertung der Aktien nur oberflächlich anreissen können. Der interessierte Leser sollte vor einer Entscheidung daher unbedingt tiefer in die Aktien einsteigen und sich ein eigenes Bild machen ob die Aktie vom Risikoprofil her ins eigene Depot gehört. Alle Titel sind aber für mich persönlich und im Rahmen meiner eigenen Strategie attraktive Bestandteile eines diversifizierten Depots und ich hoffe die Leser auf diese Art und Weise auf interessante Ideen zu bringen, die über das Übliche hinaus gehen.

Heute möchte ich Ihnen die französische Schneider Electric – ISIN FR0000121972 – vorstellen. Das Unternehmen ist in Deutschland erstaunlich wenig bekannt, obwohl es mit einer Marktkapitalisierung von 11 Milliarden €, 120.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 20 Milliarden € durchaus zu den grossen Konzernen gehört. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Paris und ist in fast 200 Ländern weltweit vertreten, darunter natürlich auch mit diversen Konzerngesellschaften in Deutschland. Schneider Electric hat eine lange Historie, die bis zu ersten Anfängen als Stahlwerk im Jahr 1836 zurück geht.

Heute bewegt sich das Unternehmen primär im Bereich der Energieverteilung und der Automation, wobei Schneider Electric zunehmend einen Schwerpunkt im intelligenten Gebäudemanagement ausbildet. Bedingt durch steigende Energiepreise, dem zunehmenden regulatorischen Zwang zu energiesparenden Gebäuden und den Bedürfnisses des 21. Jahrhunderts an eine automatisierte Gebäudetechnik, bewegt sich Schneider Electric hier in einem wachstumsstarken Zukunftsmarkt, der wohl auf Jahrzehnte mit hohen Steigerungsraten aufwarten wird. Dabei hat Schneider Electric schon heute weltweit den Status eines der Marktführer erreicht und ist daher für die kommenden Entwicklungen im Bereich Energieeffizienz bestens gerüstet.

Fundamental kann man Schneider Electric aktuell bei einem Kurs von um die 41€ zu einem 2011er KGV von ca. 10, einer Eigenkapitalrendite von ca. 13% und einer Dividendenrendite von 4.3% erwerben. In Anbetracht der zukünftigen Potentiale eine in meinen Augen attraktive Bewertung.

Charttechnisch befindet sich die Aktie, wie der gesamte Markt, in einem etablierten Abwärtstrend der noch nicht durchbrochen wurde. Insofern gilt es bei Schneider Electric derzeit abzuwarten, ob dem Kurs die Trendwende gelingt. Allerdings könnten mehrere Faktoren ein Indiz dafür sein, dass diese Trendwende bald kommen könnte. Denn der Kurs sitzt auf einer starken Unterstützung um die 40€ und ist gerade auf Wochensicht von der 200er Linie des "modified exponential moving Average (MEMA)" wieder abgeprallt.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass der Absturz der Aktie nicht mit individuellen Problemen des Unternehmens zu tun hatte, sondern einfach eine Folge der Marktschwäche war. Durch die wachsende Zahl passiver Indexinvestments, hier auf den CAC 40, den französischen Aktienindex der 40 grössten Unternehmen, wurde Schneider Electric einfach mit den Banken und Versicherungen des CAC mit herunter gezogen. Das eröffnet erhebliche Potentiale wenn der Wind sich drehen sollte.

Sollte allerdings bedingt durch die Euro-Krise der Gesamtmarkt weiter abtauchen, wird sich dem Schneider Electric auch nicht entziehen können. Ein Bruch der 40er Zone nach unten würde sicher temporär wesentlich tiefere Kurse nach sich ziehen.