Hari´s Märkte am Abend – 03.02.12 – Wochenabschluss – Von verzweifelten Bären

21.00 Uhr - 1 Stunde vor Handelsschluss -  Was für eine Woche ! Sieg für die Bullen auf der ganzen Linie !

Mr. Market bestätigt erneut, wie gerne er den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und der ist, wie ich -> hier <- ja vor einer guten Woche begründet hatte, derzeit massiv nach oben. Denn genau dieses Szenario - den "Runaway Move" in dem wir ohne Halten einfach nach oben rennen - konnte sich fast niemand vorstellen und damit war auch fast niemand dafür positioniert.

Und so verrückt sich das bei einem so starken Markt anhört: Dieser Markt macht ganz vielen Menschen jede Menge Schmerzen ! Denn auch für jemanden wie mich - der diese Bewegung frühzeitig erkannt und entsprechend profitiert hat - ist es unmöglich sie vollständig mitzunehmen, weil man ja zu Recht nicht im völligen Blindflug und ohne Sicherung nach oben rennen will. Auch ich habe also aktuell Gedanken wie "wäre ich mal hier mehr Risiko eingegangen". Glauben Sie mir, Sie sind nicht allein !

Denn wenn die klassischen technischen Hilfsmittel unbrauchbar werden weil sie sowieso am Anschlag laufen, dann kann man als rational agierender Mensch nicht volles Risiko gehen. Die Folge ist, dass auch ich hätte noch mehr profitieren können. Nur denken Sie daran, wie fühlt sich dann aktuell jemand an der Seitenlinie oder noch schlimmer Short ? Das genau ist der Weg des maximalen Schmerzes ! Mr. Market ist halt einfach ein ziemlich hinterhältiger Geselle ....

Und wer glaubt die bärische Sicht vieler Marktteilnehmer habe sich nun geändert und der Markt sei zu euphorisch, liegt in meinen Augen falsch. Ich empfehle dazu mal die aktuelle Sentiment-Analyse von Cognitrend zu lesen. Die Phase der Euphorie kommt sicher noch, sie liegt aber in meinen Augen noch vor uns.

Die Bären die nun an der Seitenlinie stehen akzeptieren nämlich die neue Realität keineswegs. Statt dessen graben sie sich noch in ihrem festgefahrenen 2011er Bias ein und halten sich an allen verfügbaren Begründungen fest, die ihren Bias bestätigen könnten. Und vielleicht haben die Bären damit ja sogar Recht und irgendwann in 2012 kippt alles wieder und wir stürzen mit der Weltkonjunktur richtig ab. Nur was nützt diese theoretische Möglichkeit ihnen heute ? Heute steigt der Markt massiv und wer nicht dabei ist, verpasst eine Menge. Der Markt ist im Moment halt primär von Liquidität getrieben. Und die wird von den Notenbanken derzeit so über uns herab geschüttet, dass es kein Halten mehr gibt. Die letzte Liquiditätsrally trat die FED im September 2010 mit dem QE2 Programm los. Diese Rally lief damals fast 5 Monate ohne zurück zu schauen .....

Im Sentiment Cycle nennt man das was die Bären gerade durchleben die "Denial Phase". Man verweigert sich der neuen Realität, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Was bedeutet, dass der Markt noch einen erheblichen Schub bekommen könnte, wenn die Bären endlich aufgeben. Und nach dem heutigen Tag werden wohl einige aufgeben und das Lager wechseln. Trotzdem finde ich es nach dem Schub von heute richtig, über das Wochenende Risiko heraus zu nehmen. Es gibt auch nächste Woche sicher wieder Dips, bei denen man einsteigen kann.

Und eines will ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit sagen, weil es mir so wichtig erscheint: die technischen Hilfsmittel wie zb Oszillatoren um den Wendepunkt im Markt zu erahnen sind nun in diesem "Runaway Move" in ihrer Aussagekraft deutlich geschwächt. Die Wende kann nun also erst in einem Monat bei 7200 im DAX oder schon nächste Woche kommen. Ja, ich meine das ernst, es kann auch nächste Woche schon kippen, auch wenn das für mich nicht das wahrscheinlichste Szenario ist. Wir haben jetzt also zunehmend markttechnischen Blindflug mit immer weiter erhöhtem Risiko, je weiter diese Rally läuft. So ist das halt bei einem "Runaway-Move". Wer sich das nicht vorstellen kann, dem empfehle ich sich -> hier <- noch einmal den Anstieg von Silber 2011 vor Augen zu führen und nachzulesen, wie man mit dem Dilemma umgehen kann. Merken Sie sich also unbedingt diese zwei Regeln eines "Runaway Moves":

1. Die Bewegung dauert länger als man sich vorstellen kann !
2. Der Absturz kommt ohne Vorwarnung und ist nicht vorhersehbar !

