DAX & S&P500 – Das grosse Bild der Märkte – Börsenjahr 2014 mit erhöhten Risiken

Seit dem Start des neuen Börsenjahres sind nun ca. 3 Wochen vergangen und man kann schon heute erste Indikatoren feststellen, die auf einen anderen Verlauf in 2014 als im Vorjahr hindeuten.

So scheint zum Beispiel alles wo "Mine" darauf steht, seit Jahresanfang neue Liebhaber zu finden. Deutlich zu sehen natürlich bei den Gold- und Silberminen, die nun klare Geldzuflüsse verzeichnen und zumindest kurzfristig eine positive Price-Action verzeichnen. Die gestrige Stärke von GDX, GDXJ, SIL und Co. in Anbetracht fallender Preise bei den Metallen selber, war schon beeindruckend und verfolgen wir hier im Premium-Bereich genau.

Aber auch in anderen Bereichen, von Kupfer bis Uran, sind klare Lebenszeichen zu verzeichen. Schauen Sie zum Beispiel mal, was die Kursentwicklung beim Uran Weltmarktführer Cameco (WKN: 882017, CCJ) gerade macht ... beeindruckend! Aber darüber will ich heute nicht schreiben, das tun wir in der Community täglich im Premium-Bereich.

Ich führe diese Fälle nur an, um zu zeigen, dass sich mit dem Jahreswechsel etwas an den Märkten zu verändert haben scheint und die Liquiditätsströme scheinbar neue Flussbette suchen. Gleichzeitig sind die alten Trends und Reflexe aber noch da und keineswegs ausser Kraft gesetzt.

Wunderschön kann man das im Chart mit Stundenkerzen des weltweiten Leitindex S&P500 sehen, der seit Jahresanfang 2014 nicht vom Fleck gekommen ist:

S&P500 22.01.14

Jetzt ist es durchaus möglich, dass das nur eine Konsolidierung vor dem nächsten Schub ist und ich habe eine angedeutete iSKS Wendeformation eingezeichnet, die man mit etwas Phantasie dort erkennen kann. Aber trotzdem ist das eine Veränderung der Situation gegenüber 2013. Trotz guter Gelegenheiten, fehlt den Bullen 3 Wochen lang die Kraft zum Ausbruch - das sollten wir uns in unseren Notizbüchern deutlich markieren.

Im grösseren Bild bis 2012 zurück zeigt uns der S&P500 dann, dass bisher nichts passiert ist. Insofern hat der Aufwärtstrend weiter unser Vertrauen verdient und es wäre töricht, sich dem nun einfach so entgegen zu stellen. Aber klar ist auch, dass wir unbedingt genau definierte Ausstiegspunkte brauchen, um uns schnell mit dem Fallschirm vom Geschehen abzusetzen. Denn wenn der Markt dann mal beliebt nach unten zu laufen, kann das nach so einer Bewegung sehr schnell sehr übel werden.

S&P500 22.01.14 Tag

Besondere Bedeutung räume ich dabei dem Stop 2 im Chart ein, der mit den Tiefpunkten des Kampfes kurz vor Weihnachten 2013 korreliert, bevor der S&P500 dann zur Jahresendrally ansetzte. Wenn diese Zone fallen sollte, werde ich sehr vorsichtig werden !

Übertragen auf den DAX, sieht das Bild natürlich ähnlich aus. Da der DAX in der Mehrzahl von angelsächsischen Investoren dominiert wird, ist er im grossen Bild ein Abbild seines Herrchens, des S&P500. Allerdings läuft er mal etwas vor und bleibt manchmal etwas zurück. Und zuletzt ist der DAX vorgelaufen, wie man eindrucksvoll am langfristigen Chart mit Wochenkerzen sieht:

DAX 22.01.14 Woche

Wir sehen zwei! Trendbeschleunigungen im Anstieg seit 2011 und auch wenn auch hier der Trend unser Freund ist, ist doch auch klar, dass es mit dieser Beschleunigung nicht ewig so weiter gehen kann und die Risiken langsam steigen.

Insofern sollte man auch im DAX dabei bleiben und den Aufwärtstrend respektieren, aber auch hier müssen klare Ausstiegs-Marken her, an die man sich dann auch hält. Das Chart mit Tageskerzen zeigt dabei, wo es ernst werden könnte.

