Lehrer Bömmel und die Kreditkrise

In einer lockeren Reihe von Artikeln - nach "Lehrer Bömmel" aus der Feuerzangenbowle benannt - erkläre ich im Premium-Bereich immer wieder wichtige Zusammenhänge der Finanzmärkte.

Bei den Erklärungen geht es dabei nicht um "wissenschaftliche Exaktheit", sondern darum, Lesern die sich bisher nicht ausreichend mit den Themen befasst haben oder sie nie richtig verstanden haben, auf unterhaltsame Art und Weise ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es wirklich geht. Wer dann tiefer einsteigen will, kann das ja im Nachgang selber tun, Quellen gibt es genug.

Daher orientiere ich die Erklärungen auch immer wieder an konkreten, aktuellen Sachverhalten, so dass sich auch ein konkreter Erkenntnisgewinn damit verbinden kann, der zu besseren Anlageergebnissen führt.

Im freien Bereich hatte ich vor 1,5 Jahren schon beispielhaft einen Artikel aus dieser Reihe. Und zwar die Erklärung, wie "Shorten" eigentlich funktioniert und was eigentlich ein Leerverkauf ist. Lesen Sie hier, falls Sie den Artikel übersehen haben. Der Artikel war der Beginn einer Artikelreihe zum Thema "Shorten".

-> Grundlagen des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? < -

Heute nun will ich Sie an einem weiteren Artikel teil haben lassen, der erst gestern im Premium-Bereich erschienen ist. Er adressiert die Frage, wie Aktien sich in einer Kreditkrise verhalten und warum das so riskant ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

Ihr Hari

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Erfolg an den Märkten: In aller Deutlichkeit!

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 13.11.15 in Hari Live. Er ist aber so grundlegend und so wichtig für Anleger zu verstehen, dass ich ihn in abgewandelter Form auch in den freien Bereich stellen will.

Der Punkt ist, wer immer noch glaubt, er könnte nur durch das Lesen einzelner "Tips", einzelner Medienartikel oder durch seine eigene "göttliche Eingebung", dauerhaft gegen den Markt bestehen - einen Markt der die Summe der Intelligenz und Erwartungen aller Marktteilnehmer darstellt - denkt mit Verlaub in dieser Sache naiv und wird zwangsläufig scheitern.

Ich gebe hier zwar keine Gewinn-Garantien, aber diese Garantie des Scheiterns kann ich geben. 😉 Aber lesen Sie selbst:

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Linde – Von guter und schlechter Marktkommunikation

Der folgende Artikel zu Linde war Teil meines gestrigen Marktberichtes am Nachmittag im Premium-Bereich.

Ich möchte noch einmal zum Thema Linde zurück kehren. Die Aktie war wegen ihres stabilen Geschäftsmodells und ihres von mir geschätzten CEOs Wolfgang Reitzle, lange einer meiner Favoriten aus Investment-Sicht. Vorsichtig wurde ich dann mit dem personellen Übergang von Wolfgang Reitzle zu Wolfgang Büchele, wie unter anderem in dem folgenden Artikel von 2014 thematisiert: -> Whats next Linde? < -

Im Premium Bereich hatte ich am 01.12. nach der zuletzt fest gestellt, dass es nun keinen Grund mehr gibt, sein Kapital in Linde zu binden. Denn besonders ärgerlich war für mich, dass kurz vorher bei den Quartalszahlen, davon noch keine Rede war. Seit dem ist die Aktie gefallen und gefallen.

Es sprint aber viel zu kurz, für diesen Einbruch nur schlechte Umstände der Weltkonjunktur und operative Gegenwinde verantwortlich zu machen. Denn bei der Tiefe der Verärgerung des Marktes, spielt nach meiner Ansicht mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die massive Enttäuschung über eine dürftige Marktkommunikation seitens Linde eine Rolle.

Und das ist für mich Anlass, mal wieder etwas in Erinnerung zu rufen, was leider zu wenig zum Thema gemacht wird. Es sind nämlich einzelne Menschen an der Unternehmensspitze, die oft einen erheblichen Unterschied machen. Und gerade am Fall Linde, kann man das sehr gut sehen:

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Von Jünglingen, Knappen und Rittern – Die drei Phasen des Risikomanagements

Der folgende Grundsatzartikel zur Risikobereitschaft und zum Risikomanagement als Trader und Anleger, erschien Mittwoch 23.09.15 11:10 in Hari Live und wurde zum Zwecke der Verständlichkeit, für den freien Bereich überarbeitet.

