Investieren ist so einfach, aber ….

Der folgende Grundlagenartikel ist leicht abgwandelt im Januar diesen Jahres im Premium-Bereich erschienen. Er richtet sich an alle, die erst damit beginnen, ihren Weg am Markt zu suchen oder die bisher nie so richtig auf einen grünen Zweig gekommen sind. Denn er adressiert ein Grundproblem vieler Anleger.

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"Investieren" ist die Tätigkeit, mit der fast jeder anzufangen versucht, der mit dem Markt zum ersten Mal in Kontakt kommt.

Man könnte etwas spitz fragen: Woran erkennt man den totalen Anfänger, der noch viele, viele Fehler vor sich hat?

Die Antwort ist: "Er kann das Wort Buffett schon buchstabieren, ist von Value-Investing fasziniert und fängt an Buchwerte zu vergleichen, um selber "Perlen" zu entdecken. Und wenn er ein KBV von 0,5 findet, dann wird er ganz nervös." 😉

Ja, ich weiss, das ist ein wenig böse, aber mit dem berühmten Schuss Wahrheit. Die längere Erklärung, warum dieses Denken Anfänger auszeichnet und warum es eher der falsche Ansatz ist, steht in einem Artikel von 2014, den Sie kennen sollten:
-> Gedanken zum langfristigen Vermögensaufbau und vom Zerrbild des Value-Investing < -

Man soll ja aber nicht nur erklären wie es nicht geht, sondern auch zeigen wie es geht. Und das will ich heute und in einem zweiten Folgeartikel beispielhaft tun. Und Ihnen dann im Folgeartikel den Aufbau eines sehr einfachen Investitionsdepot liefern.

Vorher müssen wir aber noch einmal ins Theoretische. Denn zunächst einmal möchte ich betonen, was auch in obigem Artikel sehr nachdrücklich geschrieben wurde:

Für (fast) jeden von uns ist es wichtig, ein ruhiges Basisdepot zu haben, mit dem wir mit begrenzten Risiken, einfach mit dem Markt mitlaufen!

Das gilt auch für Trader, auch denen tut diese ruhige Basis in der Regel gut und mit dieser Basis ist es auch nicht das Ziel "den Markt zu schlagen", sondern einfach nur mit beherrschbaren Risiken mit dem Markt mitzulaufen - zu investieren eben. Denn das ist schon mehr, als viele schaffen, die sich für klüger als der Markt halten und genau deshalb am Ende schlechter abschneiden.

Denn es gibt zwei Arten den Markt schlagen zu wollen.

Die eine Methode ist die Methode der Markttechnik. Das ist die Methode, die wir hier auf surveybuilder.info präferieren. Der Kern dieser Methode ist, dass wir den Markt genau beobachten und so seine grossen Schwingungen mitnehmen bzw die Täler vermeiden.

Diese Methode ist schwierig genug und der Markt ist ein harter Gegner. Aber sie ist auch für normale Anleger realistisch umsetzbar und wir haben als kleine Anleger da keinen unaufholbaren Nachteil gegenüber den Profis.

Die andere Methode, mit der man den Markt schlagen kann, ist die Fundamentale. Bei der Methode, muss es das Ziel sein, zu einer Aktie sozusagen "klüger zu sein" als der Markt. Heisst konkret, dass man die Zukunftsaussichten, die Risiken, die Geschäftserwartungen usw des Unternehmens besser einschätzen kann, als das, was schon in den Kursen enthalten ist.

Genau das ist die Grundlage davon, am Markt "unentdeckte Perlen" zu entdecken. Genau das ist die Grundlage von "Value-Investing" und vielen anderen Arten, nach fundamentalen Gesichtspunkten Aktien zu selektieren.

Das Dumme ist, diese Methode ist für uns als Individuen *noch viel schwieriger* als die Methoden der Markttechnik. Denn das was die Kurse ausmacht, ist ja schon das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses, an dem alle Marktteilnehmer mitgewirkt haben. Und die sind nicht doof, denn das sind auch Sie und ich und dann noch all die Profis dazu, die weit bessere Informationsquellen als wir haben.

Beschreiben wir das fundamentale Wissen um eine Aktie mal mit Schulnoten. Sagen wir, dass die Qualität dessen, was der Markt an öffentlichem Wissen über eine Aktie besitzt, einer Schulnote 3 entsprechen würde.

Wenn das so ist, hat der normale Anleger, der einen oder zwei mediale Artikel zu so einer Aktie liest und daraus seine fundamentale Entscheidung ableitet, die Schulnote 5. Der weiss bestenfalls Bruchstücke und definitiv viel weniger als der Markt. Er bildet sich aber gerne ein, wie unglaublich klug er ist. 😉

Nun nehmen wir an, dieser Mensch ist fleissig, er begnügt sich also nicht mit dem Artikel und forscht selber. Er liest vieles über die Aktie, studiert den Geschäftsbericht und saugt Informationen auf. Je nach dem wie gut und intensiv er das macht, erreicht er Schulnote 4 und nähert sich bei viel Fleiss der Note 3 an, weil er nun auch weiss, was der Markt schon in den Kurs der Aktie eingearbeitet hatte.