DAX 22.01.14 Tag

Als erstes leichtes Warnsignal betrachte ich, falls die 9700 kurzfristig unterschritten werden. Richtig ernst wird es aber erst in der Zone bei Stop 1 und die bullische Aufwärtsbewegung kommt erst in der Zone bei Stop 2 ernsthaft in Gefahr.

In diesem Sinne bedeuten die Charts nun nicht, dass man nun einfach blind aussteigen muss, nur weil die Märkte schon weit gelaufen sind. Machen Sie sich klar, dass der DAX problemlos über 10.000 und selbst etwas darüber hinaus steigen kann. Und das Trends gerne länger laufen, als wir uns vorstellen können. Oder konnten Sie sich im Herbst 2011 - als diese Bewegung bei 5000 Punkten begann - den Verlauf bis heute im DAX vorstellen ?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Laufe von 2014 aber die scharfe Korrektur erleben, die in 2013 fehlte, ist verdammt hoch. So hoch, dass man damit rechnen sollte und dafür immer klar wissen sollte, an welchen Stellen man konsequent seinen Fallschirm auspackt und mit einem Lächeln, das dann trudelnde Flugzeug seinem Schicksal überlässt.

Und das muss gar nicht mal bedeuten, dass der übergeordnete Bullenmarkt schon am Ende ist, so eine Korrektur kann einfach nur mal wieder der frische Wind sein, der nötig ist, um die Aufwärtsbewegung fortsetzen zu können. Aber auch ein Minus von 20% fühlt sich ziemlich übel an, wenn man ungeschützt mitten drin steckt und das können und sollten wir uns ersparen, wenn wir einfach nur schauen, was uns der Markt mit seinen Bewegungen sagt.

Mitnehmen was der Markt hergibt und dabei trotzdem aufmerksam und vorsichtig zu bleiben, ist kein Widerspruch. Es zeichnet vielmehr den erfolgreichen Anleger und Trader aus !

Ihr Hari

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DAX-Betrachtung: Die Entscheidungen sind gefallen – neue stehen bevor

Ein Gastkommentar von Tokay

Ereignisreiche und mit Momentum geladene Tage liegen hinter uns. Da war zunächst die Entscheidung der FED in Washington, nun doch noch nicht mit dem allmählichen Zurückfahren ihrer Operationen auf dem Kapitalmarkt zu beginnen. Da war der Ausgang der deutschen Bundestagswahl, welche die CDU/CSU von Frau Merkel zwar zur mit Abstand stärksten politischen Kraft machte, aber auch dazu führte, das ihr der bisherige Koalitionspartner abhanden kam. Uns interessiert hier im Mr. Market-Blog natürlich, welche Auswirkungen dies auf den Aktienmarkt haben mag. Denn was in Deutschland entschieden wird, hat für die europäische Entwicklung, für das Eurosystem größte Bedeutung.

Kommen wir also zur Bundestagswahl, und hier können wir es kurz machen. Der Wahlausgang hat die Märkte nicht sonderlich überrascht, die Wahl war schon beinahe ein „Non-Event“. Auch wenn bürgerliche Regierungen eine Politik betreiben, welche von der Tendenz her bei den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft auf günstigere Resonanz stoßen mag, so ist der Verlust der schwarz-gelben Regierung nichts, weshalb man die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft grundlegend überdenken müsste. Es sei denn, es käme zur Bildung einer rot-rot-grünen Regierung – was allerdings seitens der SPD und den Grünen zurückgewiesen wird. Zudem waren die FDP-Minister nicht eben Personen, die prägende wirtschaftspolitische Akzente gesetzt hätten. Das Bedauern über die Abwahl der FDP hält sich somit eher in Grenzen. Auch sollte die kommende Bundesregierung unter Frau Merkel weiterhin einen europafreundlichen Kurs verfolgen, was von den DAX-Unternehmenschefs mehrheitlich gerne gesehen werden dürfte. Indes dürften die meisten Akteure eine große Koalition gegenüber einer schwarz-grünen Koalition oder einer Minderheitsregierung der Union bevorzugen.

