Was das KGV aussagt – und was nicht

Was das KGV aussagt – und was nicht

Ein Gastkommentar von Tokay

Der DAX ist in den vergangenen Tagen beträchtlich gestiegen und eine Ende erscheint nicht in Sicht. Wohin wird der DAX gehen? Die einen sagen, aufgrund der monetären Expansion der EZB sei das Kursniveau überhöht und eine Korrektur unausweichlich. Die anderen meinen, der DAX habe doch eben erst alle historischen Marken gebrochen und einem Kursanstieg in zuvor unerreichte Höhen stünde damit nichts mehr im Wege. Wieder andere sind der Ansicht, dass der DAX auf seinem jetzigen Niveau ein realistisches Abbild der wirtschaftlichen Lage der großen deutschen Unternehmen sei.

Sehr häufig findet man die Ansicht, daß das KGV der großen deutschen Unternehmen auf einem historisch günstigen Niveau sei. Das Argument, der DAX sei mit einem KGV von aktuell 11,4 gegenüber einem langfristig gültigen Niveau von 15 bis 16 unterbewertet, lege den Schluß nahe, daß sich das DAX-KGV diesem langfristigen Niveau annähern müsse (mean reversion).

Im Monatsbericht der Bundesbank für den Mai 2013 beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, inwieweit die gestiegenen Notierungen in den Fundamentaldaten verankert sind. Untersucht wird der langfristige Zusammenhang zwischen Kursen und Dividenden anhand der Dividendenbarwertmethode(Dividend Discount Model). Sie schreiben:

„Laut dem Dividendenbarwert-Modell entspricht der Kurs einer Aktie (P) dem Barwert aller zukünftig erwarteten Dividenden (D), die mit den Eigenkapitalkosten (EKK) abgezinst werden. Unter der Annahme konstanter Eigenkapitalkosten und einer konstanten Dividendenwachstumsrate (g) gilt für den Aktienkurs :
P=(D*(1+g))/((EKK-g))

Kurzfristig schwanken Aktienkurse erfahrungsgemäß zwar stärker als die von den Unternehmen meist möglichst verstetigten Dividendenzahlungen; langfristig legt die Formel aber ein identisches Wachstum beider Größen nahe. “

Dehnt man diese Überlegung auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bzw. (P/E) aus, dann ergibt sich das KGV quasi als Ausschüttungsquote (D/E), welche mit den Eigenkapitalkosten und unter Annahme einer konstanten Dividendenwachstumsrate abgezinst wird:
P/E=(D/E*(1+g))/((EKK-g))

Das hört sich zunächst reichlich abstrakt an. Was besagt dies?

  • Der Zusammenhang zwischen Fundamentaldaten und Kursen ist langfristig gültig. Daher kann auf lange Sicht nicht mehr an die Aktionäre ausgeschüttet werden, als an Gewinn erwirtschaftet wird. Die Ausschüttungsquote ist daher konstant und nicht der bestimmende Faktor des KGV;
  • Die Eigenkapitalkosten messen die Renditeerwartung an den DAX. Steigt diese Renditeerwartung, dann sinkt das KGV. Dann wären die Anleger nur bei einem tiefen KGV bereit, in den DAX einzusteigen. Sinkt die Renditeerwartung hingegen, dann akzeptieren die Anleger auch ein höheres KGV;
  • Erwarten die Anleger ein hohes Dividendenwachstum, dann billigen sie dem DAX ein hohes KGV zu – das künftige Dividendenwachstum bewirkt dann heute schon eine deutliche Wertsteigerung. Erwarten sie überhaupt kein Wachstum, muß das KGV sinken, damit die Anleger den DAX für kaufenswert erachten;

Es zeigt sich also, daß das KGV für sich genommen nur wenig darüber aussagt, ob der DAX gerade billig oder teuer ist. Das KGV sagt lediglich aus, welche Erwartungen über die erwartete Kapitalrendite bzw. über das Dividendenwachstum gerade vorherrschen.

Ein ganz wesentlicher Punkt dabei ist, daß die Eigenkapitalkosten nicht beobachtbar sind. Sie ergeben sich im Prinzip aus einem risikolosen Zins einer Risikoprämie.Diese Prämie wird dafür bezahlt, daß der Anleger daß Risiko trägt, etwa aufgrund einer Rezession weniger oder gar keine Dividende ausbezahlt zu bekommen.

