Der Biotech Sektor und die Verantwortungsethik

Es gibt wohl keinen Zweifel daran, dass der Biotech-Sektor langfristig - im Sinne eines Investments gesehen - zu den attraktivsten Sektoren überhaupt gehört.

Der Phase "viel Hype, wenig dahinter", ist der Sektor schon lange entwachsen und mit innovativen Medikamenten lassen sich riesige Margen erzielen. Und der weltweite Bedarf steigt und steigt, gerade im Bereich der Alters-Forschung und Alters-Krankheiten, tun sich riesige Felder auf.

Lange bot der Sektor aber keine sinnvolle Einstiegschance, er stieg und stieg unablässig. Seit Anfang 2015 ist es aber genau die Sorge um die Margen, die zur grössten und ausgedehntesten Korrektur seit Beginn des Bullenmarktes 2009 geführt hat. Diese will ich Ihnen hier anhand des US Sektor ETFs "iShares NASDAQ Biotechnology Index Fund" (IBB) zeigen:

IBB 04.04.16 1

Denn wie immer, wenn irgendwo richtig Geld zu verdienen ist, hat es bei der Bepreisung der Medikamente auch Exzesse gegeben, die nun die Politik in den US zumindest rhetorisch auf den Plan gerufen haben.

Dieses zeichnete sich schon Ende 2014 ab, die Sorgen um die grossen Margen wurden schon da Thema im Markt und hier im Blog war das damals Thema im Sinne, dass der Sektor nun für eine ausgedehnte Korrektur reif sei.

Insbesondere Hillary Clinton hat sich in 2015 dann zum Thema durch Rhetorik profiliert, die auf eine politisch gewollte Begrenzung der Preise hindeutet, sollte sie Präsidentin werden.

Diese Erwartung und Sorge des Marktes um die Margen, hatte massgeblichen Anteil daran, dass der Sektor nun fast 50% des Anstiegs seit 2009 korrigiert hat. Lassen Sie sich durch die logarithmische Darstellung im Chart nicht irrtieren, bei knapp 229 USD, bei der feinen grünen Linie, sind 50% des Anstiegs seit 2008 wieder abgegeben.

Was aber im Positiven bedeutet, dass die Margen-Sorgen schon weitgehend eingepreist ist. Und ich denke es ist realistisch anzunehmen, dass auch diese Thema am Ende weniger heiss gegessen, als gekocht wird.

Denn zumindest in den USA, gibt es einen breiten Konsens darüber, dass die hohen Preise der Medikamente im Patentschutz, zwingende Voraussetzung dafür sind, dass überhaupt so risikoreich und auch in "Nischenthemen" geforscht wird. Neben dem guten, liquiden Kapitalmarkt für Risikokapital, ist das wohl einer der wesentliche Gründe, warum die US so einen erfolgreichen Biotech-Sektor haben und andere Länder mit Gesundheitssystem ohne freie Preisgestaltung, eben eher nicht.

Sicher würden wir uns alle wünschen, dass alle Menschen egal wie ihr Einkommen ist, Zugang zu den gleichen, hoch modernen Medikamenten hätten. Das erfordert aber niedrige Preise, so dass die Gesundheitssysteme sich diese Medikamente in Massen überhaupt leisten können und das auch für Menschen, die wenig oder kaum in das System einzahlen.

Vom humanistischen Standpunkt wäre das zu wünschen und auch ich fände das toll, keine Frage. Nur .... es ist ebenso unrealistisch wie mein Wunsch, dass die atomare Materieumwandlung schon möglich wäre und jeder Mensch einen echten Replikator im Sinne "Star Trek" hätte, mit dem man sich von Nahrung, über Medikamente bis Gebrauchsgüter alles aus billigsten Grundstoffen "replizieren" kann, was man sich nur wünscht. Eine schöne Vorstellung einer Welt, in der wir unser Leben nicht mit der Jagd nach Dingen vergeuden, die dann wieder nur verbraucht werden, um nach neuen Dingen zu jagen.

Solche Träumereien sollten uns aber nicht den klaren Blick auf die Wirklichkeit vernebeln und die sagt klar, dass für neue Medikamente mit kleiner Zielgruppe eben jemand forschen und monetär massiv ins Risiko gehen muss. Und das tut dieser "Jemand" nur, wenn im Erfolgsfall auch der wirtschaftliche Jackpot möglich ist. Wer also den extrem hohen Preis des Nischenmedikamentes für eine seltene Krankheit verhindert, verhindert gleichzeitig auch, dass das Medikament überhaupt entsteht, weil niemand ernsthaft danach forschen wird.

Auch an den "profanen" Antibiotika kann man diesen Zusammenhang bewundern. Die sind so billig geworden, dass sich die Forschung seit Jahren nicht mehr gelohnt hat. Und die Folge davon ist, dass wir nun vielleicht in einen weltweiten medizinischen Notstand hinein laufen, weil multiresistente Keime immer dominanter werden und wir wieder an Krankheiten zu sterben beginnen, die noch vor 20 Jahren problemlos heilbar waren.

Wollen wir also zulassen, dass niemand mit seltenen Krankheiten geheilt werden kann, weil wir nicht ertragen können, dass alternativ nur eine Teilmenge der Menschen geheilt werden kann? Lieber alle mit einer seltenen Krankheit tot, als nur eine Teilmenge geheilt? Ist das wirklich was wir wollen? Auch das ist eine moralische und humanistische Frage, der man sich mal stellen sollte, statt nur wohlfeile Wunschvorstellungen zum Massstab der politischen Forderungen zu machen.

