Was die drei Buchstaben TAN mit dem neuen Solar Boom und First Solar zu tun haben

Seit wir hier auf surveybuilder.info.de im Frühjahr 2013 auf den anfahrenden Solar Zug aufgesprungen sind, tauchen immer wieder die drei Buchstaben "TAN" auf. Und schon mehrfach wurde ich gefragt, was es damit auf sich hat.

Ganz einfach, es ist der Guggenheim Solar ETF speziell für den weltweiten Solarsektor und zwar mit dem Wallstreet Kürzel "TAN". Sehen Sie hier die aktuellen des ETFs, bei denen die aktuell nach oben schiessende First Solar (WKN: A0LEKM) eine der grössten Positionen ist.

Dieser ETF gibt einen guten Überblick über die weltweite Solarindustrie, der dringend nötig ist, da uns in Deutschland zu diesem Thema der Blick durch die diversen Pleitekandidaten verschleiert wird und wir so die grossen Chancen in der weiten Welt oft gar nicht erst wahrnehmen. Ausser Sie waren dieses Jahr hier auf surveybuilder.info dabei.

Neben dem TAN gibt es dann noch den "KWT" mit ähnlicher Zusammensetzung, aber es gibt in Deutschland - also als ETF zum Vertrieb in Deutschland zugelassen - meines Wissens keinen einzigen ETF, der den Solarsektor komplett abbildet. Zumindest kenne ich keinen, wenn es doch einen ETF gibt, bitte ich um Nachricht.

Das ist ein Trauerspiel und typisch, die Finanzindustrie hier hat nach meiner persönlichen Wahrnehmung ein Händchen dafür, strukturierte Produkte immer erst dann auf den Markt zu werfen, wenn "der Käs" schon weitgehend gegessen ist und die Privatanleger noch ein paar abgenagte Knochen in die Hand bekommen.

Wie tragisch das ist, will ich Ihnen an der Entwicklung des TAN in US Dollar im Chart mit Wochenkerzen seit 2010 zeigen:

TAN 01.11.13

Sie sehen eine der perfektesten Umkehrformationen, die ich in meiner 25-jährigen Börsenkarriere je gesehen habe. Vom Tief im November 2012 bei 12,60 USD bis zum Hoch im Oktober diesen Jahres bei 41,16 USD, betrug der Hub innerhalb eines knappen Jahres sensationelle 226% ! Und das nicht bei einer einzelnen Aktie, sondern einem ganzen Sektor.

Und Sie sehen die Volumenexplosion ab September, dem Zeitpunkt wo breite Anlegerschichten aufmerksam wurden. Seit dem kann man auch in Deutschland allerlei zum Thema lesen, der Anfang der Bewegung ist das aber bei weitem nicht.

Warum es nach einer zwangsläufigen Korrektur durchaus weiter gehen kann und was da schon alles verpasst wurde, habe ich ausführlich -> hier <- in einem Artikel dargestellt und will ich nicht wiederholen.

Ich will Ihnen statt dessen die Frage beantworten, wie Sie den TAN denn kaufen können, denn einige Leser wollen sicher gerne am ganzen Solar-Sektor teilhaben. Das macht ja auch für normale Anleger mehr Sinn, als sich mit einzelnen Aktien wie Yingli , Trina oder Yinko Solar herum zu plagen, die man als durchschnittlicher Anleger sowieso nicht sinnvoll von Deutschland aus verfolgen kann.

Die traurige Antwort ist, von einer normalen deutschen Direktbank aus, geht es nach meiner Erfahrung bei US-ETFs oft gar nicht sinnvoll. Denn was Sie hier als Anleger kaufen können, ist auf das Universum begrenzt, das eine WKN hat. Eine WKN ist aber eine rein deutsche Veranstaltung und schon wenn Sie über die schweizer Grenze gehen, interessiert sich niemand mehr für dieses Kürzel, dort ist es der "Valor" und in den US eben das Kürzel wie der "TAN" oder der "GDX" oder "TLT".