Und damit zu unserem Langfristchart:

DAX 9000 - September 2013

Wir befinden uns nach wie vor auf dem Pfad CDE, der unaufhaltsam Richtung 9000 Punkte strebt. Diese Marke dürfte bald erreicht werden. Danach aber, voraussichtlich im Frühjahr 2014, fällt die Entscheidung darüber, ob der DAX auf die Obergrenze des langfristigen Wachstumspfades, markiert durch die Linie A1E, einschwenkt, was mehr oder weniger einer Seitwärtspendelbewegung entspräche, oder die seit Herbst 2011 andauernde Hausse weiter anhält. Immerhin hat der DAX seither deutlich über 50 Prozent zugelegt. Sollte das letztere eintreten, dann dürfte die vielbeschworene Marke von 10000 Punkten ebenfalls nicht mehr fern sein, und wir würden, was die Indexziffern angeht, in ein neues Zeitalter eintreten. Es wird aber wohl noch etwas dauern, bis es endgültig so weit ist.

Ich möchte heute die Aufmerksamkeit der Leser des Mr. Market-Blogs auf einen grundlegenden Zusammenhang lenken, der sehr eng mit der Politik der FED zusammenhängt. Seit dem Beginn der monetären Expansion Ende 2008 während der Subprime-Krise hat der DAX begonnen, sich von der Leitzinsentwicklung abzukoppeln. Wie wir in der nachfolgenden Grafik sehen, ist der EZB-Leitzins konstant geblieben. In einer klassischen Hausse wären die Leitzinsen dem Aktienmarkt Richtung Norden nachgefolgt. Der DAX hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt und ein Ende ist nicht absehbar – vorerst jedenfalls nicht.

DAX Leitzins Kapitalmarktzins September 2013

In der Baisse nach der Jahrtausendwende folgte der Leitzins dem DAX nach unten, wie er das auch in der Vergangenheit eigentlich immer getan hatte. Erst ca. 2 ½ Jahre später, der DAX war mittlerweile kräftig nach oben gelaufen, wurde der Leitzins sukzessive angehoben. Seit der ersten Leitzinssenkung gegen Ende der großen Baisse von 2008 hat keine weitere Zinssenkung mehr stattgefunden. Ganz im Gegenteil wurden, bedingt allerdings durch die Eurokrise die Leitzinsen weiter gesenkt; wir erinnern uns an die mittlerweile berühmt gewordene Rede von Mario Draghi in London, und ein Ende ist, wenn man Draghi Glauben schenken darf, nicht absehbar. Dies umso weniger, als die FED den US-Konjunkturaufschwung offenbar noch nicht als hinreichend nachhaltig einstuft.

Es könnte einem nun natürlich angst und bange werden vor dem mutmaßlichen Inflationsschub, der möglicherweise demnächst ins Haus stehe, doch sind Zweifel daran erlaubt, ob ein solcher Schub sich tatsächlich ereignen wird. Ein Indikator hierfür ist die Entwicklung bei den länger laufenden Anleihen sowie der Abstand zwischen den Langläufern und dem Geldmarktzins, welcher sich wiederum an den Leitzins anlehnt.

Wir erkennen hier, dass immer dann eine Baisse bevorstand, wenn sich der Abstand zwischen langfristigem und kurzfristigem Zins extrem reduzierte. Immer dann, wenn dieser Abstand größer wurde, kam es auch zu einem Anstieg am Aktienmarkt. Und hier haben wir nun in den vergangenen Monaten eine Vergrößerung des Zinsabstandes beobachten können, was eher auf eine Normalisierung der Situation auf dem Kapitalmarkt hindeutet. Sicherlich misst die Höhe des Kapitalmarktzinses die Inflationserwartungen, letztlich aber ist der Zins einfach das Regulativ zwischen Kapitalangebot und Kapitalnachfrage. Und in einer insgesamt freundlichen konjunkturellen Landschaft ist ein Anziehen des Kapitalmarktzinses von einem tiefem Niveau aus ein eher gutes Zeichen. Der Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen lag zuletzt bei etwa 1,8 Prozent. Die DAX-Unternehmen hingegen bieten eine Dividendenrendite von über 3 Prozent, dazu kamen in den letzten Jahren Kursanstiege der DAX-Werte. Damit ist der Anleihemarkt noch weit von einer Situation entfernt, in der der man die Zinsentwicklung als lukrativ bezeichnen könnte, und diejenigen, die am Aktienmarkt investiert haben, konnten in der jüngsten Vergangenheit eindeutig stärker profitieren. Der Realzins liegt praktisch bei Null, und zwar vor Steuern. Begriffe wie „kalte Enteignung der Sparer“ oder „finanzielle Repression“ kommen einem da schon in den Sinn.