Diese Überlegung darf nicht unterschätzt werden. Mit der Verschärfung der Eurokrise stieg die allgemeine Erwartung einer Rezession und es wurden folglich höhere Risikoprämien gefordert, was sich in z.T. sehr deutlichen Abschlägen gegenüber den bis dahin geltenen Kursen bemerkbar machte. Mit der Ankündigung einer deutlich expansiveren Politik steuerte die EZB dieser Erwartung entgegen. Zwischen den Bestimmungsfaktoren des KGV bestehen Wechselbeziehungen. Denn wenn die Risikoprämie sich auf hohem Niveau befindet, dann müssten die Unternehmen einen beträchtlichen Gewinnanstieg erzielen, um das erhöhte Anlagerisiko zu kompensieren. Wenn die Anleger aber zu dem Ergebnis kommen, dass ein solches Wachstum nicht zu erzielen ist, werden Gelder vom Aktienmarkt abgezogen und das Wirtschaftsklima insgesamt beeinträchtigt werden. Das erhöhte Risiko würde dann langfristig zu sinkendem Gewinn- und damit Dividendenwachstum führen. Dies dürfte bei der Geldpolitik der EZB eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Die Überlegung zeigt, daß tiefe KGV's nicht schon per se eine Voraussetzung für steigende Kurse sind. Die jüngere Entwicklung zeigt vielmehr, daß die Aktienkurse trotz niedrigem KGV auf einem tiefen Niveau verharren können; auch ein ausbleibendes Gewinnwachstum kann zu einer „Normalisierung“ des KGV führen, freilich auf dann reduziertem Niveau. Daraus ergibt sich, daß ein tiefes KGV kein stichhaltiges Argument für eine Investition in den DAX ist. Ein tiefes DAX-KGV besagt lediglich, daß die Anleger vom DAX im Moment nicht viel erwarten. Ob jedoch vom DAX in Zukunft mehr zu erwarten sein wird, das kann, so wie die Dinge liegen, niemand seriös prognostizieren.

Tokay

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DAX-Betrachtung – The only way is up, Baby

DAX-Betrachtung - The only way is up, Baby

Ein Gastkommentar von Tokay

So lautete der Titel eines Dance-Hits, der im Sommer 1988 Nummer Eins in der britischen Hitparade wurde. "The only way is up"- Das fällt einem spontan auch ein, wenn man sich die Entwicklung des DAX in den letzten Wochen anschaut. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Denn erst einmal ging es ordentlich bergab. Aber binnen kurzem ebenso steil wieder bergauf, denn eine EZB-Sitzung stand vor der Tür. Ob die Hüter des Geldes da nicht vielleicht die Zinsen senken würden? Denn mit den Wirtschaftsdaten sah es nicht mehr so gut aus. Von Inflation keine Spur. Und so passierte das, was Mr. Market bereits erwartet hatte. Nur leider ereignete es sich als etwas, das die meisten Börsianer nicht so gerne haben, nämlich als eine sogenannte V-Formation - Es ging ebenso rapide bergauf wie zuvor bergab. Dummerweise gehört die V-Formation zu den seltenen Formationen, für die die technische Analyse keine passenden Handelstaktiken parat hat. Man kann also nur hoffen, solchen Formationen nicht allzu oft zu begegnen.

Und wie haben sich diese Entwicklungen auf die längerfristigen Aussichten des DAX ausgewirkt? Schauen wir uns dazu die Grafik mit dem DAX an:

DAX -Betrachtung - The only way is up, Baby

Die Linien A1 und A2 bilden die äußeren Ränder des seit 2009 bestehenden Wachstumstrends. Sie weisen fast die gleiche Dynamik auf wie die langfristige exponentielle Wachstumsfunktion des DAX. Der "innere Trend" der seit 2009 anhaltenden Hausse, dargestellt durch die exponentielle Regression (Linie B) weist ebenfalls nach oben und ebenso Linie C, die untere Begrenzungslinie der seit Herbst 2011 anhaltenden neuerlichen Hausse.

Der DAX hat in den vergangenen Tagen diese Linie C nach oben verlassen. Er hat gleichfalls Linie B durchstoßen und nähert sich nun mit Macht der oberen Begrenzungslinie A. Man kann dies so interpretieren, dass mit dem Ende der Subprime-Krise Anfang 2009 ein Aufholprozess einsetzte, der nun seinen Abschluss zu finden scheint. Das ist aber nicht so zu interpretieren, als wäre nun sozusagen das Ende der Fahnenstange erreicht. Das derzeitige Momentum kann durchaus noch geraume Zeit anhalten und den DAX Richtung 8.500 Punkte tragen oder sogar noch darüber hinaus.

Es ist jedoch klar, dass ein solches Aufwärtsmomentum nur solange anhalten kann, wie die Risikoneigung der Marktakteure sich im unteren Bereich bewegt. Da die Wachstumsaussichten aber weiterhin generell eingetrübt sind, worauf nicht zuletzt gesunkene Rohstoffpreise und hohe Anleihenkurse ("Flight to Quality") hindeuten, muss man mit Rückschlägen rechnen. Andererseits ist kaum vorstellbar, dass die EZB einem Wiederaufflackern der Eurokrise einfach tatenlos zusehen wird.

Nach heutigem Stand dürfte die Aufwärtsdynamik des DAX in den nächsten Monaten abflachen, einfach deswegen, weil die Aufwärtsdynamik der vergangenen Jahre so kaum aufrechterhalten werden kann. Immerhin hat der DAX sich seit Frühjahr 2009 nahezu verdoppelt; seit Herbst 2011 hat er um etwa 50 Prozent zugelegt. Eine solche Entwicklung steht nicht in Einklang mit den fundamentalen Rahmendaten. Ein DAX-Stand von ca. 8.950 Punkten im Mai 2014 erscheint aber eine realistische Variante zu sein. Die Frage ist nur, auf welchem Pfad man dorthin gelangen wird. Sicherlich wird der DAX auf dem Weg dorthin den einen oder anderen Haken schlagen. Aber trotzdem: The only way is up, Baby!

