JPYUSD oder was der japanische Yen mit der aktuellen Korrektur zu tun hat

Nachdem der Markt seit Jahresanfang nach einer Richtung suchte, haben wir gestern Abend in den US Indizes zum ersten Mal seit langer Zeit echten Abgabedruck erlebt.

Ein Abgabedruck, der auf mich wie ein frischer Regen nach einer zu langen Trockenperiode wirkte. Denn so sehr wir doch alle Sonne mögen, zu viel Sonne ist dann auch nicht gut. 😉

Diese gestrige Schwäche wurde dabei wieder einmal durch den japanischen Yen indiziert, den man sich am besten im Währungspaar JPYUSD zum Dollar anschaut.

Denn der Yen ist seit 2012 in einer strukturellen Schwächephase, die durch die "Abenomics" des japanischen Premierministers Shinzō Abe ausgelöst wurde. Eine Schwächephase die gewollt ist, weil so die japanische Exportwirtschaft gefördert und die Zinsen niedrig gehalten werden sollen.

Auch das Chart mit Tageskerzen zeigt eindrucksvoll den massiven Abwärtstrend in JPYUSD seit 2012. Das massive, monatelang zulaufende Dreieck, hat diesen Trend deutlich untermauert und der Kurs ist dann auch, wie aus dem Lehrbuch, nach unten aus dem Dreieck ausgebrochen und hat neue Tiefststände generiert.

Yen 14.01.14

Allerdings liegt hier auch das Problem. Die Bewegung ist so eindeutig, dass die Yen Schwäche grosser Konsens bei den institutionalen Anlegern ist. Die Herde setzt also auf einen weiteren Verfall des japanischen Yen.

Und damit ist der Yen auch wieder zum Vehikel massiver "Carry Trades" geworden, mit denen Kapital generiert wurde, das dann in andere Märkte - insbesondere in den US Aktienmarkt - investiert wurde.

Ein "Carry Trade" funktioniert dabei so, dass man sich Geld im japanischen Yen zu Minizinsen leiht, um dieses Kapital dann in anderen - höher rentierlichen - Märkten zu investieren. Wenn man Recht hat und der Yen weiter abwertet, generiert man einen zusätzlichen Gewinn, wenn man das geliehene Geld später im dann abgewerteten Yen zurück zahlt.

Solange der Abwärtstrend im Yen andauert, ist so also leichtes Geld zu machen und gleichzeitig wird so die weltweite Anlageliquidität erhöht. Der Carry Trade wirkt also wie ein Boom-Programm für die Finanzmärkte und erzeugt damit mittelbar weitere Kursgewinne in den grossen Indizes

Umgedreht, wenn dieser Carry Trade aufgelöst werden muss weil der Yen anzieht, wird das den Märkten massiv Anlagekapital entziehen. Die Folge sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit fallende Kurse. Denn nach wie vor gilt: Liquidity rules !

So war die vorangegangene Stärke im Yen schon vorgestern ein erstes Warnsignal. Und als gestern der Yen auch die wichtige Zone erreichte und temporär durchschlug, die durch das alte Tief des Dreiecks von Mai 2013 gekennzeichnet ist, setzen dann auch die Abgaben im Aktienmarkt ein. Und heute in der Frühe war auch der japanische Markt logischerweise sehr schwach. Im grösser aufgelösten, obigen Chart wird das Geschehen noch deutlicher:

JPYUSD 14.01.14

Der starke Yen der letzten Tage hat diese Korrektur also indiziert. Und deshalb haben wir hier im Premium-Bereich auch ein Auge auf die weitere Entwicklung. Denn wenn der Yen nun nicht an dieser Widerstandszone dreht, sondern weiter nach oben läuft, dürfte der Carry Trade in Gefahr geraten und ein Schwächeanfall der Weltaktienmärkte ist dann höchst wahrscheinlich.

Umgedreht, wenn der Yen nun doch weiter fällt und den Widerstand nicht überwinden kann, besteht zumindest von dieser Seite weiter grünes Licht für die aktuelle Rally.

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DAX, S&P500 und der Carry Trade – Was ist da an den Märkten los ?

08:45 Uhr. Heute früh möchte ich Ihnen - vor Eröffnung des Xetra-Handels in Frankfurt - in wenigen klaren Sätzen einen Eindruck davon vermitteln, was da an den Märkten wirklich los ist und warum wir heute die 8000er Marke im DAX wieder testen.

Man liest dazu allerlei zweidimensionale Ursache->Wirkung Vermutungen, die aber eher am Thema vorbei sind. Nein, es ist auch nicht das BVG mit seiner Verhandlung, das hat Mr. Market eher unter der Rubrik "traut sich sowieso nicht" abgehakt.

Was hier passiert hat die Ursache in grossen Geldströmen an den Weltfinanzmärkten und ich habe Ihnen nicht ohne Grund gestern die 4 Charts gezeigt, in denen man erkennen kann, dass das, was nun auch im DAX ankommt, schon einige Tage im Gange ist.