Das erfordert schon sehr, sehr viel Fleiss und ist für normale Anleger mit Beruf, nur für sehr wenige Werte gleichzeitig möglich. Nur schlagen kann der Anleger den Markt damit immer noch nicht. Aber wenigstens mit dessen Wissen gleich ziehen, das ist ja schon was.

Erst wenn besonderes Wissen oder Einsicht hinzu kommt, das/die die Mehrheit nicht besitzt, dann hat der Anleger die Chance die Note 2 zu erreichen und damit "klüger" als der Markt zu sein. Und dieses "Besondere" sind zum Beispiel besondere fundamentale Branchenkenntnisse, also Wissen, dass nur jemand hat, der auch in der Branche unterwegs ist.

Das kann zum Beispiel jemand sein, der in genau der Branche arbeitet und daher tiefere Einsichten hat oder jemand der sich seit vielen Jahren mit der Thematik befasst hat, die das Geschäftsmodell der Aktie bestimmt. Solche Menschen haben überhaupt erst die Chance, einen echten Mehrwert bei fundamentaler Betrachtung zu erzielen - die anderen eher nicht.

Und um da hin zu kommen, erfordert es Fleiss, Wissen, Erfahrung, Fleiss, Wissen, Erfahrung. Nichts was man "mal eben" am Nachmittag im Internet macht.

Genau das - dieser "Note 2 Zustand" - ist auch der Zustand, den gute (Value-)Investoren zu erreichen suchen. Sie haben sich dann so tief im Unternehmen eingegraben und sein Umfeld so intensiv abgeklopft, dass sie tatsächlich für diesen einen Wert etwas "klüger" als der Markt sind. Sie wissen mehr und können die Zukunft besser einschätzen.

Was glauben Sie wohl, was Buffetts Leute gemacht haben, bevor sie aktuell diesen gekauft haben. Sie haben über Wochen und Monate gegraben, intensiv mit dem Management gesprochen, abgewogen und den Markt sondiert. Und dann - dann! - haben sie zugeschlagen, nicht nur weil ein oder zwei Finanzkennzahlen gut aussehen.

Da der Markt aber schon ein hohes Mass an Wissen über die börsennotierten Unternehmen vereint, besteht der Preis für so eine Strategie, neben hoher Qualifikation aus enorm viel Zeit und Energie, die man einsetzen muss. Das ist etwas das der normale Anleger im Normalfall gar nicht aufbringen kann, zumal auch oft die Grundlagen fehlen. Denn ein Geschäftsmodell korrekt einzuschätzen ist ja nichts, das man einfach so kann, das ist das Ergebnis von viel Erfahrung. Wie ich mich da trotz all meiner massiven Erfahrung realistisch selber einschätze, habe ich im oben verlinkten Artikel deutlich gemacht, das sollte Warnung für jeden sein, der weiss was Demut ist.

Aber, es geht durchaus diesen Zustand zu erreichen. Der fundamentale Pfad sich einen Edge zu erarbeiten, funktioniert durchaus, ich will hier nicht Value-Investing schlecht reden, im Gegenteil. Aber es hat eben einen hohen zeitlichen und intellektuellen Preis.

Absurderweise ist aber genau das die Methode, in der fast jeder Aktien-Anfänger in grenzenloser Selbstüberschätzung versucht, seine ersten Schritte am Markt zu machen. Das sind dann die, die ich oben mit "kann das Wort Buffett schon bustabieren" etwas sarkastisch beschrieben habe. Ich habe da eine Aktie "entdeckt" - dieser Satz sagt schon alles und ist der zuverlässige Vorbote grosser Enttäuschungen. 😉

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Siehste – vom *Müssen* des Marktes



Ich weiss, ich weiss. "Siehste" Beiträge mit dem langen, oberlehrerhaften Finger des Lehrer Lämpel sind nicht sehr beliebt. 😉

Aber ich versuche hier ja auch nicht Leser um jeden Preis mit Versprechungen des schnellen Geldes an Land zu ziehen, sondern wünsche mir Mitglieder, die aus eigenem Entschluss erkennen, dass sie ihre Herangehensweise an den Markt ändern müssen. Denn nur so kann sich nachhaltiger Erfolg einstellen.

Und das heutige "Siehste" ist sehr wichtig, denn es zeigt Ihnen einen Kardinalfehler, der von sehr vielen Anlegern immer wieder gemacht wird. Immer wieder!

Denn wenn ein Markt steigt und steigt und neue Höchststände erklimmt, stellt man sich gerne emotional dagegen, ist skeptisch und bekommt warme Gefühle beim Lesen all der Crash-Propheten, die einem erzählen, dass dieser Markt ja "irrational" sei.

Warme Gefühle bekommt man wegen des eigenen Egos, denn wenn man nicht dabei ist und der Markt immer neue Gewinne generiert, setzt einen das ja unter Druck. Mit dem Bild des "irrationalen Marktes" kann man sich der wirklich wichtigen aber auch schmerzhaften Frage entziehen, ob man nicht vielleicht einen grossen Fehler gemacht hat. Auf die Argumente der Marktskeptiker zu hören, ist dann also nur eine fortgeschrittene Variante des beliebten "Wegschauens" und "Verdrängens", wenn einem die Wirklichkeit nicht gefällt.