Tokay

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DAX-Ausblick auf 2014: Anstieg auf 10000 ?

DAX-Ausblick auf 2014: Anstieg auf 10000 ?
Ein Gastkommentar von Tokay

Vorhersagen sind schwierig, besonders solche, die die Zukunft betreffen, sagte einst Karl Valentin. Und auch im Forum von „surveybuilder.info“ haben wir kürzlich darüber diskutiert, ob Börsenprognosen Unsinn sind oder nicht. Es ist klar, dass es aufgrund der Komplexität der Märkte nicht möglich ist, diese seriös zu prognostizieren. Es ist aber mithilfe der technischen Analyse möglich, zu veranschaulichen, welche Kräfte auf den Markt einwirken, wie diese zusammenwirken, und man kann daraus seine Schlussfolgerungen ziehen.

Analysieren wir einmal anhand der folgenden DAX-Grafik, welche Kraftwirkungen es in der zurückliegenden Zeit gegeben hat:

DAX Projektion bis Herbst 2014

  • Wir befinden uns seit dem Frühjahr 2009 in einem Aufwärtstrend, der durch zwei äußere Linien markiert wird. Linie A markiert die obere Begrenzungslinie dieses Aufwärtstrends, Linie C die untere Begrenzungslinie dieses Trends. Sämtliche Bewegungen des DAX, die seither stattgefunden haben, ereigneten sich im Bereich zwischen diesen beiden Linien.
  • Seriöse Analytiker messen den „inneren Trend“ eines Marktes, indem sie möglichst viele Hoch- und Tiefpunkte miteinander verbinden. Mithilfe einer exponentiellen Regression ist es ebenfalls möglich, eine ähnliche Gerade zu konstruieren, welche die Abstände zwischen den Punkten des Beobachtungszeitraums minimiert(Methode der kleinsten Quadrate). Die Linie B bezeichnet die Linie des Exponentialtrends.
  • Aufgrund der Eurokrise sowie der Probleme mit der US-Staatsverschuldung schalteten die Märkte im Sommer 2011 in den Risk-on Modus. Das hatte starke Kurseinbrüche zur Folge. Dieser Modus wurde im Herbst 2011 wieder verlassen, und ein guter Teil der seitherigen Aufwärtsbewegung ist sicherlich als Aufholbewegung gegenüber den krisenbedingten Verlusten jenes Sommers zu interpretieren. Diese Aufholbewegung wurde entscheidend begünstigt durch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank. Linie D kennzeichnet die untere Begrenzungslinie dieser dynamische Aufwärtsentwicklung.
  • Und schließlich gibt es noch die Linie E. Sie bezeichnet den Korrekturmodus, in den die Märkte verfallen, sobald die Zeichen auf „Risk on“ stehen. Dies kommt immer wieder vor, ist in letzter Zeit von kurzer Dauer.

Diese Kräfte dürften auch in der unmittelbaren Zukunft ihre Wirkung entfalten. Der Schnittpunkt der langfristigen Trendlinie A und der mittelfristigen Trendlinie D werden sich im Frühsommer dieses Jahres schneiden, und zwar in der Nähe von ca. 8.050 Punkten(Kreis mit Punkt a). Dementsprechend ist es gut vorstellbar, dass dieser Punkt a die obere Begrenzung der kurzfristigen Aufwärtsentwicklung darstellt, der DAX unter mehr oder weniger heftigem Rumoren weiter mäandert und ein Wechselspiel zwischen Aufwärts- und Abwärtsphasen nach bisherigem Muster stattfindet.

Aber wohin? Hier ist nun die Exponentialtrendgerade zu berücksichtigen, welche die langfristige Trenddynamik kennzeichnet. Zu beachten ist außerdem, dass Linie D weitaus dynamischer verläuft als die Exponentialgerade und diese wiederum sich dynamischer entwickelt als die äußeren Trendbegrenzungslinien. Selbstverständlich ist es möglich, dass die Kurse von diesem Pfad mehr oder weniger deutlich abweichen werden. Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass sie sich längerfristig gesehen auf die genannten Zielwerte hinbewegen.

Die Linie des Exponentialtrends wirkt zusammen mit der oberen Begrenzungslinie A der 2009er Hausse. Beide schneiden sich im Herbst 2014. bei etwa 8.500 DAX-Punkten bei dem eingezeichneten Kreis mit Punkt b. Dies ist die Zone, die der DAX wohl längerfristig ansteuern wird. Es fällt dann die Entscheidung darüber, ob es zu einer dynamischen Fortsetzung der Hausse kommt, der Markt in eine matte Seitwärtsbewegung übergeht, oder die Hausse gar ganz beendet ist.

Von einem DAX mit 10.000 kann daher in näherer Zukunft nicht die Rede sein. Es ist aber sehr gut möglich, dass nach Überwindung der Zielmarken eine solche Bewegung ins Haus steht. Bis dahin wird man aber voraussichtlich noch etwas Geduld haben müssen.