ETFs wie der TAN, die in Deutschland nicht aktiv vermarktet werden, haben hier auch keinen Market Maker. Sprich selbst wenn Sie eine WKN bekommen, haben Sie noch lange keine zuverlässigen Kurse. So gibt es für den TAN sogar eine WKN, meines Wissens ist das die A1JT66. Und meines Wissens stellen ein paar Nebenbörsen auch Kurse, so zum Beispiel Tradegate.

Nur wie zuverlässig diese Kutellung ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Eben so wenig, wie hoch der Spread ist. Und vergessen dürfen Sie bei Auslandsfonds auch den steuerlichen Aspekt nicht. Da lauern manchmal allerlei Fallen, die man sich nicht bewusst macht, wenn man einfach nur brav von der Bank die Abgeltungssteuer abführen lässt, ohne das zu hinterfragen - Stichwort thesaurierende Auslandsfonds.

Während Profis und erfahrene Privatanleger sowieso mit leistungsfähigen, international aufgestellten Brokern agieren und daher direkten Zugang zur Wallstreet und damit auch zu ETFs wie dem TAN haben, bleibt für den normalen deutschen Anleger bedauerlicherweise wohl nur, auf einzelne Aktien im Sektor auszuweichen, obwohl damit das Risiko leider gegenüber einem Sektor-ETF steigt.

Natürlich gibt es auch das eine oder andere Derivat, wie ein Zertifikat zum Solar Sektor - dergleichen betrachten wir hier bei surveybuilder.info aber sowieso nicht. Wenn wir investieren, dann in der Regel in die Aktien direkt oder in voll replizierende ETFs und eben nicht in Schuldverschreibungen von Banken.

Bleibt für die deutschen Anleger zu hoffen, dass entweder mal iShares und Co. einen Solar ETF auch für Deutschland auflegen, oder Guggenheim auch den deutschen Markt aktiv angeht. Bis das passiert, dürfte der "Kas" im Sektor aber wahrscheinlich wirklich weitgehend gegessen sein.

Hier in Deutschland sitzen wir halt börsentechnisch in der dritten Reihe.

:Sarkasmus on:
Das ist ja auch angemessen, wir sind ja sowieso alle nur "böse Zocker" (im Gegensatz zum "guten" Lottospieler) und insofern ist das ja die angemessene Bestrafung für unser "skandalöses" Tun, bei der Unternehmensfinanzierung als Aktionär aktiv mitzuwirken und so einen volkswirtschaftlichen Beitrag zu leisten. 😉
:Sarkasmus off:

Ihr Hari

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2 Gedanken zu “Was die drei Buchstaben TAN mit dem neuen Solar Boom und First Solar zu tun haben

  1. Hallo Hari,

    ” Zumindest kenne ich keinen, wenn es doch einen ETF gibt, bitte ich um Nachricht.”

    Ich hätte da was, auch wenn’s nicht exakt das ist, was dir vorschwebt:

    SG1ERX von der Soc. Gen.

    Zugegeben, das ist (nur) ein Zertifikat auf den ERIX (European Renewable Energy TR Index) und kein ETF, und darin sind neben Solarwerten auch andere Unternehmen aus dem Bereich EE.
    (Zusammensetzung siehe hier: )

    Vielleicht für den einen oder anderen dennoch interessant, zumal dieses Zerti in diesem Jahr sich mehr als verdoppelt hat.
    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich dieses Zerti längere Zeit über einen Fondssparplan bespart haben und viiiel zu lange gehalten habe, bevor ich es mit schmerzlichem Verlust bei ca 40 € entnervt verscherbelt habe. 🙁 Derzeit halte ich dieses Zertifikat nicht mehr.

    Deine Bemerkung hinsichtlich der eingeschränkten Handelbarkeit von div. Instrumenten kann ich nur unterstreichen!
    Jeder Trader/Anleger, der über das Amateurniveau hinaus will, sollte sich ernsthaft nach einem ausländischen Broker umsehen. Schon allein deswegen, weil die Euro-Krise nicht nur nicht überwunden ist, sondern demnächst wieder hart zurückschlagen wird (ist jedenfalls meine unmaßgebliche Meinung). Um dieser Entwicklung zuvorzukommen, ist es ratsam, einen Teil seines Vermögens im Ausland zu halten, und zwar in ausländischer Währung.