Ausblick also: Bis Frühjahr werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit weiterhin einen freundlichen Aktienmarkt haben, sprich es wird auf DAX 9000 gehen und eventuell darüber hinaus – wohl auch mangels Alternativen. Dann jedoch könnte es spannend werden, und die nächsten Weichenstellungen am deutschen Aktienmarkt stehen sicherlich bevor. Übrigens: Am 25. Mai 2014 ist Europawahl...

Tokay

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DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt. Und was das mit dem DAX – Kursindex zu tun hat.

Wer meinen gestrigen Lunchtalk mit der Wirtschaftwoche gesehen hat, hat auch bemerkt, wie viel Spass wir dabei hatten DAX 10.000 und 20.000 auszurufen. Und wer nicht, kann das nachholen.

Diese Prognosiritis - übrigens eine ansteckende, geistige Virus-Krankheit 😉 - ist ja eine beliebte Methode, um sich später als Guru feiern lassen zu können. Man macht das so wie ein Fischer, der sein Netz aufwirft. Man hat zwar ebenso wie alle anderen keinerlei Ahnung was die Zukunft bringt, macht aber immer mal wieder eine ebenso wahllose, wie "mutige" Prognose abseits der Norm. Crash-Weissagungen sind dafür ebenso gut geeignet, wie markante Kursmarken weit über den aktuellen Kursen.

Und dann ist es ganz einfach. Irgendwann fängt dieses Netz mal einen Fisch, in der Form, dass die Realität zufällig mit einer der Prognosen überein stimmt. Und dann ruft man laut: "Ich habe es vorher gesagt, ich habe es vorher gesagt !" Und lässt sich feiern. Und wird zum "Gottweissnichtwas" ernannt oder wie auch immer diese lächerlichen Pseudo-Titel lauten. Man wird herum gereicht, darf Interviews geben, taucht auf Magazinen auf und der gemeine Anleger hält einen für einen ganz Schlauen. Dabei ist man einfach nur ein guter Fischer. Und das Spiel funktioniert, weil man zuverlässig auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann. Denn all die Weissagen und Prognosen in denen man grottig falsch lag, über die redet man einfach nicht und das Publikum vergisst sie schnell.

So läuft die Methode, die man auch immer wieder in Werbe-Bannern bewundern kann, wo irgendwelche selbsternannten Gurus Sie natürlich unbedingt "reich" machen wollen und Ihnen entweder wahlweise "den grossen Crash" oder "DAX irgendwas" versprechen. Hauptsache ist aber, dass Sie natürlich vorher ein Abo abschliessen. 😉 Ich bekomme da per Mail auch immer wieder so Angebote, wo mir jemand den ich gar nicht kenne, in schlechtem Englisch unbedingt eine Erbschaft anbieten will. Natürlich muss ich vorher einen "geringen" Betrag von ein paar tausend Kröten ins Ausland zahlen, aber das sind ja "Peanuts", in Anbetracht der grossen Zahlung, die ja auch gaaanz sicher bei mir eintreffen wird. 😉

Soviel also zu der Virus Krankheit der Prognosiritis. Und trotzdem steckt in DAX 10.000 und DAX 20.000 ein wahrer Kern, auch wenn niemand weiss, ob das in 6 Monaten oder 16 Jahren erst erreicht werden wird. Und ich wiederhole deshalb hier laut und deutlich für die Nachwelt:

DAX 10.000 kommt ! Und DAX 20.000 auch !

Warum will ich Ihnen nun erklären, denn es hat mit dem DAX Performance-Index und seinem kaum bekannten Gegenpart dem DAX Kurs-Index zu tun.

Was ist der Unterschied ? Im DAX Performance Index werden die ausgeschütteten Dividenden von derzeit 2-3% per Annum inkludiert. Damit unterscheidet sich der DAX, den Sie alle kennen, von nahezu allen anderen Indizes der Welt. Egal ob S&P500 oder Eurostoxx, das sind alles Kursindizes, in denen die ausgeschütteten Dividenden nicht hinein gerechnet werden.