Tokay

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Anlagestrategie: Lohnt sich eine jahreszeitliche Strategie? „Sell in May“ neu betrachtet

Anlagestrategie: Lohnt sich eine jahreszeitliche Strategie? „Sell in May“ neu betrachtet

Ein Gastkommentar von Tokay

Bei Anlagegesprächen hört man gelegentlich den Hinweis, dass man im Frühjahr aufpassen solle, weil „es dann nicht mehr so gut laufe“. Solche Befürchtungen finden in dem Bonmot „Sell in May and go away“ ihren Niederschlag. Im vergangenen Jahr habe ich mich an dieser Stelle damit beschäftigt. Es ging um die Frage, ob es sich auszahlt, Ende Mai zu verkaufen und zu Ende August wieder einzusteigen. Die Antwort: Klares Nein. Es gibt keine signifikanten Belege, dafür, dass es sich lohnt, in den Sommermonaten auszusteigen.

Dieser Vergleich war natürlich ein wenig unfair. Denn vergleicht man die Monate August bis Mai mit dem Gesamtjahr, dann fehlen einem die Sommermonate. Also wäre es eigentlich richtig, Zeiträume mit gleicher Länge zu vergleichen. Es würde sich daher anbieten, die Zeiträume Oktober bis April und April bis Oktober miteinander zu vergleichen. Außerdem: Wenn das Frühjahr ein zum Investieren ungünstiger Zeitraum sein sollte, dann wäre es im Umkehrschluss von Vorteil, schwerpunktmäßig im Oktober zu investieren, um dann im Mai zu verkaufen.

Konstruieren wir also zwei Anlagesituationen. Im ersten Fall hätte ein Anleger zu Ende Oktober 1960 100.000 € in eine fiktive „DAX-Aktie“ investiert. Diese „DAX-Aktie“ hätte er dann Ende April 1961 verkauft. Der Verkaufserlös wäre auf einem Girokonto geparkt und Ende Oktober von neuem investiert worden. Diese Operation hätte er in jedem Jahr von neuem durchgeführt.

Im zweiten Fall hätte er die entgegengesetzte Strategie eingeschlagen und per Ende April gekauft. Weiterhin hätte er zu Ende des nachfolgenden Oktobers verkauft, den Erlös bis April geparkt und anschließend von neuem in „den DAX“ investiert.

Und so sieht das Ergebnis aus:

Kapitalkurve DAX April bis Oktober vs Oktober bis April

Diese Grafik ist sehr beeindruckend. Wenn man immer Ende April „den DAX“ gekauft und ihn Ende April Oktober verkauft hätte, dann hätte man Kapital eingebüßt, und zwar Jahr für Jahr über 1 Prozent im Durchschnitt. Und zwar nominal in Euro und Cent, nicht nur real. Empfehlungen, dem Aktienmarkt ab Frühjahr fernzubleiben, sind also insofern gerechtfertigt.

Schauen wir uns demgegenüber die Strategie „Kaufe Ende April, verkaufe Ende Oktober“ an. Hier hätte der Zuwachs im Jahresdurchschnitt ca. 6,8 Prozent betragen. Aus 100.000 Euro wären fast drei Millionen Euro geworden.

Im Vergleich dazu die Entwicklung des DAX:

DAX-Entwicklung 1959 bis 2012

Wie wir sehen, betrug der Zuwachs des DAX im gewählten Zeitraum ca. 5,6 Prozent pro Jahr. Daraus ergibt sich, dass diese Erträge in der Vergangenheit auf lange Sicht davon abgehangen haben, was im Winterhalbjahr erwirtschaftet worden ist. Das Sommerhalbjahr hingegen hat auf lange Sicht nicht nur nichts beigetragen, sondern sich ertragsmindernd ausgewirkt.

Nun könnte man als Ergebnis eines solchermaßen verlaufenen Anlagegesprächs die Konsequenz ziehen, „den DAX“ gegen Ende April zu verkaufen und ihn Ende Oktober wieder zu kaufen mit der Zielsetzung, eine Überrendite zu erzielen. Hierbei kommen nun aber die Transaktionskosten ins Spiel. Angenommen, die Bank vereinnahme pro Transaktion eine Gebühr von 0,5 Prozent des eingesetzten Kapitals – in der Praxis können es durchaus noch mehr sein - dann wird die Überrendite einer jahreszeitlichen Strategie zum Teil wieder aufgezehrt.
Sehen wir uns einmal die drei Kapitalkurven an:

• Im ersten Fall wurde „der DAX“ gekauft unter der Annahme, es wären keine Transaktionskosten angefallen;
• Im zweiten Fall wurden bei jedem Kauf und bei jedem Verkauf 0,5 % Transaktionskosten angenommen;
• Und im dritten Fall wurde „der DAX“ Ende Oktober 1960 gekauft und anschließend einfach behalten.
• Und außerdem haben wir noch die DAX-Entwicklung zum Monatsende eingefügt; sie sollte dem Verlauf von „Buy and Hold“ entsprechen.

Kapitalkurve Oktober bis April vs Transaktionskosten vs DAX

Man erkennt in dieser Grafik, dass der „Oktober bis April“ Ansatz mit 6,80 Prozent annualisiert gegenüber dem DAX bzw. gegenüber Buy and Hold mit 5,19 Prozent annualisiert eine deutliche Überrendite erzielt. Diese Überrendite wird aber durch die Berücksichtigung der Transaktionskosten wieder überwiegend aufgezehrt. Sie beträgt per Ende Dezember 2012 nur noch 5,74 Prozent.

