Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

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