Wer also in einem stark steigenden Markt nicht dabei ist, sucht gerne "Erleichterung" bei allen, die ihm Argumente liefern, warum die im Markt ja "Idioten" und "Lemminge" seien. Und wenn es viele von dieser Kategorie gibt - und das ist aktuell immer noch der Fall - muss ein Markt deshalb weiter steigen.

Genau deshalb habe ich Ihnen vor knapp 2 Wochen in -> Stärke gebiert Stärke <- geschrieben, dass ein starker Markt nicht einfach auf dem Fusse dreht, sondern eher weiter nach oben läuft.

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, die Akzeptanz dieser Wahrheit ist bei Ihnen im freien Bereich nur sehr gering ausgeprägt. 😉 Und nun sind zwei Wochen vergangen und der Markt ist weiter hoch gelaufen und ist immer noch überkauft. Aber jetzt *muss* er korrigieren, jetzt *muss* der Markt doch endlich mal drehen, so sagt Ihnen Ihr Ego heute.

*Muss* er? Die Wahrheit ist, der Markt *muss* gar nichts und in einem so starken Markt, ist eine Fortsetzung des Trends gut möglich.

Die gleichen Anleger aber, die so einen Markt für "irrational" halten und schon lange nicht mehr dabei sind, würden dann, wenn der Markt 20-30% korrigiert hat, zugreifen wollen. Weil dann sind viele gute Aktien ja "billig".

Sind Sie das? Schauen wir mal auf diese beiden Charts des DAX im Jahre 2011 und des S&P500 im Jahre 2008:

Da, wo ich in den Charts zum Zwecke der Erklärung den notwendigen Exit mit blauen Pfeilen markiert habe, dort wäre der Markt für diesen Typus Anleger - der sich klüger als der Markt wähnt - "billig" gewesen und Anleger hätten mit dem gleichen Argument zugegriffen, mit dem sie heute an der Seite stehen.

Nun gut, wenn ich Sie nicht überzeugen kann, dann machen Sie einfach weiter so. Pflegen Sie Ihr Ego, suhlen Sie sich im Gefühl zu den "Querdenkern" zu gehören, die die Irrationalität des Marktes als Einzige erkennen können. Glauben Sie einfach weiter klüger als der Markt zu sein. "Be my guest", ein Markt braucht diesen Typus Marktteilnehmer. 😉

Wenn Sie sich aber darüber erheben können, wenn Sie erkennen können, wie Ihr Ego auf Ihr Handeln einwirkt, dann wiederhole ich für Sie sechs Grundregeln:

(1) Stärke gebiert Stärke

(2) Schwäche gebiert Schwäche

(3) Ein Markt der neue Hochs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Topbildung zu entwickeln.

(4) Ein Markt der neue Tiefs generiert, dreht nicht auf dem Fuss, sondern braucht in der Regel Zeit und Hin und Her, um eine Bodenbildung zu entwickeln.

(5) Ein Markt der neue Hochs generiert, ist wenig anfällig für einen Crash

(6) Ein Markt der schon 20% verloren hat und weiter abwärts bröselt, ist sehr anfällig für einen Crash.

Und natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme und irgendwann, wird es auch mal einen Crash direkt folgend auf neue Hochs geben. Falls heute Nacht ein Atomkrieg in Ostasien ausbrechen würde, würde das wohl so sein. Aber nach diesen Ausnahmen zu handeln macht keinen Sinn, das ist das unkontrollierbare Restrisiko des Lebens. Wir müssen am Markt nach dem handeln, was wahrscheinlich ist.

Nun alles klar? Wenn nein, kann ich Ihnen nicht helfen. Wenn ja, ist Ihre Aufgabe als Anleger, nach diesen Prinzipien zu handeln. Ihrem Depot wird es langfristig gut tun.

Ihr Hari

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Von Opportunismus und Handelssetups

Heute teile ich mit Ihnen im freien Bereich einen Artikel, den ich am 09.02.17 für den Premium Bereich geschrieben habe.

Es geht darin um etwas sehr Grundsätzliches und sehr Wichtiges, die Trennung opportunistischen Handelns von langfristigen Investmentgedanken.

Und darum, wie absolut entscheidend gnadenloser, chancenorientierte Opportunismus für die ist, die als Trader mit Markttiming einen Gewinn erzielen wollen.

Was wir glauben und wünschen ist dabei völlig egal, alleine was der Preis uns sagt zählt. Die Wahrheit des Traders liegt eben auf dem Platz (im Chart).

Ich bin sicher, die Mehrheit von Ihnen, die Sie das hier nun lesen, verstösst gegen diese klare Trennung von Investment und opportunistischem Handeln. Um so wichtiger ist, sich das bewusst zu machen!