Welche Konsequenzen für eigene Anlageüberlegungen kann man hieraus ziehen?

• Es gibt deutliche Unterschiede in der Performance zwischen Sommer- und Winterhalbjahr. Man investiert daher mit Vorteil im Herbst und operiert im Frühjahr eher mit Zurückhaltung. Es ist nicht sinnvoll, besonders häufig im Frühjahr zu kaufen – dies dürfte auf lange Sicht eher Nachteile bringen.
• Es ist aber nicht notwendig, im Frühjahr alles zu verkaufen. Der Vorteil, den man erzielt, wenn man jede Jahr im Frühjahr verkauft, kann durch die entstehenden Transaktionskosten wieder aufgezehrt werden.
• Man sollte mit seinen Transaktionen zurückhaltend verfahren und nicht darauf spekulieren, aufgrund der gewählten Jahreszeit einen Vorteil zu erzielen. Wenn man das nicht möchte, sollte man ein Institut auswählen, bei dem Transaktionen kostengünstig durchgeführt werden können.

Tokay

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Frühlingsgedanken: DAX, Geldanlage, Schach, Gerhard Schröder und die Eurokrise

Frühlingsgedanken: Betrachtung zum aktuellen DAX, zu Geldanlage, Schach, Gerhard Schröder und der Eurokrise
Ein Gastkommentar von Tokay

Heute ein paar Gedanken, die mich diese Woche beschäftigt haben. Fangen wir an mit einer DAX-Betrachtung. Am Mittwoch ging es deutlich nach oben und es sieht ganz danach aus, als sei damit die seit Jahresbeginn laufende Seitwärtskonsolidierung beendet worden. Eine Reihe von DAX-Unternehmen brachten gute Ergebnismeldungen, die vom Markt honoriert wurden. Auch Draghi wusste am Donnerstag anlässlich der EZB-Sitzung die Märkte zu beruhigen.

Wie kann man zu diesen Schluss kommen? Schauen wir uns dazu die nachfolgende Grafik an. Wir hatten seit November 2012 die Aufwärtsbewegung ABC laufen. Diese Aufwärtsbewegung wurde im Januar bei Punkt C invalidiert und ging in die Seitwärtsbewegung DEF über.

DAX Entwicklung 12.10.12 bis 07.03.13

Um abzuschätzen, wie die langfristige Marktdynamik sich zuletzt verhalten hat, ermitteln wir den 200-Tage.Durchschnitt und verschieben diese Linie entlang der Obergrenze der Kursentwicklung der letzten Monate. Man erkennt, dass diese Aufwärtsverschiebung den Kursindex an zwei Punkten touchiert. Die Seitwärtskonsolidierung ist am Mittwoch an Punkt F durchbrochen worden. Dies ist ein erstes Signal. Sollte auch die Aufwärtsverschiebung des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts durchbrochen werden, dann haben wir es mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Wiederaufnahme der Hausse bzw. der Fortsetzung von „The Great Rotation“ zu tun.

Es wird nun davon abhängen, ob die historischen Höchststände aus 2000 respektive aus 2007 nachhaltig werden durchbrochen werden können. Dieses Szenario würde aber seinerseits invalide werden, sollte die Marke von 7.550 Punkten nachhaltig unterschritten werden.

Anderes Thema: Geldanlage und Schach. Auf den ersten Blick sind dies zwei Gebiete, die nicht viel miteinander zu tun haben scheinen. Beim Schach sitzen zwei Spieler vor dem Brett und versuchen sich gegenseitig matt zu setzen. Bei der Geldanlage erwirbt man Wertpapiere in der Hoffnung oder Erwartung, dass ihr Wert steigen möge. Es muss zwangsläufig jemanden geben, der einem das Wertpapier in der gegenteiligen Erwartung verkauft. Insofern könnte man auch die Geldanlage als ein Spiel bezeichnen.

Wie versucht man beim Schach, den gegnerischen König matt zu setzen? In dem man versucht, seine Spielsteine so zu platzieren, dass diese eine maximale Wirkungskraft entfalten. Dies bewerkstelligt man etwa durch offene Linien, durch günstige Positionen für Springer und Läufer, durch günstige Bauernstrukturen und durch vieles andere. Man kann dies Strategie nennen. Häufig aber ist eine gute Strategie noch keine hinreichende Voraussetzung für den Erfolg.Es kommt noch etwas hinzu, nämlich die Taktik. Taktik beim Schach besteht aus konkret berechneten Zugabfolgen(Kombinationen), bei denen zumeist gewisse Schwächen in der gegnerischen Stellung zum eigenen Vorteil genutzt werden können. Sehr häufig ist dies mit der Hergabe von Material, also mit Opfern verbunden. Zahlreiche brillante Partien basieren auf solchen Kombinationen. Einige aufmerksame Leute haben ausgerechnet, dass heutzutage etwa achtzig Prozent aller Partien durch taktische Schläge entschieden werden.