Wir haben also keine Wahl als solange auf der Party zu tanzen wie die Musik spielt. Und uns dann ganz schnell in die Büsche zu schlagen. Das ist zumindest mein Plan 😉 Schaun wir mal ob ich den Plan einhalten und vor allem schnell genug rausspringen kann.....

Aktie des Tages war heute neben der -> hier <-schon besprochenen Temenos (WKN 676682) für mich eine meiner Lieblingsaktien:
Rheinmetall (WKN 703000) mit 5% Plus. Warum gerade heute dieser Anstieg, kann ich Ihnen nicht sagen, dafür war Rheinmetall die Tage davor eher schwach, insofern spricht viel für einen reinen Aufholeffekt. Das es dann sogar 5% wurden, ist wohl die klassische Dynamik bei einem Ausbruch über eine Zone die lange nicht geknackt werden konnte, wie bei Rheinmetall der Bereich um 42€. Ich finde die Aktie nach wie vor attraktiv und wer sich den Chart oder auch die fundamentale Bewertung mal anschaut, erkennt noch einige Luft nach oben. Nachlegen werden ich bei 45€ nicht mehr, verkaufen aber auch nicht.

Auch Nordex (A0D655) steigt weiter dynamisch, heute erneut um 5%. In der Nähe von 6€ werde ich dort wohl - aus rein charttechnischer Sicht - erst einmal aussteigen.

Weiter im Aufwärtstrend sind auch alle Autowerte, angeführt im DAX von Daimler (WKN 710000) mit heute 3% Plus. Man sieht daran in meinen Augen, wie das Geld der US Investoren wieder in den DAX und insbesondere in die klassischen Industrietitel strömt, das im zweiten Halbjahr 2011 abgezogen wurde. Das ist für mich auch die Erklärung, warum diese Titel im letzten Jahr trotz guter Absatzzahlen so furchtbar verprügelt wurden und dieses Jahr trotz ähnlicher Absatzzahlen so toll laufen: schlicht massive Geldströme aus und in den DAX und sonst nichts. Die bekannten Autobauer sind da ein besonders beliebtes Ziel der US Geldströme. Und wenn es keinen externen "Game Changer" gibt, ist dieser Geldstrom wohl noch nicht am Ende.

Aber auch die hier vor kurzem schon erwähnten IT-Netzwerk Aktien wie zum Beispiel Juniper Networks (WKN 923889) mit heute 5% Plus, scheinen nun ins Rollen zu kommen. Da würde ich jetzt mal genauer hinschauen weil das sicher Profiteure eine besseren US Konjunktur sind und das wäre zum Beispiel so ein Segment, wo man noch nicht so viel verpasst hat.

Auffällig ist zum Schluss heute die Schwäche in Gold und Silber, für die ich derzeit noch keine überzeugende Erklärung habe, ausser das eine Korrektur halt mal fällig war. Das bei so einer Rally auch die "Krisenwährung" Gold aufgelöst wird könnte ich ja nachvollziehen. Warum dann aber das Industriemetall Silber so leidet, ist mir noch unklar. Hier muss man nächste Woche genau hinschauen, denn so unklare Bewegungen sind oft das Kräuseln auf der Wasseroberfläche, dass auf bedeutende Bewegungen unter der Oberfläche hindeutet. Angekündigt wurde das schon gestern durch einen grossen "Selling on Strength" Tag beim grössten Gold ETF "GLD".

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

4 Gedanken zu “Hari´s Märkte am Abend – 03.02.12 – Wochenabschluss – Von verzweifelten Bären

  1. Hallo Hari, Deiner Lagebeurteilung gibt es eigentlich gar nicht viel hinzuzufügen. Zu den Einzelwerten kann ich nicht viel sagen, da ich nicht alle davon verfolge. Aber die von Dir erwähnten Sentiment-Zahlen sind sehr interessant und bestätigen das Bild eines Aufschwungs, der vorerst noch vom Unglauben geprägt wird. Dieser Unglaube kontrastiert mit den positiven Geschäftserwartungen, die in der Industrie bereits wieder vorherrschen der üppigen Geldversorgung. Ein weiterer Punkt ist das Überschreiten des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts beim DAX, der von vielen mittel- bzw. längerfristig agierenden Akteuren als Signal gewertet wird. Verglichen damit, ist das, was wir hier betreiben, eher “Momentum Playing”, wenn wir schon ans Verkaufen denken, wo andere vielleicht erst noch beginnen, wieder einzusteigen. Aber es ist natürlich schon so: Wenn ein Trend einmal Fahrt gewinnt, dann wird es sehr unwahrscheinlich, daß er sichso schnell wieder ins Gegenteil verkehrt. Ähnlich wie beim Autofahren: Bei hoher Geschwindigkeit wird das Fahrzeug nicht sofort zum Stillstand kommen, wenn gebremst wird, sondern die hohe Geschwindigkeit noch eine Weile beibehalten. Das ist eigentlich typisch für einen Trendmarkt, gleich in welche Richtung.