Es gibt aus meiner Sicht zwei Kernursachen:

Erstens die Unsicherheit über die weitere Politik der Notenbanken, insbesondere der FED. Nach der gewaltigen Aufwärtsbewegung seit November, gehört wirklich nicht viel Intelligenz dazu, im Lichte dieser Unsicherheit mal ein paar Einsätze vom Tisch zu nehmen. Genau das macht "Big Money" und war schon seit Wochen als "Distribution" zu beobachten. Einer der vielen Gründe, warum ich schon letzte Woche deutlich gemacht habe, dass ich über den Sommer auf die Seitenlinie trete.

Dieses Verhalten von "Big Money" hat einen netten Nebeneffekt. Es erhöht massiv den Druck auf die FED, die nächste Woche wieder tagt. Es legt der FED die Pistole an die Schläfe und sagt: "Hör auf über eine Reduktion des Stimulus zu diskutieren oder trage die Konsequenzen".

Dieses taktische Verhalten der Wallstreet ist aber nicht der Wichtigste der beiden Gründe. Wirklich entscheidend sind die weltweiten Geldströme aus dem Yen Carry-Trade. Es geht also um Japan, Japan ist der Kern dieser Bewegung.

Ich kann den Carry-Trade hier nicht in wenigen Worten erklären, aber im Kern geht es darum sich mit Micro-Zinsen nahe Null im Yen zu verschulden, um dann das Geld in höher rentierliche Anlagen umzuschichten. Anlagen wie High-Yield Bonds der Emerging Markets eben. Oder eben Anlagen im Aktienmarkt mit hoher Dividende.

Deswegen wurden die Dividenden-Bluechips zuletzt so stark verprügelt. Deswegen fallen die EMA Anleihen so massiv. Es ist die Auflösung des Yen-Carry-Trades. Es sind die weltweiten Geldströme des grossen Geldes, die diese Bewegung indizieren.

Das der Yen Carry-Trade überhaupt in sich zusammen fällt, hat mit der Rasierklinge zu tun, auf der die neue "Abenomics"-Politik der japanischen Regierung balanciert. Wenn Sie meinen Lunchtalk gestern mit der Wiwo anschauen, bekommen Sie einen oberflächlichen Eindruck davon, worum es da geht.

So weit die kurzen Hinweise wo man hinschauen muss. Simple Ursache->Wirkung Vermutungen aufgrund einzelner Nachrichten zeugen aktuell nur von Unkenntnis, wie die Geldströme der Welt wirklich funktionieren. Und nein, man kann nicht alles mit Charttechnik erklären, Chartbilder sind ein Abbild der realen Handlungen der Marktteilnehmer, erzählen aber nicht immer die Geschichte warum es diese Bewegungen gab. Manchmal sind Bewegungen rein technischer Natur, dann erzählt das Chart die ganze Geschichte. Manchmal aber - und derzeit ist so ein Fall, wie Ihnen die 4 Charts gestern deutlich zeigen sollten - stehen weit grundsätzlichere, fundamentale Themen dahinter.

Was heisst das für DAX und S&P500 ?

Mittelfristig bleibe ich bei meiner Erwartung einer volatilen Seitwärtsbewegung über den Sommer. In diesem Markt muss man im Moment nicht zwingend sein.

Kurzfristig denke ich, dass die Auflösung des Carry-Trades nun so weit fortgeschritten ist, das es Zeit für eine Gegenbewegung ist. Das Minus heute im Nikkei hat den Charakter einer kleinen Kapitulation. Gleichzeitig sitzen wir nun mit DAX 8000 und S&P500 Future 1600 auf den entscheidenden Unterstützungen, sind technisch kurzfristig überverkauft und habe heute eine grosse FED Buy-Operation im Markt.

Seien Sie also nicht überrascht, wenn es heute mal wieder nach oben geht, sobald ab Mittag die Wallstreet ins Spiel kommt.

Das wir diese wichtigen Unterstützungen nun sofort nachhaltig brechen, ist kurzfristig also das weniger wahrscheinliche Szenario. Wenn das aber doch passieren sollte - auch kleinere Wahrscheinlichkeiten können eintreten - muss man extrem vorsichtig sein. Denn unter diesen Unterstützungen dürften jede Menge Stops lauern, die eine Bewegung dann beschleunigen.

In diesem Sinne entstehen heute Chancen für aggressive "Mean Reversion" Trader. Für Anleger mit mittelfristigem Horizont, sehe ich aber über die kommenden Wochen eher wenig Grund, sich diesem Markt zu exponieren, der nach der zukünftigen Richtung sucht. Im Spätsommer werden wir klarer sehen.

Viel Erfolg heute wünscht Ihr Hari !

PS: Übrigens, diese Art der Begleitung durch den Tag bekommen die Premium-Mitglieder auf surveybuilder.info rund um die Uhr. Am Tag stelle ich ca. 5 - 15 derartiger, aktueller Informationsschnipsel ein, manchmal nur ein wichtiger Link, manchmal ein Chart mit Kommentierung, manchmal eine ausführliche Stellungnahme wie oben.

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