Rio Tinto – Vom Schweinezyklus, Übernahmewahn und antizyklischer Anlage – 17.01.13

Heute geht die Nachricht vom Rücktritt des Rio Tinto CEOs Tom Albanese über den Ticker. Auslöser waren Abschreibungen in Milliardenhöhe auf frühere Akquisitionen, die offensichtlich zu teuer eingekauft wurden.

Die Aktie reagiert aber nur verhalten negativ und steht gegen 14 Uhr nur ca. 1,5 Prozent im Minus. Offensichtlich ist eine derartige Entwicklung für "Smart Money" keine all zu grosse Überraschung mehr. Lesen Sie die Details der Nachricht im .

Der Rohstoff- und Bergbauriese Rio Tinto (WKN 852147) reiht sich dabei in eine lange Reihe derartiger Enttäuschungen ein, die in den letzten Monaten bei Unternehmen des Rohstoff- und Edelmetallsektors ans Tageslicht kamen. Erinnern Sie sich zum Beispiel an die Rücktritte der CEOs bei den Goldminen Barrick Gold (WKN 870450) und Kinross Gold (A0DM94) ? Auslöser waren auch bei diesen Unternehmen letztlich überteuert eingekaufte Akquisitionen bzw unwirtschaftliche Projekte. Und ich bin sicher, Rio Tinto wird nicht das letzte Unternehmen dieses Sektors bleiben, das durch derartig massive Goodwill-Abschreibungen negative Nachrichten produziert.

Trotzdem stellen diese Nachrichten keine wirkliche Überraschung dar, denn sie sind die ganz typischen Auswirkungen eines natürlichen "Schweinezyklus" in dieser zyklischen Branche, im amerikanischen auch "Boom and Bust" Zyklus genannt.

Lange Jahre kannten die Rohstoff- und Edelmetallpreise nur den Weg nach oben und der Druck auf die CEOs der Unternehmen war hoch, sich so viel wie möglich von diesem Kuchen abzuschneiden. So wurde massiv in neue Abbauprojekte investiert und billigend dabei in Kauf genommen, dass diese Quellen lange nicht so wirtschaftlich abgebaut werden konnten, wie die alten Rohstoffquellen. Und es wurden kleinere Unternehmen übernommen, um an deren Projekte zu kommen. Und da der Wettbewerb hoch war, wurden auch schnell hohe Preise für die Übernahmen ausgerufen, die schon viel positive Erwartung im Kaufpreis einpreisten.

Dieser Boom ging auch lange gut. Nämlich so lange, wie die Rohstoffpreise am Weltmarkt nur den Weg nach oben kannten. So wurden eigentlich unwirtschaftliche Projekte und Firmenkäufe letztlich durch die Entwicklung der Weltmarktpreise "geadelt" und die CEOs konnten sich im vermeintlichen Erfolg sonnen und hohe Boni einstreichen. Und noch einen Effekt hatten all diese Projekte, deren Wirtschaftlichkeit auf Kante genäht war: sie erhöhten das Angebot auf dem Weltmarkt.

Mit diesen ganz typischen Mechanismen für einen Boom in einem zyklischen Segment, wurde aber auch die Grundlage für das Problem (Bust) gelegt, das wir nun beobachten. Seit mehr als einem Jahr fallen die Rohstoffpreise bzw. bewegen sich seitwärts. Auslöser dafür war die konjunkturelle Schwäche in China, ebenso wie die Eurokrise und die Rezession in den USA.

Durch diese geringeren Weltmarktpreise, kommt nun aber die Wahrheit über die "Heldentaten" der CEOs der letzten Jahre ans Tageslicht, denn Projekte rutschen ins Negative und Acquisitionen stellen sich als viel zu teuer heraus. Mit der heutigen Nachricht bei Rio Tinto erreicht dieser Prozess einen vorläufigen Höhepunkt, es ist allerdings davon auszugehen, dass sich noch einige Übernahmen und Projekte im Sektor als deutlich zu teuer heraus stellen werden. Insofern werden derartig negative Nachrichten den Sektor noch einige Zeit begleiten.

Fragt sich also, ob man nun den Sektor schnell verlassen sollte, wie das ein unerfahrener Anleger der prozyklisch auf Nachrichten reagiert, jetzt vielleicht denken würde.

Meine persönliche Meinung dazu ist: Kurzfristig vielleicht, mittel- und langfristig im Gegenteil !

Denn was wir nun sehen und sich nach schlechten Nachrichten anhört, ist der Beweis, dass der Prozess der Kosteneinsparung und Verbesserung der Wirtschaftlichkeit auf breiter Front im Sektor im Gange ist. Und das wir diese Korrekturen nun erleben, ist eher Anzeichen einer schon laufenden Gesundung, als Signal für erst kommende Probleme. Das "Smart Money" diese Sicht eher teilt, kann man auch an der heutigen sehr verhaltenen Reaktion bei Rio Tinto ablesen.

Denn im Schweinezyklus folgt auf "Bust" wieder "Boom". Und das ergibt sich zwangsläufig aus den Produktionskürzungen, die das Angebot auf dem Weltmarkt verringern. Und was passiert, wenn diese weit schlankeren und profitableren Konzerne bei geringerer Produktion dann wieder auf anziehende Konjunktur in China, Europa und Amerika treffen ? Die Preise ziehen massiv an und damit die Gewinne der Unternehmen des Sektors. Und die Kurse erklimmen neue Höchststände. Auf "Boom" folgt "Bust" und umgekehrt - der Lauf der Welt in zyklischen Sektoren.

Vergessen Sie also nie, dass diese Art Nachrichten strukturell und langfristig gute Nachrichten sind. Denn sie zeigen, dass die Exzesse des Booms bereinigt werden und sich die Unternehmen auf den Weg der Konsolidierung und höherer Profitabilität begeben. Deswegen sind übrigens auch diese derzeit überall herumgereichten Charts, die die Produktionskosten im Gold- und Silberminensektor exponentiell immer weiter in die Zukunft fort schreiben, in meinen Augen ohne Sinn und Verstand. Die Unternehmen sind längst dabei, ihre Kostenstrukturen anzupassen.

Kurzfristig wird dieser gesamte Sektor also wahrscheinlich weiter unter derartigen Einschlägen leiden. Wer aber eine langfristige, antizyklische Anlage tätigen will, könnte nach meiner Ansicht schlechtere Wetten eingehen, als auf den kommenden Boom im Sektor zu setzen. Das Auf und Ab des Schweinezyklus ist mit einer der sichersten Bewegungen, die man an einem Markt erleben kann. Unklar ist nur, wie lange die Zyklen dauern und wie tief oder hoch sie jeweils gehen. Darauf habe auch ich keine Antwort. Das aber der nächste Boom kommt, ist mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit versehen !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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