Der DAX ist also die Ausnahme und er ist sozusagen im Vergleich aufgepumpt. Denn auch in den anderen Indizes erhalten die Anleger ja Dividenden und nicht zu knapp. Nur tauchen die im Kurs der Indizes nicht auf. Womit ein direkter Vergleich der Performance von DAX und S&P500 in die Irre führt und den DAX besser aussehen lässt, als er ist.

Übrigens, will ich an dieser Stelle auch gleich mit einem Missverständnis aufräumen, das bei vielen auftritt, die im ersten Schritt den Unterschied zwischen den beiden Index-Formen schon verstanden haben. Die Dividenden werden bei der Berechnung des DAX Performance-Index eben nicht als Sockel mitgeführt, was dazu führen würde, dass der DAX gar nicht mehr unter einen bestimmten Wert fallen könnte. Nein, die Dividenden werden in die Aktien rechnerisch "re-investiert", was bedeutet, dass wenn alle Aktien auf Null fallen, auch die reinvestierten Dividenden bei Null sind. Der DAX kann also rein theoretisch und rechnerisch sehr wohl auf Null fallen.

Das aber nur am Rande. Der Punkt ist: der DAX steigt jedes Jahr sowieso um 2-3%, auch wenn sich die darin enthaltenen Aktien nicht bewegen und deren Börsenbewertung gleich bleibt, weil sich am Geschäft gar nichts ändert. Und deshalb wird der Ihnen bekannte DAX definitiv auf 10.000 steigen. Und auch auf 20.000. Meine Prognose wird also eintreten und ist keineswegs "mutig". Fragt sich nur, wie lange das dauert.

Jetzt kann man lange theoretische Diskussionen darüber führen, was die "richtige" Berechnung eines Index ist. Da gibt es keine objektive Antwort, aber ich bin der Meinung egal welche Methode man wählt, sollten die Berechnungen vergleichbar sein. Und insofern ist der DAX "falsch" und gaukelt eine Stärke vor, die gar nicht vorhanden ist.

Denn die meisten anderen Indizes stellen einfach die Marktkapitalisierung der darin enthaltenen Unternehmen dar. Also exakt den Wert, den die Börse den Unternehmen in genau diesem Moment beimisst. Beim DAX (Performanceindex) ist das nicht der Fall, der schleppt auch die Vergangenheit in Form der alten Ausschüttungen mit. Nur die haben eigentlich nichts mit der aktuellen Bewertung der Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu tun.

Welche Auswirkungen das hat und warum DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt gar nicht so unwahrscheinlich ist, will ich Ihnen nun zeigen. Schauen wir zunächst auf den klassischen, allgemein bekannten DAX (Performance-Index) mit Monatskerzen seit 1995:

DAX monatlich 25.09.13

Ein Chartist würde nun sagen: WoW ! Ausbruch ! Und so sieht es aus. Grosse Stärke, die nun endlich oben den langjährigen Deckel weggehauen hat. Und DAX 10.000 sind nicht mehr weit. Ein bedeutender Moment also. Dumm nur, das es gar nicht stimmt mit dem bedeutenden Moment. Denn die im DAX enthaltenen Unternehmen sind kein bisschen mehr wert, als sie es schon 1997 oder 2006 waren. Und das zeigt uns der DAX Kursindex, der wirklich mit einem S&P500 zu vergleichen wäre.

Ich habe dieses Chart, das bis zur Begründung des DAX im Jahr 1988 zurück reicht, mit Daten der Bundesbank erstellt, die Sie selber nachvollziehen können, wenn Sie wollen.

DAX Kursindex 1988-2013

Dieses Chart spricht eine ganz andere Sprache. Und diese Sprache ist viel aussagekräftiger. Die deutschen Aktien befinden sich in dem, was man ein zulaufendes Dreieck nennt. Seit nun fast 14 Jahren gab es bei der Bewertung deutscher Aktien nicht wirklich viel zu gewinnen, ausser man tradete diese Hochs und Tiefs aktiv. Für Trader war das eine schöne Zeit, für Buy & Hold Anleger eher grausam. Nur die Dividenden von im Mittel 2-3% gab es sicher.