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Ich verrate Ihnen heute ein „Geheimnis“.

Ich agiere in meinem Trading-Depot manchmal deutlich aggressiver und mit mehr Risiko, als ich das in meinen abgewogenen Statements hier deutlich machen kann, mit denen ich ja eine in ihrem Erfahrungshorizont völlig heterogene Leserschaft adressiere.

Warum? Wieso? werden Einige von Ihnen nun fragen. Und andere, die die ganze Entwicklung als Trader schon durchlaufen haben, werden wissend grinsen.

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Börsenzyklen Teil II : Der DAX seit 1959

Der folgende Beitrag erschien vor zwei Tagen im Premium-Bereich und stammt von unserem -> Kolumnisten <- Tokay, der sich hauptsächlich um eine makroökonomische Sicht auf das Marktgeschehen bemüht, für die er gerne mathematisch-statistische Herangehensweisen nutzt.

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In einem der vorangegangenen Beiträge habe ich mich mit den Börsenzyklen und der Dynamik des Aktienmarktes beschäftigt. Dabei habe ich die These vertreten, daß aufgrund der zentralen Bestimmungsfaktoren Gewinne/Gewinnerwartungen und Zinsen wiederkehrende Schwingungen erzeugt werden, also Zyklen. Die Existenz solcher Börsenzyklen ergibt sich aus den mathematischen Eigenschaften eines solchen Systems.

Die Existenz von Börsenzyklen kann für den deutschen Aktienmarkt nachgewiesen werden, wie die Entwicklung des DAX seit 1959 zeigt (eigentlich seit 1957, aber wir haben Tagesdaten für den zurückberechneten DAX erst seit 1959):

Zyklen im DAX seit Oktober 1959

Wir haben somit für 58 Jahre 13 Zyklen zu verzeichnen, das ergibt ca. 4 1/2 Jahre pro Zyklus. Die Länge der Zyklen ist dabei sehr unterschiedlich: Zwischen dem Anfang und Ende des 5. Zyklus vergingen fast 8 Jahre, aber der 8. Zyklus dauerte nicht einmal 2 Jahre. Die Einteilung der Zyklen orientiert sich übrigens grob an der Darstellung von Frank Mella, dem Vater des DAX, zu finden auf . Das Auf und Ab an der Börse ist nicht sehr regelmäßig, was die Börsenweisheit bestätigt: "Zum Einstieg wird nicht geklingelt" und dem Konzept der Börsenzyklen zunächst einmal zu widersprechen scheint. Dennoch ist ein zyklisches Muster im Zeitablauf unschwer zu erkennen.

Das liegt daran, dass die konjunkturellen Bewegungen sich ihrerseits zyklisch vollziehen, Stichworte Juglar und Kitchin, und die mit der Konjunktur schwankenden Gewinne mit den jeweils aktuellen Zinsen abdiskontiert werden. Übrigens unterliegen die Zinsen ihrerseits einem Zyklus; manche sahen die Ursache der Finanzkrise von 2007-09 in einem Zusammentreffen der Wendepunkte des Juglar-Zyklus und des 30-jährigen Zinszyklus.

Manche rechnen den laufenden Börsenzyklus seit dem Jahr 2009. Für die USA mag das zutreffend sein, in Deutschland und in der Eurozone sah sich der Aktienmarkt jedoch in 2011 mit mehreren ungünstigen Entwicklungen konfrontiert: 1. Mit dem "Fiscal Cliff" in den USA, 2. Mit der Staatsschuldenkrise in den südeuropäischen Ländern, 3. Mit einer restriktiveren Geldpolitik seitens der EZB und 4. mit einer sich eintrübenden Konjunktur. Diese giftige Kombination führte zu Kurseinbrüchen am deutschen Markt zwischen Juli und September 2011. Dies führte andererseits jedoch dazu, daß ab September 2011 ein neuer Zyklus begann, der bis heute andauert. Der gegenwärtige Zyklus wäre bei durchschnittlichem Verlauf also in der ersten Jahreshälfte 2016 zu Ende. Doch muss man die oben angeführte Börsenweisheit im Auge behalten, die natürlich auch für den Ausstieg gilt. Für diesen sogar noch mehr, da Abwärtsbewegungen stets viel dynamischer sind als Aufwärtsentwicklungen. Aber natürlich besteht auch die Möglichkeit, daß der aktuelle 13. Zyklus (seit 1957) noch länger andauert.