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

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Wir haben in den letzten Wochen im Premium Bereich einiges über Investments besprochen. Heute möchte ich den Blick mal wieder auf den kurz- und mittelfristigen, opportunistischen Handel richten.

Voraus schicken möchte ich aber erneut eine Warnung, diese beiden Dinge nicht miteinander zu vermischen!

Ich weiss, diese Warnung wird trotzdem teilweise unverstanden verhallen, denn wenn ich die Argumentation vieler Anleger "da draussen" in Foren lese, warum sie gerade jetzt eine Aktie kaufen oder verkaufen wollen, ist es zu oft eine wirre und intellektuell gruselige Mischung von langfristigem, fundamentalen "Hopium", verbunden mit dem kurzfristigen aber fehlgeleiteten Versuch, den Markt durch Herumraten zu Timen.

Das Irre dabei ist, diese Anleger fühlen sich dabei subjektiv auch noch als "Investoren", während sie in Gedanken permanent herum rätseln, ob der Kurs nun Morgen hoch oder runter geht. "Trader", die opportunistisch einen Edge identifizieren, sind sie aber auch nicht, eher Schafe, die von Angst und Gier getrieben dem Markt hinterher laufen. "Investoren", sind sie aber auch nicht, denn das bedeutet fachlich weit mehr, als sich von Hopium erfüllt eine schöne Zukunft auszumalen oder ein paar Indikatoren der Vergangenheit wie KGV und KBV abzulesen. Letzteres war ja in den letzten Wochen klar Thema hier.

Faktisch ist es so, dass eine Aktie problemlos ein gutes langfristiges Investment sein kann und trotzdem kurzfristig ein klarer, taktischer Short. Oder eine Aktie kann gute Chancen auf schnelle 20% Gewinn bieten, gleichzeitig sich aber auf einem endlosen "tiefer geht immer" Pfad in den Orkus befinden, der zuverlässig mit der Insolvenz enden wird. Werfen wir kurz- und mittelfristige Handelserwägungen also auf keinen Fall gedanklich mit Investmentfragen in einen Topf. Die beiden Dinge haben *nichts* miteinander zu tun. Nichts! Punkt!

Wer einen klaren Kopf hat, dem sollte klar sein, dass mit diesem gedanklichen Wirrwarr kein Blumentopf abseits von Zufallserfolgen zu gewinnen ist. Und ich kenne auch keinen der so agierenden Anleger, der wirklich am Markt Erfolg hat, weder als Trader noch als Investor.

Nein, wenn wir handeln, müssen wir wissen *warum* wir handeln, auf welcher *Zeitebene* wir agieren und *wo* unser Vorteil (Edge) konkret gegenüber dem Markt liegt. Denn der Markt ist klug und hat alles was man auf einfache Art und Weise wissen kann, sowieso schon in den Kursen eingebacken, so dass sich kein leichter Edge ergeben kann.

Was es bedeutet wirklich Investor zu sein, darüber habe ich zuletzt geschrieben. Heute geht es darum, was es bedeutet ein Trader zu sein, der auf einen Differenzgewinn aus ist.

Und dabei steht ein Wort im Mittelpunkt: Opportunismus. Purer, gnadenloser Opportunismus, der die harte Wahrheit der Kurse, nicht mit Hoffnungen und Überzeugungen vermischt.

Und in diesem Stil will ich Ihnen heute beispielhaft zwei typische Situationen zeigen, die taktisch oft aussichtsreich sind. Nicht weil uns die Unternehmen interessieren und auch nicht, weil wir zu deren fundamentaler Entwicklung eine Meinung haben, sondern alleine aus der Price-Action abgeleitet, die durch bestimmte Muster mit Tendenz in eine bestimmte Richtung weist:

Flaggenstruktur am Beispiel Tesla (TSLA):

Der Klassiker ist die gegenläufige Flagge im bestehenden Trend. Damit diese ideal ist, muss das Abwärtsvolumen in der Flagge abflauen und dann mit dem Ausbruch nach oben wieder ansteigen. Gerne gibt es am Ende von Flaggen auch einen Fakeout in die Gegenrichtung, trotzdem generiert eine lange genug gelaufene Flagge oft einen guten Einstiegspunkt - wie hier bei Tesla:

Wie weit jetzt der aktuelle Schub geht, kann ich Ihnen nicht sagen, wenn man drin ist, kann man mit "Trailing Stops" arbeiten. Und man kann mit dem "Prinzip des measured Moves" ein grobes Gefühl für das Bewegungspotential entwickeln. Diese Themen wurden alle ausführlich hier im Premium Bereich behandelt.

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Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Wie die richtige Positionsgrösse unseren Erfolg beeinflusst



Dieser Beitrag wurde aus Teilen eines Artikels des Premium-Bereiches neu zusammengestellt und aktualisiert, der in anderer Form schon vor Monaten veröffentlicht wurde. Für Premium-Mitglieder hat er also keine Neuigkeiten, für die Leser des freien Bereiches beinhaltet er aber eine wichtige Erkennntis.

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Ich will heute das Thema der Positionsgrössen in den Fokus rücken, denn das ist eine der absoluten zentralen Erkenntnisse, die wir haben müssen, wenn wir Erfolg haben wollen.