Nur bekam man ja für andere Anlagen wie Staatsanleihen im Mittel auch solche Renditen. Diese 2-3% sind nichts Besonderes, sondern einfach die Basisrendite jeder halbwegs vernünftigen Anlage und insofern nichts, was Aktien langfristig besonders auszeichnet. Zumal man bei Ihnen ja auch grössseren Schwankungen ausgesetzt ist, die eigentlich eine höhere Rendite als andere Anlagen erfordern, um die Anlage attraktiv zu machen.

Einen Mehrwert bei Buy & Hold generieren Aktien nur dann jenseits dieser Basisrendite aus Dividenden, wenn die Firmenbewertungen selber steigen, weil die Firmen wirklich "mehr wert" werden. Das war in den letzten 14 Jahren nicht der Fall und ist auch kein Wunder. Denn "mehr Wert" können Firmen nur werden, wenn echte Innovation auftritt, die die Wertschöpfung massiv erhöht.

Eine solche Phase - einen echten Bullenmarkt - hatten wir in den 90ern durch die Veränderung der Welt durch den Aufstieg der Computer, verbunden mit der Friedensdividende des fallenden eisernen Vorhangs und des damit verbundenen Eintritts von Milliarden Menschen in die Weltwirtschaft. Das hat die Produktivität und Wertschöpfung weltweit massiv erhöht. Und damit waren die Firmen wirklich und zu recht "mehr wert". Und auch wenn es dann in 2000 eine Übertreibung nach oben gab, ist das Ergebnis dieses Produktivitätsschubs immer noch erhalten, das zeigt auch der Kursverlauf des DAX Kursindex.

Seit 2000 aber, gab es keine umwälzenden Änderungen mehr in der Welt, keine neue Phase der Produktivitätssteigerung, die prinzipiell eine höhere Bewertung von Firmen rechtfertigen würde. Aber - auch die langfristige Wirtschaft beliebt in Zyklen zu schwingen - dieses Chart mit seinem zulaufenden Dreieck deutet etwas an. Irgendwann wird dieses Dreieck enden und nach dieser jahrzentelangen Kompression und Seitwärtsbewegung, werden die Bewertungen dann wirklich nach oben ausbrechen. Und zwar massiv. Denn dann wird ein neuer bullischer Zyklus aus der Asche dieser Seitwärtsbewegung geboren.

Und der Katalysator dafür werden nicht irgendwelche Notenbank-Aktionen sein. Nein, die schaden eher und führen nur zu diesen sinnlosen Schwingungen, wie wir sie hier sehen. Boom & Bust. Echte Innovation entsteht eben nicht aus fiskalischen Spielereien und dem Bedrucken von Baumwollpapier, um Geldscheine zu produzieren. Nein, der nächste Zyklus wird durch das "nächste grosse Ding", die nächste Innovation induziert, die die Welt erneut so umkrempelt, wie zuletzt die Computer. Vielleicht wird es der Biotech Bereich sein, im Sinne "Human Engineering" - das ist mein "heisser" Tip für das "nächste grosse Ding". Oder es wird aus dem entstehen, was wir heute 3D Druck nennen, um am Ende die industrielle "Replikation aller Dinge" darzustellen. Oder es wird etwas ganz anderes, das wir noch nicht auf dem Radar haben.

Der Punkt ist: Der bedeutende Ausbruch ist nicht das, was wir heute im verzerrenden DAX Performance Index sehen. Der grosse Ausbruch kommt dann, dann aber richtig, wenn der DAX Kursindex mit Macht diese Konsolidierung seit 2000 verlässt. Denn dann ziehen die Bewertungen der Unternehmen wieder wirklich an. Und dann, wenn der Kursindex das tut, dann wird der DAX Performance-Index auch ganz schnell bei 20.000 stehen. Das ist dann einfach nur noch simple Mathematik.

Insofern sind DAX 20.000 noch in diesem Jahrzehnt keineswegs völlig unwahrscheinlich. Es braucht nur das "nächste grosse Ding", das die Welt in einen neue Phase der Produktivitätsgewinne katapultiert. Und wenn der Fall in diesem Jahrzehnt noch eintritt, bitte ich doch herzlich darum, dass ich dann auch den Titel "Mr. 20000" bekomme und bitte auch durch Fernsehen und Magazine herum gereicht werde. 😉

Ihnen einen schönen Tag !

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