Immer wieder hat sich der Einfluß politischer Ereignisse gezeigt, die bezogen auf das System Börse den Charakter exogener Schocks haben. Und so ist es aus diesem Grund kaum möglich, die Börsenentwicklung vorherzusagen, da man nicht wissen kann, welche exogenen Schocks innerhalb dieses Zeitraums das Börsengeschehen beeinflusst haben werden. Man kann aber ungefähr einschätzen, welche allgemeinen Einflußfaktoren wirksam sein werden. Die Geldpolitik der Notenbanken gehört so gut wie immer dazu, da sie die Gewinne der Unternehmen und die Zinsen unmittelbar beeinflusst.

Das bedeutet aber nicht, daß die Notenbanken das Geschehen beherrschen, denn die Entwicklung der Zinsen ist, wie wir gesehen haben, zu einem großen Teil zyklisch bedingt, und so folgen die Notenbanken dem Zinsmarkt eher, als daß sie ihn anführten, auch wenn sie in der öffentlichen Diskussion gerne als allmächtig dargestellt werden. Auch ist das Prinzip der Reflexivität von Bedeutung, so daß viele rational erscheinende Entwicklungen am Aktienmarkt bereits vorweggenommen werden und eine markante Reaktion nur dann festzustellen ist, wenn diese nicht den Erwartungen entspricht.

Man kann das Konzept der Börsenzyklen exzellent für das Markt-Timing verwenden, sofern man die aktuellen Entwicklungen der Konjunktur und der Zinsen richtig einordnen kann. Was das für die Entwicklung in 2016 bedeutet, damit werde ich mich in einem separaten Beitrag befassen.

Literatur:
Thoma, B.: Dynamische Prozesse in der Ökonomie und an den Finanzmärkten, 2000
www.frank-mella.de

Die Zurich Versicherung und die kommende Altersarmut

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 22.10.15 11:30 in Hari Live, ist aber aufgrund der langfristigen Betrachtung immer noch gültig.

Er richtet sich an langfristig orientierte Anleger, die überhaupt mal eine solide Basis in ihrem Depot legen sollten. Erst auf Basis dieser soliden Grundlage, kann man dann auch mal etwas mehr wagen.

Heute mal ein Hinweis für Dividendenjäger, Sicherheitssucher und Anleger, die einen Ersatz für nicht mehr vorhandene Zinssätze suchen, auch weil sie im Alter noch angenehm leben und nicht jeden Cent umdrehen wollen.

Hier im Artikel , wird indirekt erneut auf ein ganz massives Problem aufmerksam gemacht, das auf uns in Deutschland und Österreich mit Macht zurollt.

Es ist die absehbare Altersarmut der Babyboomer-Generation, denn ganz viele dürften sehr blauäugig bei ihren Rentenversicherungen und Lebensversicherungen noch die ehedem versprochenen Ablaufleistungen im Hinterkopf haben, die zu einer Zeit vermarktet wurden, als die Unternehmen eine Dauerrendite von 7% noch für möglich hielten.

Wir hier wissen, was seitdem alles passiert ist und die Kombination einer Weichwährung wie dem Euro, mit nicht vorhandenen Zinsen, ist absolut fatal für die Altervorsorge und wird mit Sicherheit, zu grossen Problemen, bösen Überraschungen und Armut führen - vom Pflegeproblem wollen wir da noch gar nicht reden.

Die Schweizer haben es da besser. Die ächzen zwar nun unter ihrem starken Franken, wie auch Deutschland Jahrzehnte unter einer zu starken D-Mark geächzt hat. Am Ende schafft die starke Währung aber Wohlstandsgewinne, denn die in Euro bezahlte Pflegekraft aus Südbaden, ist für den Züricher dann am Ende genau so günstig, wie die Polin für den Berliner Pflegefall.

Und auch die Option das Land zu verlassen und mit der Rente in Form des starken Frankens, in einem mediterranen Land mit Weichwährung den sonnigen Lebensabend zu verbringen, steht von den deutschsprachigen Ländern wohl nur den Schweizern zur Verfügung. Wohin das bei uns mit dem Weich-Euro führt, hat Stockpix zuletzt schön im Artikel -> All Inclusive <- beschrieben.

Und wir tun gut daran, uns diesem Thema *jetzt* zu stellen und es nicht durch Verdrängen in die Zukunft zu schieben, so wie einige VW Anleger den abstürzenden Kurs verdrängt haben und nun im Desaster sitzen.