Und da Erfahrungen aus dem realen Leben immer bessere Wirkung entfalten, als theoretische Ermahnung, will ich Sie an einer erneuten Erfahrung teilhaben lassen, die ich im ersten Halbjahr selber gemacht habe.

Aufgrund inakzeptabler Probleme bei einer meiner Depotverbindungen, war ich auf der Suche nach einer neuen, zuverlässige CFD Plattform, da ich über CFDs immer mal wieder Hedging-Aktivität entfalte.

Wichtige Infos die ich herausfinden wollte, bevor ich bei einer neuen Bank grössere Summen platziere, war die Stabilität der Plattform und das kann man nur über einen längeren Zeitraum betrachten. Dann natürlich wie abgerechnet wird, wie sich Transaktionen händisch "anfühlen", wie die Spreads sind, wie die Kutellung ist, wie das Reporting ist usw und so fort.

Deshalb habe ich ein neues CFD-Depot zum Test eröffnet und dort 10.000€ "Spielgeld" platziert und über einen Test-Zeitraum dort immer wieder "gedaddelt". Ich sage gedaddelt, weil ich dort in Abständen immer mal wieder Mini-Trades gemacht habe, um das Handling zu testen.

"Mini-Trade" heisst dann zB 1 DAX Kontrakt, also sozusagen 12.000€ im Feuer oder 10.000 EURUSD Kontrakte. Und "gedaddelt" heisst, dass ich kein echtes Trading gemacht habe, also keine Strategie verfolgt, sondern einfach Intraday mal aus der Hüfte auf den Knopf gedrückt wenn es opportun erschien und kurz danach wieder auf den Knopf gedrückt um Gewinne mitzunehmen oder per Stop Verluste zu begrenzen.

Sinn war also nicht Gewinne zu erzielen oder besonders gute Trades zu machen, sondern einfach ohne jeden Anspruch die Plattform zu testen. Es war also weit überwiegend Intraday und ich habe in der Regel bewusst innerhalb weniger als einer Stunde die Position wieder geschlossen, egal welche Chancen da noch waren. Und nun schauen Sie mal, was beim "Daddeln" heraus gekommen ist:

In Summe habe ich damit bei 26 Mini-Trades 337€ oder 3,7% "verdient". Cool, ich bin reich! 😉 Aber erneut, darum geht es nicht, ich habe nicht versucht die Gewinne laufen zu lassen, ich habe gedaddelt und getestet.

Worum es aber geht ist die Erfolgsquote "aus der Hüfte" ohne gross nachzudenken. Auf 3 negative Trades kame 23 gute Trades und das in der klassischen Mischung von engem Stopmanagement und einem guten Auge beim Einstieg!

Nun ist die Rechnung nicht ganz fair, denn die 0,x€ "Gewinne" sind neutrale Fälle, in denen der Trade sofort wieder ausgestoppt wurde. Rechnen wir die also mal aus den erfolgreichen Fällen heraus und betrachten die als neutral. Dann haben wir 3 negative Trades, 10 neutrale Trades und 13 positive Trades.

13:3 - auch das ist sehr positiv, ein Affe mit dem Dartpfeil ist das nicht. 😉

Und ich bin sicher, dass ich auch in Zukunft gute Quoten erzielen kann, auch wenn es nicht immer so extrem gut sein wird. Aber 2:1 sollten beim "Daddeln" immer drin sein.

Warum erzähle ich Ihnen das?

Ganz einfach, weil man ja jetzt sagen könnte: Booahh, jetzt setze einfach den Faktor 1.000 beim Kapital ein und Du hast 337.000€ locker beim "Daddeln" nebenher verdient. Theoretisch wäre das mit Margin sogar denkbar, für einen DAX Einsatz von 12 Millionen bräuchte es bei vielen Plattformen nur eine fünfstellige Margin. Aber trotzdem, schön wärs. 😉

Der Punkt ist, wenn ich meine Erfahrung, meinen Instinkt und meine geistigen Fähigkeiten hätte, *OHNE* dass mir die Höhe des eingesetzten Kapitals etwas bedeuten würde, würde das vielleicht auch gehen. Und ich würde aus Spass immer noch diesen Blog schreiben, aber das aus meiner 747 auf dem Weg zur eigenen Pazifik-Insel. 😉

Mein Problem ist, ich bin ein Mensch. Die Zahl bedeutet mir etwas und mit ihr ist auch Risiko verbunden, dessen ich mir voll bewusst bin. Und weil sie mir etwas bedeutet, wird die Bedeutung irgendwann Last und ich kann *nicht* mehr so locker und flockig daddeln. Der wichtige Punkt ist:

Auch ich kann diese Erfolgsquote nicht halten, wenn es um etwas geht!

Auch ich nicht, der ich mir des Problems so bewusst bin wie kaum jemand und der ich auch ganz gute Techniken habe, um mit diesen Ängsten und Gefühlen ganz sinnvoll umzugehen.

Ich kann diesen Satz und diese Erfahrung nicht dick genug unterstreichen.