Wie ist nun die Analogie zur Geldanlage? Die „Spielsteine“ bei der Geldanlage sind die Anlagetitel. Man sucht diese so aus, dass diese eine maximale Wirkung entfalten. Sie müssen auch gut zueinander passen. Zum Beispiel wäre es im Sinne der Risikostreuung nicht sinnvoll, Papiere aus nur einer Branche zu kaufen. Die Strategie sollte flexibel sein, um auf Änderungen reagieren zu können. Die Papiere müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen, z.B. dürfen die Gesellschaften nicht überschuldet sein, sie müssen gute Wachstumsperspektiven haben, sie sollte möglichst überproportional von einem Zuwachs des Gesamtmarktes profitieren. Es gibt ganz sicherlich noch viel mehr solcher Kriterien. Doch ganz gleich, welche Kriterien man verwendet, auch hier ist die Taktik das, was am Ende den Ausschlag gibt: Nämlich, wann man was kauft und verkauft und zu welchem Preis. Die beste Strategie hilft nichts, wenn die Anlagetaktik fehlerhaft ist.

Auch das Opfer findet hier seine Analogie. Für das Opfer kommt besonders eine Figur in Betracht, die andere Kräfte bindet. Das ist für den Anleger oftmals ein Papier, das stetig fällt und nicht auf die Beine kommen will. Wer den Mut findet, seine Verluste abzukürzen, der wird feststellen, dass auf diese Weise Kräfte frei werden und seine Position bzw. sein Portfolio langfristig an Stärke zu gewinnen in der Lage ist, auch wenn erst einmal ein Verlust eingetreten sein mag.Und wie beim Schach gibt es bei der Geldanlage die erfahrenen „Meister“ die im Kursverlauf Muster sehen, die die Masse der Anleger nicht sieht, und aus diesem Erfahrungsvorsprung einen Vorteil erzielen können. Ein Schach-„Meister“ sieht Stellungsmuster und vermag diese korrekt zu bewerten. Mit dieser Erfahrung kommt man nicht auf die Welt; aber man kann sie sich beim Schach durch das Spielen von Partien bzw. bei der Geldanlage durch Anlagepraxis aneignen.

Wieder anderes Thema: Die Agenda 2010 hat demnächst Geburtstag. Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat aus diesem Anlass in der vergangenen Woche in der Alten Oper in Frankfurt eine Rede gehalten. Dabei ging es zwangsläufig auch um das Thema Eurokrise. Ich finde, er hat dabei einige sehr wesentliche und grundlegend richtigen Dinge herausgestellt:

  • Die Agenda 2010 war richtig. Sie trug maßgeblich dazu bei, die in Deutschland nach der Wiedervereinigung sehr hohe Sockelarbeitslosigkeit zu reduzieren. In ähnlicher Weise müssten die Peripherieländer ran an ihre Arbeitsmärkte. Die sind ziemlich abgeschottet. Es ist schwer, jemanden loszuwerden. So erfreulich das für diejenigen ist, die eine Stelle haben, so unerfreulich ist es für diejenigen, die keine haben. Das sind unter den jungen Leuten erschreckend viele. Da tickt eine Zeitbombe – wenn sich da nichts tut, kann das noch sehr schwerwiegende Folgen haben.
  • Die Erfolge der Agendapolitik kamen nicht sofort. Das dauerte ein paar Jahre. Reformen sind gut und richtig – solange die anderen davon betroffen sind. Ist man selber betroffen, versucht man natürlich, die Reformen zu verhindern. Auch das ist in den südeuropäischen Ländern zu beobachten.
  • Das Konjunkturprogramm 2008/2009 war richtig. In ähnlicher Weise bräuchten die Peripherieländer Wachstumsprogramme. Mit der Austeritätspolitik wird alles kaputt gespart. Deswegen hat Monti die Wahl verloren. Deswegen hat Grillo sie gewonnen. Die Ausfälle aus der privaten Nachfrage müssten durch staatliche Nachfrage kompensiert werden, Tun sie aber nicht. Man bräuchte also Strukturreformen und fiskalische Expansion. Praktiziert wird das genaue Gegenteil.
  • Zu beobachten ist, dass die Austeritätspolitik zu hart ist. Es wird in zu kurzer Zeit zu viel gespart. Das werden die Italiener, Spanier, Griechen und Portugiesen auf die Dauer nicht durchhalten.Und weil die Erfolge nicht sofort kommen, wird der innere Frieden in diesen Ländern aufs äußerste belastet werden. Man sollte diesen Ländern mehr Zeit geben, sonst wird dort die Demokratie vor die Hunde gehen. Und dies wird großes Leid verursachen.

Die kommenden Jahre werden daher entscheidende Jahre werden. Man wird sich an die Rede von Gerhard Schröder erinnern. Es liegt vieles darin. Möglicherweise die bittere Wahrheit, die Realität werden wird. Wir wissen es nicht, wir wollen es nicht hoffen.