    Dies ist natürlich kein absoluter Schutz davor, dass unser “Rechtsstaat” sich mal wieder räuberische Geldbeschaffungsmaßnahmen ausdenkt, zB so wie beim IWF angeblich schon angedacht wurde, dass alle EURO-Bürger um 10 % Ihres Vermögens erleichtert werden. (Ob es bei 10% bleiben wird, wird sich zeigen – das ist m.E. auf der nach oben offenen Staatsverschuldungsskala eine beliebig zu erhöhende Marge.) Und da es für Otto-Normalanleger keine Möglichkeit (mehr) gibt, sein Geld im Ausland zu verstecken, wird in einem solchen Fall auch auf Auslandskonten zugegriffen werden.

    Da ich nicht weiß, ob Werbung für ausländ. Brokerhäuser erwünscht ist, äußere ich mich an dieser Stelle erstmal nicht – aber wenn ich mich richtig erinnere, hast du Hari bei der SAXO Bank in der Schweiz ein Depot. Nach meinen Infos sind dort nicht nur US-ETFs und CFDs handelbar, sondern es sollen ab 2014 auch Optionen handelbar sein. Einzig die im Vergleich zu dtsch. Onlinebrokern hohen Gebühren sind für mich abschreckend. Wenn man allerdings solch ein Depot zur langfristigen Anlage einrichtet, das selten umgeschichtet wird, dann sind hohe Gebühren weniger gravierend gegenüber dem Gewinn an Sicherheit.

    Zurück zu ETF und deren Sicherheit im Vergl. zu Zertifikaten: Im Grunde hast du recht, dass diese ETFs mehr Sicherheit bieten gegenüber den nach Bank-Belieben konstruierten Zertifikaten, zumindest wenn diese ETFs voll repliziert sind und nicht über irgendwelche Swap-Geschäfte einen Index “nachbilden” – was immer das heißen mag ;).

    In diesem Kontext möchte ich jedoch aus meiner eignen Anlageerfahrung darauf hinweisen, dass es zB bei den Gold- und Silber-ETFs der DeuBa ( die laut WP-Prospekt mit physischem Metall hinterlegt sind) NICHT vorgesehen ist, gegen Einreichung der ETF-Anteile sich das Edelmetall ausliefern zu lassen (!). Demgegenüber hat die Börse Stuttgart den Gold-ETC mit WKN EWG0LD (n.b.: das “0” ist eine null) aufgelegt, dessen Anteile angeblich jederzeit in Gold getauscht werden können. Wenn aber dereinst mal (wieder) der Besitz von Gold-Barren und -Münzen verboten werden sollte (Auch so etwas kann mal als “alternativlos” erklärt werden!), dann kann man bestenfalls die Anteile zu einem dann willkürlich festgesetzten, lächerlich niedrigen Schwindelkurs in fast wertlose Papierwährung eintauschen.

    Man möge mir die Abschweifung vom Thema “Solar” nachsehen, ich möchte aber abschließend zu ” Aktien wie Yingli , Trina oder Yinko Solar” anmerken, dass die neulichen Kurseinbrüche um >50% bei chinesischen Werten wie NQ Mobile und Kinghero Zweifel an der sauberen Bilanzierung aufkommen lassen. Damit will ich keineswegs den genannten chinesischen Solarwerten dubiose Machenschaften unterstellen, aber dass man diese Unternehmen “als durchschnittlicher Anleger sowieso nicht sinnvoll von Deutschland aus verfolgen kann”, darf man wohl ungestraft festhalten.

  2. @DerZyniker

    Wir sind hier auf surveybuilder.info intensiv mit dem voll replizierenden ETF iShares Clean Energy (WKN: AoM5X1) zugange. Der läuft auch exzellent, aber auch da ist, wie bei Deinem Zertifikat, Solar nur ein Thema unter vielen. Einen reinen Solar ETF kenne ich in Deutschland nach wie vor nicht.

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