Fragt sich nur, was wir tun können?

Wenig, denn der finanziellen Repression kann man nicht vollständig aus dem Weg gehen, ausser man verlässt die Eurozone mit "Mann und Maus und Haus". Aber ein paar Dinge schon. Wir könnten zum Beispiel langfristig in Aktien investieren, die hohe Ausschüttungen in strukturell stärkeren Währungen generieren, als dem Euro. So wie Procter & Gamble, der Aktie der ich in -> Wird es Zeit zum Einstieg <- einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Aber vielleicht auch so wie eine Zurich Versicherung (WKN 579919), die - siehe den obigen Artikel der FAZ - scheinbar die Zeiten der Zeit erkannt hat und derzeit noch 7% ausschüttet, in Schweizer Franken!

Nun darf man auf keinen Fall nur auf die Dividendenhöhe gehen, das habe ich ja in Artikeln wie -> Die Dividende, überschätzt, overhyped und trotzdem wichtig <- mehr als deutlich gemacht.

Gerade sehr hohe Ausschüttungen, werfen Fragen zur Dauerhaftigkeit auf und gerade bei den Schweizer Versicherern, gibt es eine besonderes Bewertungsproblem, das hier gut beschrieben ist:

Aber trotzdem, wenn man ein "Rentendepot" aufbauen will, das lohnenswerte Erträge ausdrücklich in Währungen abseits des Euros produziert, dann ist eine Zurich Versicherung vielleicht einen Blick als Beimischung wert. Neben Werten wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Nestle usw. - den Unternehmen, die einen langfristigen und positiven Trackrekord haben, was Ausschüttungen angehen.

Hier ist das sehr langfristige Chart der Zurich, das ich als "neutral" betrachte, ohne im Guten wie im Schlechten besonders aufzufallen:

Zurich 22.10.15

Ich bin auf jeden Fall in Einem sicher.

Wer heute vom Alter her in den 50ern ist und einen Betrag von ein paar hunderttausend Euro zur Alteicherung und als Rente anlegen will, fährt mit einem ausgewogenen, diversifzierten Depot solcher Werte langfristig besser, als wenn er das Geld nun in einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung versenkt oder sich nun mit reinen Zinspapieren wie Anleihen volllädt.

Und darüber sollten wir mal nachdenken, die Altersarmut in Deutschland kommt, das betrachte ich als fast sicher.

Die Frage ist nur, ob wir selber dazu gehören müssen. Dagegen können wir etwas tun, die Politik mit ihren moralisierenden Träumereien, können wir dagegen mit einer Stimme bei der Wahl nicht wirklich ändern.

Ihr Hari

Der Dollar, die Rohstoffe und die Emerging Markets



Heute ein paar sehr grundsätzliche Zeilen zu einer wichtigen Thematik.

Immer wieder in der letzten Zeit, werden die Emerging Markets aus quantitativen Argumenten als langfristiges Investment ins Spiel gebracht. Und da viele der Emerging Markets gleichzeitig bedeutende Rohstoffproduzenten und Verbraucher sind, wird dieses Argument gleichzeitig auch für Investitionen in den Rohstoffsektor verwendet. Auch ich habe immer mal wieder diesen Gedanken in mir.

In der aktuellen FuW ist auch wieder so ein Artikel, den ich einfach unkommentiert in den Raum stelle:

Und klar, es spricht wirklich einiges für das Argument, denn viele der Probleme der Emerging Markets sind hausgemacht, siehe Brasilien oder auch Russland, dass sich auch vor den Sanktionen des Westens nie von einer rohstofflastigen Staatswirtschaft hat lösen können. Und dessen aktuelle wirtschaftliche Probleme, daher durch den Konflikt mit dem Westen zwar verschärft, aber nicht ursächlich davon hervor gerufen wurden.

Wo Probleme hausgemacht sind, kann man diese aber auch angehen und lösen und warum soll das in den überwiegend demografisch wachsenden Volkswirtschaften der Emerging Markets nicht gelingen? (Zu denen das demographisch schrumpfende Russland als Ausnahme allerdings nicht gehört.)

Insofern macht es aus Sicht der "Mean Reversion" schon Sinn, von langfristig guten Chancen in diesen wachsenden Ländern auszugehen. In den USA dagegen, sind die Aktienmärkte bewertungstechnisch auf jeden Fall schon viel, viel weiter gelaufen und haben weit mehr Zukunft schon vorweg genommen.