Tokay

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Italien-MIB40: Nach der Wahl ist vor der Entscheidung

Italien-MIB40: Nach der Wahl ist vor der Entscheidung - ein Gastkommentar von Tokay

Der italienische Aktienmarkt steht in diesen Tagen am Scheideweg. Zu diesem Urteil kommt man, wenn man sich die Kursentwicklung der letzten Wochen genau ansieht. In Italien wurde vergangenen Sonntag und Montag ein neues Parlament gewählt. Das nicht allzu erfreuliche Ergebnis wurde offenbar von den Marktakteuren erahnt, denn schon Wochen vor der Wahl begann der MIB40 nach unten zu drehen. Mit Berlusconi und Grillo bekamen zwei Politiker, soeben vom Kanzlerkandidaten Steinbrück als „Clowns“ tituliert, über die Hälfte der Wählerstimmen. Auch wenn das Ergebnis negativ zu werten ist, so herrscht doch Klarheit. Der wirtschaftskonservativ orientierte Teil der Wählerschaft hat mit Reformpolitik nur wenig im Sinn, ebenfalls in sehr engen Grenzen die linksliberal-sozialdemokratisch-sozialistischen Wähler und ebenso wenig die „Grillini“, die wohl vor allem jüngere und frustrierte Wähler repräsentieren und sich antieuropäisch geben. Es zeigte sich, dass Mario Monti sein vor allem im Ausland hohes Ansehen nicht in einen Wahlerfolg umsetzen konnte.

Zurück zum Aktienmarkt. In der nachfolgenden Grafik sehen wir die Entwicklung des MIB40 seit Oktober 2007. Die Kurse brachen besonders im Verlauf 2008 massiv ein und gingen seit Sommer 2010 in eine Seitwärtskonsolidierung über. Es zeigten sich die typischen Merkmale einer Baisse. Diese war geprägt von einem Wechselspiel zwischen Abwärts- und Aufwärtsphasen. Die Abwärtsphasen dauerten länger als die Aufwärtsphasen und sie waren immer steiler als jene. Als Resultierende der Abwärts- und der Aufwärtsphasen ergab sich also der seit Herbst 2007 andauernde Bärenmarkt..

MIB40 01.03.13

Betrachten wir nun die zweite Grafik: Es bildete sich in der Folge der finanz- und geldpolitischen Eingriffe seitens der Regierung Monti sowie der EZB im MIB40 ein Rechteck ABCD heraus: Ein heftiger Einbruch der Kurse im Frühjahr 2012 bildete die linke Wange AB dieses Rechtecks. Der langgezogene Anstieg im Jahr 2012 war nach oben durch die Linie AC und nach unten durch die Linie BD gekennzeichnet. Wie man sieht, wurden die Korrekturphasen im Verlauf der beginnenden Bodenbildung immer schwächer, die Stärkephasen immer länger. Es mehrten sich die Anzeichen, dass der Bärenmarkt zu Ende gehe.

MIB40 - 01.03.13

Gegen Ende 2012 setzte erneut eine Schwächephase ein, gekennzeichnet durch die Linie CD. Wir nähern uns in dieser Woche dem Schnittpunkt der Linien CD, der Schwächelinie, und BD, der Stärkelinie. Eine Weichenstellung steht demnächst bevor. Eine Entscheidung darüber, ob die langjährige Baissephase zu Ende geht oder sich weiter fortsetzt, wird sehr bald fallen.

Je kürzer also die Korrekturphase ausfällt, desto größer stehen die Chancen, dass eine grundlegende Trendwende ins Haus steht und die Bullen das Ruder übernehmen. Die Chancen hierfür müssen im Moment allerdings sehr zaghaft eingeschätzt werden. Dies umso mehr, als die Hoffnung auf eine berechenbare und mehrheitsfähige Politik nach den Wahlen in die Ferne gerückt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die maßgeblichen politischen Kräfte sich gegenseitig blockieren und damit weitere Unsicherheit erzeugen werden, sind hoch. Die einzige Hoffnung ist, dass alle diese trüben Aussichten bereits in den Kursen enthalten sind. In welche Richtung die Entscheidung fallen wird, ist also unsicher. Sicher ist aber, dass sie fallen muss.

Tokay

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DAX-Betrachtung – Die Hausse nährt die Hausse

DAX-Betrachtung - Die Hausse nährt die Hausse - Ein Gastkommentar von Tokay

Der DAX war im Herbst 2012 gekennzeichnet durch eine Konsolidierungsphase, diese wurde beschrieben durch die Linie ABCD. Der "Fake-Out" vom 16. November 2012 markierte den Beginn der dynamischen Aufwärtsbewegung EF. Allerdings konnte die Dynamik dieser Bewegung nicht gehalten werden. Sie ging ab dem 8. Januar 2013 in eine Seitwärtsbewegung über.

DAX Hausse

Es ist klar, dass eine solche dynamische Aufwärtsbewegung ohne äußere Impulse, deren wir im vergangenen Jahr eine ganze Reihe hatten, insbesondere durch die EZB, schwerlich aufrechterhalten werden kann. In den sechs Wochen zwischen dem 16. November 2012 und dem 2. Januar 2013 hatten wir einen DAX-Anstieg von sage und schreibe 12 Prozent, einen Anstieg also, der eigentlich schon für ein normales Börsenjahr ausreichend wäre. In einem "Durchschnittsjahr" haben wir einen Indexanstieg zwischen 6 und 9 Prozent. Aber wir wissen auch, dass das Geschehen an der Börse sich normalerweise nicht stetig, sondern in Schüben vollzieht. "Die Hausse nährt die Hausse" heißt es in solchen Fällen. Denn kaum weniger ärgerlich als Verluste sind beim Handeln an der Börse verpasste Gewinne. Und wer Mitte November nicht zügig eingestiegen ist, dem sind einige Prozente durch die Lappen gegangen. So ist wohl nicht zuletzt die neuerliche Aufwärtsbewegung zu deuten.