Denn es unterstreicht, dass die richtige Technik beim Börsenhandel bestenfalls 50% der Gleichung ist, wenn überhaupt. Die anderen Hälfte sind wir selber, ist das Ringen mit uns selber, mit unserem "Affenhirn", welches dann wenn Bedeutung ins Spiel kommt, nicht mehr rein rational agieren kann.

Dabei muss man aber zu Ehrenrettung des "Affenhirns" sagen, das vieles was mich zum idealen Einstieg ermächtigt, wohl auch mit ihm und seinen Fähigkeiten zu tun hat, insbesondere der Mustererkennung. Aber ein Aspekt des Affenhirns, die Verlustangst, ist einfach ein schwerer Rucksack, den wir alle mit uns herum tragen. Diese Verlustangst war absolut notwendig, um uns vor Gefahren in der Wildnis zu schützen. An der Börse ist sie kontraproduktiv, aber nur wenn man ein funktionierendes Risikomanagement besitzt, das uns von alleine schützt.

Für uns bedeutet das, dass eine unserer zentralen Aufgaben ist und bleibt, für uns selber eine Strategie zu entwickeln, mit der wir uns wohl fühlen und in der diese Verlustangst im Griff bleibt. Sobald wir uns über den Punkt hinaus exponieren, den unsere ängstliche Affenseele noch ertragen kann, werden wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Knie schiessen!

Und da jeder eine andere Psychologie hat und die Art der Ängste auch immer individuell ist, kann auch Ihre ideale Strategie immer nur individuell sein. Die "universelle Strategie" die man einfach nachhandelt, gibt es eben nicht.

Dass diese Begrenzung auch bedeutet, die theoretischen Gewinnchancen irgendwo zu deckeln, ist völlig klar. Aber lieber jedes Jahr beständig 10-20% Gewinn, als irgendwann sein Depot zu schrotten. 😉

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch einmal in Erinnerung rufen, diesen Faktor auch zu berücksichtigen, wenn Sie sich "da draussen" andere mediale Trading-Dienste oder Börsenkommentare anschauen, insbesondere solche für die Sie Geld zahlen sollen. Denn wer alleine auf technischen Methoden herum reitet und die psychologischen Aspekte dabei völlig ausblendet und dazu kein Wort findet, unterschlägt einen alles entscheidenden Faktor.

Jeder - wirklich jeder - der handelt und auch der "investiert" - muss sich diesen eigenen Geistern stellen. Jeder! Und wer wirklich lange mit relevantem Geld im Markt unterwegs war, weiss das auch. Lassen Sie sich nichts anderes einreden. Sie sind also nicht allein mit ihren Schwierigkeiten!

Amen!

Ihr Hari

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Das dümmliche Gebrabbel der Weltuntergangspropheten



Es gibt Dinge, die kann man nicht genug wiederholen, auch weil wir ja jeden lieben Tag von dem immer gleichen Schwachsinn zum Finanzmarkt zugetextet werden.

Dazu gehört das dümmliche Gebrabbel der Weltuntergangspropheten, das nach einem immer gleichen Muster funktioniert und auf die Vergesslichkeit der Leser setzt.

Denn wenn man zufällig mal Recht hatte, was selbst einem Affen mit Dartpfeil mal gelingt, kann man sich die nächsten 10 Jahr als "Crashprophet" durch die Talkshows führen lassen. In allen anderen Fällen ist das Geschwätz von gestern schnell vergessen.

Weil das so ist, hole ich aber dieses Geschwätz gerne immer wieder nachträglich an die Oberfläche. Lesen Sie daher, was ich am 25.02.15 den Premium-Mitgliedern zu einer 2015er Crash-Prognose in äusserst deutlichen Worten geschrieben habe. Was danach bis heute passiert ist, können Sie ja in den Kursen sehen.

Mir bleibt da nur Sie mit den Worten von "Obi-Wan Kenobi" zu fragen:

"Wer ist der grössere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?"

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Mittwoch 25.02.15 21:50 - Weltuntergangspropheten

Sie wollen mal im Brennglas sehen, wie einfach das Geschäft der Weltuntergangspropheten funktioniert?
Dann lesen Sie hier: .

Den Inhalt kann man kurz und knapp so zusammen fassen: "Blah Blub Blah" - substanzloses Gebrabbel. Opium für das Volk.

Dieser Artikel ist völlig risikolos und Win-Win-Win.

Win, weil er die Vorurteile derer bedient, die nun abseits stehen und nicht mitverdienen. Wenn man schon nicht mitverdient, kann man sich so wenigstens als Teil einer "eingeweihten Kaste" verstehen, das wärmt wenigstens die Seele, wenn das Depot schon rot ist.

Win, weil wenn der Crash in 2016 nicht kommt, sich niemand mehr an diesen Artikel erinnern wird. Es ist immer klug, Weissagungen weit in die Zukunft zu verlegen, das mindert das Risiko, mit runtergelassenen Hosen erwischt zu werden.

Win, weil wenn in 2016 tatsächlich ein Crash kommt, dann kann und wird man sich mit medialer Bugwelle feiern lassen. Ein neuer Crash-Guru wurde geboren, der Mann der XYZ vorher gesagt hat!