Es gibt nur ein Problem bei dieser so eingängigen Logik und darüber will ich heute schreiben. Das Problem hat einen Namen: US Dollar.

Denn der ist immer noch die Weltreservewährung, in der grosse Teile der Warentransfers und insbesondere die Rohstoffe abgerechnet werden. Und einige der kleineren Emerging Markets, haben den Dollar sogar immer noch faktisch als "Zweitwährung", weil die eigene Währung zu schwach ist und zu wenig Akzeptanz findet.

Und über diesen Status als Weltreservewährung, greift der lange Arm der FED dann auch in all diese Länder hinein, für die die FED eigentlich gar kein Mandant hat. Und insofern besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Dollarkurs, den Aktienmärkten der Emerging Markets und den Rohstoffen.

Das heisst umgedreht, sollte die so eingängige Theorie von der Mean Reversion in den Emerging Markets nun zutreffend sein, darf der Dollar nicht mehr wesentlich weiter steigen.

Wenn wir uns vor Augen führen, wie stark der Dollar in den letzten Jahren gestiegen ist, erscheint diese Annahme ja auch erst einmal logisch und naheliegend. Zumal die FED einen zu starken Dollar ja gar nicht zulassen kann, weil der wie Blei auf der US Wirtschaft liegen würde.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, schauen wir nun auf den US Dollar Index im ganz langfristigen Bild bis in die 90er Jahre zurück. Der US Dollar Index, stellt den Dollar ins Verhältnis zu einem Korb anderer Währungen, von denen der Euro die mit Abstand grösste Position ausmacht.

Was wir sehen, erschreckt aber eher:

USD Index 17.11.15

Denn wenn man alles ausblendet und sich ganz auf die Markttechnik konzentriert, müssen wir das Bild einer einjährigen Konsolidierung in 2015 konstantieren, die nun scheinbar von einer zweiten Anstiegsphase abgelöst wird.

Erschreckend ist dabei auch, dass diese zweite Phase typischerweise den Umfang und die Dynamik der ersten Phase hat und wenn wir auf die Kurse Anfang des Jahrtausends schauen, sind solche Niveaus auch keineswegs unrealistisch oder aus der Welt.

Noch erschreckender wird das Bild, wenn wir uns das langfristige Chart des grössten Emerging Market ETFs EEM in Dollar vor Augen führen:

EEM 17.11.15

Wir sehen den Einbruch unter die sehr wichtige Unterstützung und vor allem sehen wir, dass wir vielleicht gerade nur den Retest des Einbruchs von unten hinter uns haben. Und auch hier wird durch den 2008er Vergleich klar gezeigt, dass weitere Fallhöhe hier keineswegs unhistorisch wäre.

Die Frage die sich damit aufdrängt und die wirklich massive Auswirkungen auf alle Assetklassen haben dürfte, ist also nicht, ob die Mean Reversion irgendwann einsetzt. Doch das wird sie ganz sicher.

Die Frage ist dagegen, ob das schon jetzt passiert oder vielleicht erst in 1-2 Jahren, wenn die FED weiter im Zinszyklus ist und der Dollar noch viel höher steht. Und wenn die Emerging Marktes, Rohstoffe und auch Gold noch viel, viel tiefer gefallen sind?

Unser Instinkt und die Bewertungskennziffern sagen nein, die Emerging Markets sind scheinbar "weit genug" gefallen. Die Price-Action und diese Charts weisen aber eher in die Gegenrichtung und das ist erschreckend. Und die Annahme "weit genug" war schon immer eine höchst Gefährliche, denn -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss! <-

Deshalb wird die FED Sitzung Mitte Dezember so eine immens hohe Bedeutung haben. Die FED wird nun höchst wahrscheinlich einen ersten kleinen Zinsschritt vollziehen. Davon kann man ausgehen, das ist aber auch nicht mehr die Frage, die den Markt umtreibt.

Die Kernfrage ist, ob das der Beginn eines langjährigen Zinserhöhungsprozesses, oder eine einmalige "One and Done" Aktion wird. Wird es nur Letzteres - wovon ich eher ausgehe - wird der Dollar Mitte Dezember wohl doch sein Hoch finden und dann erst einmal fallen. Und Emerging Markets und Rohstoffe, haben dann in 2016 hinein jede Menge Luft nach oben.