Auch hier haben wir wieder den Gegensatz zwischen einer , wobei nur Letztere den Mut hat, sich auch den komplexen Folgen der eigenen Entscheidungen zu stellen.

Und auch in der aktuellen Flüchtlingskrise, findet sich wieder der Gegensatz

Wo ich da stehe, können Sie sich denken. Auch wenn am Anfang nur wenige Menschen ob des hohen Preises neuer Medikamente profitieren können, wird am Ende doch die gesamte Menschheit von der neuen medizinischen Technologie profitieren, denn im Laufe der Zeit und nach Ende des Patentschutzes sinken die Preise, kommen Nachahmer-Medikamente auf den Markt und ein paar Jahrzehnte später ist das, was ehemals extrem teuer war, ein Medikament das sich jedermann einfach in der Apotheke kaufen kann. Das nennt man Fortschritt, der aber nur möglich ist, wenn man am Anfang in der Patentphase die hohen Margen erlaubt.

Deswegen kann und sollte man extreme Preis-Exzesse trotzdem beschneiden, auch wenn hohe Margen möglich sein müssen, gibt es Grenzen, bei denen Wucher und Erpressung erreicht sind. Aber das Grundprinzip wird in den USA auch bei den Demokraten verstanden und deswegen ist die Chance sehr gut, dass die Sorgen des Marktes hinsichtlich der Margen der Pharma- und Biotech-Unternehmen nun ausreichend eingepreist sind, am Ende alles nicht so heiss gekocht wird und sich hier nun eher eine langfristige Chance im Sektor auftut, auf die wir seit vielen Jahren gewartet haben.

Übrigens, einen zwar recht alten, aber immer noch sehr lesenswerten Artikel, der die Doppelmoral der öffentlichen Diskussion zu dem Thema aus deutscher Sicht offen legt, finden Sie hier:

Auch technisch gesehen, hat diese Korrektur im Sektor ETF IBB wie oben zu sehen schon fast 50% der Gewinne seit 2008 aufgefressen und damit tritt der Sektor vielleicht in eine langfristige Akkumulationszone ein, die ich Ihnen oben im Chart ca. im Bereich 210-270 USD nahe gebracht habe.

Nun können wir beliebig darüber philosphieren und spekulieren, ob der Sektor nun sein Tief schon gesehen hat, oder eben doch noch eine weitere Abwärtsphase von 20% einlegt, die dann bis ca. 210 USD im IBB herab führen könnte.

Beides ist denkbar, wobei die mittelfristige Chartstruktur durchaus nicht ohne Chancen ist und für mich nach einem kurzfristig zu erwartenden weiteren Retracement, durchaus Chancen für einen Ausbruch in sich trägt:

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Aber selbst wenn es doch noch nicht so weit für einen Ausbruch ist - was gut sein kann, da sich diese Diskussion wohl bis zur US Präsidentenwahl hinziehen und medial verschärfen wird - hat der Sektor doch schon heute ein Preisniveau, das langfristig für ein Investment attraktiv erscheint.

Das gilt ganz besonders für die vielen kleinen forschenden Biotech-Unternehmen, die wir zum Beispiel im "BioTonicum" besprechen und bei denen viele nun attraktive Niveaus erreicht haben, die geradezu zur Akkumulation einladen.

Fazit:

Ob der Biotech-Sektor nun noch zur einer weiteren, wohl eher letzten Abwärtswelle ansetzt oder schon seinen Boden gefunden hat, kann ich Ihnen nicht verbindlich sagen. Und alle anderen wissen es auch nicht. 😉

Aber aus Sicht eines Investments, haben wir mit guter Chance im Sektor nun attraktive Niveaus erreicht und es macht in meinen Augen Sinn sich zu überlegen, ob man nun nicht im Sektor langsam zu akkumulieren beginnen sollte und die Akkumulationsphase geruhsam bis zur US Präsidentenwahl ausdehnt. Ob dann die Kurse erst noch etwas fallen oder nun sofort zu steigen beginnen, ist bei dieser langfristigen Strategie dann eher nebensächlich.

Stellt sich die Frage, wie man diese "Akkumulation" angeht, wenn man kein Experte im Sektor ist, was wohl für 99% von uns gelten dürfte.

Wer Zugang zu US ETFs hat, wählt breite ETFs wie den IBB.

Im deutschsprachigen Raum, stellt die Aktie von BB Biotech (A0NFN3) defacto einen Biotech-Fonds im Aktienmantel und damit eine gute Alternative zu Fonds dar. Diverse Biotech-Fonds gibt es auch, allerdings um den Preis höherer innerer Gebühren, wie bei Fonds üblich.

Und wer es noch besser machen will, wird hier Mitglied und akkumuliert direkt einen Basket kleiner, chancenreicher Kandidaten, die wir hier immer wieder besprechen. Hier schafft dann die Diversifikation Sicherheit.

In einem bin ich aber sicher. Der Biotech und Healthcare-Sektor gehört in jedes langfristig angelegte Investment-Depot. Ich akkumuliere nun auf jeden Fall. Langsam, aber beständig.

Ihr Hari

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