Man wird also die zuletzt beobachtete Dynamik nicht fortschreiben können, auch wenn man mit einem positiven Börsenjahr rechnet. Wir scheinen mittlerweile in eine Konsolidierungsphase eingetreten zu sein. Wie lange diese Phase andauern wird, lässt sich nicht leicht einschätzen. Sollten jedoch demnächst positive Signale am Markt eintreffen wie ein positiver Ifo-Index, dann wäre das Konsolidierungsszenario wieder hinfällig und eine Fortsetzung des Aufwärtstrends EF wahrscheinlich. Und dies ist auch nicht fernab aller Realität - "The Great Rotation" heißt das neue Stichwort. Raus aus Anleihen, rein in Aktien. Auch ein Grund, weshalb die Hausse die Hausse nähren könnte.

Tokay

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Börsenregeln reloaded IV – Der Januar Effekt

Börsenregeln reloaded IV: Gibt es einen Januar-Effekt ? Ein Gastkommentar von Tokay

Heute machte ich eine überaus interessante Entdeckung. Eine der vielen Börsenregeln besagt, wenn der Jahresanfang, sprich die ersten fünf Handelstage des neuen Börsenjahres positiv verlaufen, dann ist das ein gutes Zeichen für das gesamte Börsenjahr. Dahinter steht die Überlegung, dass Börsentrends eher längerfristig abgelegt sind. Es könnte also sein, dass ein Trend, der zu Jahresanfang vorhanden ist, auch noch am Jahresende fortbesteht. Im vergangenen Jahr war das in der Tat der Fall. Aber es kann natürlich auch passieren, dass ein unterjähriger Trendwechsel stattfindet. Das Griechenland-Schlamassel des Jahres 2011 ist uns hier noch in unguter Erinnerung. Kann uns der Januar-Effekt einen Lichtblick für den Winter-Blues bieten?

Dazu habe ich die Tagesdaten des DAX auf Schlusskursbasis untersucht, die Jahresperformance für jedes Jahr sowie die Performance am Ende des fünften Handelstages eines Jahres gegenüber dem letzten Handelstag des Vorjahres ermittelt. Hier ist das Ergebnis:

Börsenregeln Januar Effekt

Man sehe und staune: In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Januar-Effekt erstaunlich oft eingetreten. Bis auf die Jahre 1993, 1995, 2002, 2007 und 2011 hatten wir immer dann ein gutes oder schlechtes Börsenjahr, gut oder schlecht im Sinne von Kurszuwächsen oder -verlusten, wenn die ersten fünf Handelstage desselben Jahres gut oder schlecht verliefen. Es gab natürlich einige Besonderheiten und Abweichungen.

Besonders augenfällig ist hier das Jahr 1993, das bescheiden startete, aber sich später innerhalb der vergangenen zwanzig Jahre als das Anlagejahr mit der besten Performance herausstellte. Damals wie 2012 gab es eine nahezu schulbuchmäßige Liquiditätshausse auf eine zu Ende gehende Rezession. Anders 2002. Hier sah es zu Jahresanfang noch sehr freundlich aus. Man glaubte die Baisse der Jahre 2000/2001 überwunden, endete dann aber im Desaster zahlreicher Unternehmensskandale. Auch hatte die Wirtschaft noch immer mit den Folgen des „New Economy“-Booms zu kämpfen. Das Vertrauen der Börsianer war deutlich zurückgegangen.

Die Baissejahre 2000 und 2001 kündigten sich bereits mit einem schwachen Auftakt an; das Jahr 1999 war noch einmal mit einer herausragenden Performance von fast 40 Prozent zu Ende gegangen. Der Jahreswechsel läutete dann das Ende des „New Economy“-Booms ein und führte zu einer Korrektur der eingetretenen Überhitzung. Diese Korrektur sollte sich noch lange hinziehen. Der Boom des Jahres 2003, mit dem das Ende der Rezession vorweggenommen wurde, kündigte sich ebenfalls bereits in den ersten Januartagen an. 2008 war dann das Jahr in der jüngeren Vergangenheit mit der weitaus schwächsten Performance zu Jahresanfang überhaupt. Der Rückgang in den ersten fünf Handelstagen betrug 2,7 Prozent. Es ist dann, wie wir alle wissen, noch sehr viel schlimmer gekommen.

Und wie sieht es gegenwärtig aus? Hier gibt es eine gute Nachricht: In 2013 hatte der DAX in den ersten fünf Handelstagen ein Plus von 1,1 Prozent zu verzeichnen. Bewahrheitet sich der „Januar-Effekt, dann können wir zuversichtlich in das kommende Börsenjahr blicken. Diese Aussicht könnte doch den Winter-Blues vertreiben ...

Tokay

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