Wahr ist dagegen, dass das alles Common Sense und Mainstream ist, was da im Artikel steht.

Wahr ist, dass jeder halbwegs intelligente Marktteilnehmer weiss, dass dieser Markt schon sehr weit gelaufen ist und nicht ewig so weiter gehen kann. Es schreit uns ja geradezu an.

Wahr ist, dass wir uns in einem historischen Experiment der Notenbanken und Politik befinden, das mit immens hohen Risiken versehen ist, schief zu gehen. Und damit eine schwere Struktur-Krise herauf beschworen werden könnte, gegen die 2008 ein laues Lüftchen war.

Wahr ist, dass irgendwann wieder ein Crash kommen wird - so sicher wie das Amen in der Kirche.

Insofern ist der Artikel gar nicht mal per se falsch, er beschreibt eigentlich den Common Sense und deswegen sind so Pamphlete auch so erfolgreich, jeder kann wissend dazu nicken.

Der entscheidende Punkt ist aber, wir wissen nicht wann dieser Crash kommt und wie tief er geht. 2016? Vielleicht. Vielleicht aber auch schon ab nächster Woche. Oder erst 2019 oder nicht mehr dieses Jahrzehnt. Niemand weiss das.

Es ist auch nicht nötig es zu wissen, weil ich werde ihn "live" erkennen, den beginnenden Zusammenbruch des Marktes, wie ich auch 2008 und 2000 mittendrin erkennen konnte, weil es mir die Markttechnik entgegen geschrien hat.

Ich werde vielleicht die ersten 10%-20% des Einbruchs fressen müssen, das wird aber kein Vergleich sein zu dem, was danach kommt. Und ich werde vor dem Crash ein paar Mal zu früh raus gehen und so auch ein paar Prozent verpassen, weil der Markt doch wieder dreht. Einfach weil ich lieber *zu* vorsichtig bin, als *zu* selbstgefällig.

Aber als aktiver Anleger der sein Depot verwaltet, habe ich vor dem Crash keine Angst - im Gegenteil, er wird riesige Chancen generieren. Mein bisher bestes Anlagejahr in prozentualem Gewinn war 2009, mit hohem, zweistelligen Ertrag über ein ganzes, breites Depot hinweg und weit, weit über der Marktperformance. Warum das in 2009 möglich war, ist leicht zu erkennen. Es war das Jahr, in dem man mit beiden Händen, wie ein Kind im Süsswarenladen, zugreifen konnte.

Als Bürger, Vater und Ehemann aber, der dann mit Währungskrisen, politischen Unruhen, Infragestellung unseres Wirtschaftssystems und Radikalisierung der Massen leben muss, fürchte ich mich dagegen vor diesem Crash sehr.

Aber dabei hilft mir nicht, solche dünnen, inhaltsleeren Weissagungen zu lesen. Da hilft nur, seine Stimme in der demokratischen Meinungsbildung so einzubringen, dass es nicht dazu kommt. Oder dass man zumindest seinem Sohn später ehrlich sagen kann, ich habe meine Stimme laut und deutlich erhoben. Mein Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung ist dieser Blog.

Gute Nacht!

Ihr Hari

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Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik



Zum Zusammenspiel zwischen Börsen und Politik, gibt es viele Fehlkonzeptionen. Die Eine ist der Spruch von den politischen Börsen die kurze Beine haben, denn dieser ist richtig und falsch zugleich - er verkennt den wahren Zusammenhang.

Richtig ist der Satz, weil vieles von dem, was Politik so bewegt, an den weltweiten Märkten eher ein Schulterzucken auslöst.

  • Ob eine grosse Koalition oder eine Jamaika-Koalition gebildet wird? Schulterzucken bis auf geringe Branchenanpassungen.
  • Ob die AfD 5 oder 15% bei der Wahl hat? Schulterzucken.
  • Was mit "Horstie" und der CSU nun passiert? Schulterzucken.
  • Der Wirrwarr in der deutschen Bildungspolitik? Schulterzucken.
  • Ob in Deutschland 1 oder 2 Millionen Migranten dazu kommen? Schulterzucken.
  • Ob der Diesel nun in 2025, 2030 oder gar nicht verboten wird? Schulterzucken bis auf Einzelaktien.
  • Ob der Genderismus sich durchsetzt oder eine Marotte verirrter Wohlstandsbürger bleibt? Schulterzucken.
  • Die Rente mit 65, 67 oder 70? Schulterzucken.

Und so weiter und so fort. Ja, wenn es um all die Themen geht, die Politik gerne ins Schaufenster stellt, weil sie so schön greifbar sind, haben politische Börsen eher kurze Beine - das stimmt. Und selbst Krieg hat kurze Beine, solange man von einem baldigen Ende und begrenzten Folgen ausgehen kann.

Aber falsch ist der Satz auch, denn es gäbe da schon grundlegende Entwicklungen, die den Markt so richtig in Wallung bringen würden und das nicht nur kurzfristig. Und das sind die grossen tektonischen Verschiebungen.