Schmiert Yellen aber nicht diese weisse Salbe auf die Wunde und setzt sich am Markt das Bild eines beginnenden, langfristigen Zinszyklus durch, dann bleibt der Aufwertungsdruck auf dem Dollar erhalten und dann kann einem bei Betrachtung der obigen Charts ganz blümerant werden. 😉

Insofern rate ich zu Abwarten in dieser Frage rund um Emerging Marktes und Rohstoffe bis zur FED. Vorher werden wir hier kaum Klarheit bekommen.

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Börsen im Zeichen des Terrors

Guten Morgen!

Die Reaktion des Marktes auf den perfiden Terroranschlag in Paris, scheint sich so zu entwickeln, wie von mir am Wochenende im Forum indiziert.

Der Dollar steigt zum Euro und Gold profitiert, das Minus in den Futures der Indizes, ist aber vor Handelsstart sehr verhalten.

Das liegt daran, dass der Markt systemische Risiken und Entwicklungen einpreist, aber keine Einzelereignisse, denn die sind in dem Moment in dem sie passieren, schon Vergangenheit.

Nun kann man fragen, warum es dann bei überraschenden Ereignissen immer erst einen Schreckeinbruch gibt. Die Antwort ist leicht, es liegt daran, dass im Moment des Schrecks, niemand die Folgen über den Moment hinaus einschätzen kann, also bringt man sich erst einmal in Sicherheit und verkauft.

Die entscheidende Frage ist also immer: Was kommt danach?!

Und das ist auch die Frage hier. Insofern sind Spekulationen darüber sinnlos, weil diese Zukunft ist noch nicht geschrieben. Die Reaktion der Politik macht nun ebenso einen Unterschied wie die Frage, ob wir nun eine Phase der Ruhe vor uns haben oder ob in Kürze in anderen Hauptstädten ähnliches passiert und wir uns einer Serie solcher Ereignisse gegenüber sehen, die dann am Ende den freien Waren- und Personenverkehr auch empfindlich treffen werden.

Stellen Sie sich nur mal vor, der Plan wäre aufgegangen und zwei Attentäter wären mit ihren Bombengürteln ins Stadion gekommen und hätten vor den Augen der Welt die Bomben gezündet und eine Massenpanik ausgelöst, die dann wahrscheinlich mehr Tote verursacht hätte, als die Bomben selber.

Das wäre ein völlig anderes Szenario, auch für die Börsen. Nicht weil die Marktteilnehmer die Anzahl der Toten zählen, nein so zynisch sind die Menschen nicht, auch keine Börsianer. Sondern schlicht, weil die "was kommt danach" Frage dann wahrscheinlich ganz anders und viel radikaler beantwortet worden wäre.

Erinnern wir uns an 9/11. Da brachen die Türme nicht nur direkt neben der Wallstreet zusammen und der Staub zog auf die Tastaturen der Händler. Nein, viele Menschen der Wallstreet hatten direkt Freunde und Bekannte verloren und dann kam die Handelsaussetzung und jeder fragte sich: was kommt danach?

Denn unmittelbar danach, noch Wochen lang, stand durchaus ein Atomschlag Amerikas im Raum, wenn sich heraus gestellt hätte, das hier klar ein Staat hinter dem Terrorakt gewesen wäre. Diese Unsicherheit des "was kommt danach", hat die Börsen damals nach der Handelsaussetzung massiv reagieren lassen, bevor sich dann nach Wochen wieder gespannte Normalität einstellte.

So scheint der Markt im Moment "nur" von einem schlimmen, tragischen Terrorakt auszugehen, wie wir ihn leider auch schon in anderen Ländern gesehen haben. Einem Terrorakt, der aber erst einmal keine systemischen Auswirkungen hat. Und insofern gibt es nur eine milde Kurs-Reaktion.

Wenn sich diese Interpretation aber durch irgend welchen neuen Ereignisse oder Handlungen der Politik ändert, wird auch der Markt sein Verhalten ändern. Diese Zukunft ist noch nicht geschrieben.

Der Markt reagiert also nicht auf das Geschehen der Vergangenheit, selbst wenn es so schmerzhaft ist, wie das aktuelle Geschehen. Er reagiert auf die Frage, was danach kommt, was das für die Geschäfte der Unternehmen bedeutet, die am Markt gehandelt werden.

Dieses Muster ist universell, der Markt handelt die Erwartungen an die Zukunft. Die Kernfrage ist, ob dieser Terrorakt, diese Erwartungen verändert.

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