    Was mich andereseits hat aufhorchen lassen, was sich dezeit im Nahen Osten zusammenbraut: man rechnet allgemein damit, daß der Iran demnächst über Nuklearwaffen verfügen wird und außerdem seine Anlagen immer weiter vergräbt und damit es für Israel immer schwerer wird, einen Präventivschlag zu führen. Die Israelis werden dem nach Lage der Dinge nicht tatenlos zusehen, und die Tatsache, daß die USA immer mehr Kriegsschiffe im Golf zusammenziehen(sie werden dabei übrigens unterstützt von GB und F), spricht für sich. Dies könnte demnächst für Unruhe sorgen.

    Dieser Schauplatz ist etwas, nächster Nebenschauplatz aus Börsensicht, was die deutsche Politik, weniger beschäftigt. Frau Merkel kümmert sich derzeit um China, wo sie anscheinend als “Führerin Europas” eingeschätzt wird, was, realpolitisch gesehen, durchaus nicht abwegig ist. Daraus ergibt sich ganz klar eines: Wenn die Bedeutung der BRIC-Staaten für den deutschen Export(und der China-Besuch ist wenig anderem geschuldet, halt, nein, auch noch den Menschenrechten ) ständig zunimmt, so ist die Politik der Bundesregierung in der Zukunft zumindest von der Tendenz her weniger auf den Zusammenhalt des Westens (also im Wesentlichen USA+GB+F) ausgerichtet, sondern ebenso auf die BRIC-Staaten. Wie sich diese dynamische Entwicklung langfristig mit der bestehenden politischen Ordnung in Europa verträgt, das wird sich zeigen müssen. Das Modell Adenauer 1.0 bzw. Adenauer 2.0 / Kohl / Schäuble neigt sich dem Ende zu. Etwas neues ist im Entstehen begriffen, dessen Umrisse wir noch nicht kennen.

  2. Tag Hari,

    hast du zufällig eine Meinung zu Handelsplattformen wie CMC Markets? Ich wollte mal etwas experimentieren mit Klimpergeld

  3. Hallo Ramsi, bei CMC Markets bin ich nicht, insofern habe ich keine Meinung.

    Wenn es um das Thema CFD geht, da muss Du nicht unbedingt zu CMC Markets, das haben auch andere. Für echtes Trading sind CFDs bei einem guten, zuverlässigen Anbieter aber in meinen Augen weit besser als der ganze Kram wie Optionsscheine etc. Das schöne ist, die CFDs haben eine klare, einfache Preisstruktur ohne so gummiartige Einflussgrössen wie implizite Vola, mit der sich der Market-Maker bei Optionsscheinen oder Zertifikaten gerne mal einen Extragewinn auf Deine Kosten holt. Und wenn der CFD Anbieter die Kurse stur nach Future-Kursen stellt, dann hast Du auch immer liquide, faire, nachvollziehbare Kurse – was man bei Optionsscheinen oder Zertifikaten wirklich nicht immer sagen kann, weil da der Zwischenhändler (Market-Maker) drin hängt und zunächst an seinen Profit (= Deine Kosten) denkt. Ausserdem kannst Du mit CFDs ohne Aufwand Long/Short auf jede grosse Aktie gehen, Indizes sowieso.

    Ich selber habe gute Erfahrungen mit der Saxo-Bank (Dänische Bank für Trader und Profis) gemacht, mit der Du Zugang zu allen Handelsplätzen der Welt hast und eine gute CFD Abwicklung, die 1-zu-1 auf dem Future beruht. Auch der Support ist bei denen sehr professionell, Du redest direkt mit Tradern, die auch direkt eingreifen können und nicht mit irgend einer Hotline die dann erst woanders anrufen muss, wenn es wirklich ein Problem gibt. Der deutschprachige Support der Saxo sitzt in Zürich.

    Grundsätzlich muss Du in meinen Augen bei der Auswahl primär auf drei Dinge achten:

    (1) Sicherheit der Einlage (wer ist die Muttergesellschaft etc)
    (2) Fairness bei der Kutellung – wer CFD Kurse 1-zu-1 nach nicht manipulierbaren Marktkursen wie zB den Futures stellt, ist in Ordnung. Wer das nicht tut, sollte mit Vorsicht behandelt werden.
    (3) Stabilität der IT Plattform bei hoher Volatilität. Das ist viel wichtiger als irgendwelche Features oder ein paar Cent Gebühren. Wenn Du es am meisten brauchst und alle anderen im Panik-Modus sind, dann muss Deine Plattform stabil verfügbar sein. Da hilft nur zu googeln was User an Erfahrungen gemacht haben. Zum Beispiel zuletzt letzten August beim Anfang des Absturzes der Märkte. Da sind nämlich wieder eine Reihe der “Schönwetterbanken” in die Knie gegangen. Und das braucht man dann wirklich nicht, da sollte man lieber ein paar Cent mehr Gebühren zahlen !

    Ich hoffe das hilft ein wenig.

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