  • Ob Deutschland weiter den (via EZB) Transfermechanismus Richtung Südeuropa stützt?
  • Ob Deutschland vom stabilen Zentrum der Währungsunion zum Wackelkandidaten wird?
  • Ob die von Macron gewünschte Vertiefung der Eurozone eine Chance hat?
  • Ob Deutschland eine wirtschaftsfreundliche Regierung bekommt oder das Gegenteil?

All das hat erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, sobald sich da Entwicklungen anbahnen. Und das sind keine kurzfristigen Auswirkungen. Nein, was das angeht, haben politische Börsen ganz lange Beine, die Eurokrise beschäftigt uns ja nun auch seit Jahren.

Wenn man so will, schaut der Markt bei der Politik eben hinter die Fassade. Er unterscheidet zwischem dem täglichen politischen Hin und Her und den grundlegenden Entwicklungen bei den Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Finanzen. Der Rest ist den Märkten egal, das sind aus Sicht der Märkte sozusagen "Orchideenthemen für die Talkshows" oder von rein nationaler Bedeutung.

Die beste Politik ist für die Märkte eine, die gar nicht stattfindet, in der die Politik also ihre Finger aus Wirtschaft und Finanzen lässt. Diese Weisheit ist nach wie vor gültig.

Und weil das so ist, sind die Folgen der Bundestagswahl auch so spannend. Das von mir beschriebene Risiko eines Scheiterns der Regierungsbildung, ist mit dem gestrigen Abend erheblich wahrscheinlicher geworden. Denn die SPD hat sich aus der klein-grossen Koalition zurück gezogen und Jamaika ist alles andere als einfach und immer noch unwahrscheinlich.

Möglicherweise wird sich die SPD am Ende aus "Staatsräson" doch bitten lassen, aber eine stabile Regierungsbildung ist nun definitiv nicht mehr sicher.

Diese Erkenntnis trifft auf einen Markt, der was das angeht zu sorglos war. Und auch heute merkt man in den Kommentaren der internationalen Pressen immer wieder, dass auf den "Sieg" von Angela Merkel abgehoben wird und die anderen Entwicklungen unter dem Motto "wird schon werden" abgehakt werden. Das Zutrauen in das "weiter so" ist gross, dabei ist ein "weiter so" nach meiner Wahrnehmung endgültig vorbei.

Wir stehen nun also vor einem langsamen, inkrementellen Erkenntnisprozess der Marktteilnehmer, der stark von der Positionierung der Politik beeinflusst werden wird. Solange "Jamaika" realistisch erscheint, gibt es keinen Grund für Sorgen, diese Koalition wäre für den Markt im Saldo nicht schlechter als die "Groko".

Sobald aber im Verlauf klar werden sollte, dass Deutschland nun zum politisch unsicheren Kantonisten wird, wird das erhebliche Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone haben.

Es wird spannend für uns werden, diesen Erkenntnisprozess nun in den nächsten Wochen zu beobachten. Politische Börsen können schon lange Beine haben, aber eben nur wenn es an das Grundsätzliche geht, an die Grundlagen von Wirtschafts- und Währungspolitik, an die Ordnungspolitik.

Mit einer Jamaika-Koalition, würde an diesen Grundlagen wenig geändert werden, es würden nur in Nuancen ein paar Schwerpunkte verschoben. Und mit einer doch klein-grossen Koalition, würde sich erst recht nichts ändern. Insofern hat der Markt recht noch ruhig zu bleiben.

Wenn aber gar keine Koalition möglich sein sollte und Deutschland auf Instabilität und Neuwahlen zusteuern sollte, dann wird das nicht folgenlos an den Börsen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun deutlich gestiegen, das verstehen wir nun besser, als die US Investoren die vor allem in der Kategorie" Merkel denken. Dabei hat die "Rautendämmerung" mit dem gestrigen Sonntag richtig Fahrt aufgenommen.

Spannende und bewegte Zeiten liegen definitiv vor uns!

Ihr Hari

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Jens Rabe trifft Michael Schulte



Jens Rabe von - der auch hier bei surveybuilder.info Mitglied ist - hat mit mir Ende Juli in Zwickau ein Interview geführt.

2 Teile davon konnten Sie schon in seinem sehen.

Nun ist hier das komplette Video am Stück, inklusive neuer Teile, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Darin unter anderem eine Darstellung, wie ich 2008 den Lehman-Crash erlebt habe, ein Gespräch über unsere Emotionen und unser "Affenhirn", sowie eine ausführliche Sicht auf Tesla und warum ich denke, dass die Bullen und Bären da aneinander vorbei reden.

Wichtig ist noch der Hinweis, dass wir das Video ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung einfach adhoc abgedreht haben. Nichts war abgesprochen und ich wusste nicht, was Jens Rabe mich konkret fragen würden. Sie hören hier also "O-Ton frei Schnauze", so wie ich halt rede, wenn man mich fragt. 😉

Ich danke Dir Jens für einen schönen Tag in Zwickau und Ihnen wünsche ich viel Spass beim Anschauen!

Ihr Hari

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