Der neue, alte Markt – alles wie immer?

Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist doch der alte geblieben. Diesen Umstand und was das für Anleger bedeutet, will ich heute auch im freien Bereich kurz anreissen.

Gewandelt hat sich der Markt aufgrund zweier, grundlegender Entwicklungen, die in den letzten Jahren vermehrt Fahrt aufgenommen haben. Einerseits dem Aufstieg passiver Investmentvehikel wie der ETFs, andererseits dem Aufstieg des algorithmischen Handels.

Was die passiven Investmentvehikel angeht, ist deren Logik ja einfach und bestechend. Sie wollen die Bewegungen des Marktes - wie ein Beobachter an der Seitenlinie - aufnehmen und abbilden, wollen selber aber eigentlich gar keinen Einfluss nehmen.

In der idealen Welt steigt oder fällt also eine Aktie wie Apple aufgrund fundamentaler oder markttechnischer Gründe, der dazugehörige ETF, bildet das einfach passiv ab, wie ein guter, neutraler Dokumentator.

Leider funktioniert diese Theorie im reflexiven Markt nur solange, wie die Menge der passiven Investmentvehikel sehr klein und unbedeutend ist. Wir haben es hier also mit einer weiteren Variante des Beobachterproblems zu tun und sobald die ETFs selber zum Marktfaktor werden - was sie mittlerweile sind - beeinflussen sie auch direkt das Beobachtungsobjekt, die einzelnen Aktien nämlich.

Und das funktioniert so. Stellen Sie sich einen ETF auf Technologieaktien vor, den viele im Depot haben. Nun beginnt der Markt eine Baisse wie letzten Herbst und Anleger, die ihre Depots schützen wollen, verkaufen ihre Technologie-ETFs.

In diesem ETF enthalten, ist aber eine Aktie, die gerade eine neue Innovation höchst erfolgreich auf den Markt bringt und damit sensationelle Gewinne schreibt, die niemand erwartet hat. Individuelle Stockpicker kaufen diese Aktie auch massiv hoch und genau in dieser Phase beginnt der Markt zu fallen und Anleger stossen ihre ETFs ab.

Und was passiert? Wenn die ETFs nur eine Minderheit des Handelsvolumens der Aktie ausmachen, wird die Aktie weiter steigen, aber weniger steigen. Wenn aber die ETFs das Handelsvolumen der Aktie dominieren, wird die Aktie auch fallen, obwohl sie eigentlich von Stockpickern hochgekauft wird!

Je mehr ETFs also das Handelsvolumen einzelner Aktien dominieren, desto mehr steigen oder fallen alle enthaltenen Aktien unisono - ob die Aktien individuell gut oder schlecht dastehen, hat immer weniger Relevanz.

Genau das beobachten wir zunehmend und letztlich macht das den Markt ineffizienter bei der Preisfindung. Nun aber zum zweiten Faktor, dem algorithmischen Handel.

Das was man heutzutage "Algos" nennt, hat mit künstlicher Intelligenz noch herzlich wenig zu tun. Es sind einfach Methoden und Techniken, die bisher von Menschen gehandelt wurden und nun automatisch von Maschinen abgewickelt werden. Trendfolge ist ein sehr einfaches Beispiel, es gibt aber auch viele andere, komplexere Techniken.

Dadurch dass nun Maschinen das Gleiche im Markt machen wie Menschen, ändert sich erst einmal nichts, an einer wichtigen Stelle aber doch.

Denn Menschen würden Dinge in Frage stellen und auch versuchen proaktiv Bewegungen zu antizipieren. Menschen sind aber auch weniger diszipliniert und gnadenlos, als es Maschinen sein können.

Wenn also eine Sache fünfmal geklappt hat, hätte ein Mensch zunehmend Skepsis, ob es auch zum sechsten Mal funktionieren wird. Eine Maschine hat dieses Skepsis aber nicht, die machen störrisch immer weiter bei dem was Erfolg bringt, so lange, bis es eben nicht mehr funktioniert.

Auch die zunehmende Dominanz der Algorithmen im Markt, hat also einen ähnlichen Effekt wie den der ETFs. Es macht den Markt uniformer und macht in "störrischer", heisst die Flut hebt alle Boote, die Ebbe senkt alle Boote und eine Bewegung die Erfolg hat, läuft viel länger als Menschen sich vorstellen können.

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegung laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

Und das können wir auch wunderbar an den Entwicklungen der letzten Jahre festmachen. 2017 war ein ungemein störrisches Jahr, in dem der Markt jedwede negative Nachricht einfach ignoriert hat und gegen alle Logik ohne Pause hochgelaufen ist - Buy the f***ing Dip (BTFD)!

Im Herbst diesen Jahres, ist der Markt dann in eine Abwärtsbewegung gewechselt, die im Dezember in einen gnadenlosen Aberverkauf wechselte, so als ob es kein Morgen mehr geben würde - Sell the f***ing Rip (STFR)!

Und nun seit dem 26.12.18, ist der Markt wieder in einer ebenso gnadenlosen BTFD Bewegung, so als ob es nie wieder finstere Nacht geben würde:

Merken wir uns diesen Mechanismus also und passen uns an. Die Effekt ist nicht negativ für uns Menschen, sondern positiv.

Denn wenn einmal eingeschlagene Bewegungen oder Logiken länger als bisher stabil bleiben, gibt es noch weniger Grund als schon vorher, herumzuraten und Tops oder Bottoms im Vorfeld erkennen zu wollen.

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Machen wir nur einen Fehler nicht, übersetzen wir dieses störrische Verhalten nicht automatisch in so gleichförmige Bewegungen, wie wir sie aktuell haben. Wenn es Erfolg verspricht, nach einem positiven Tag immer auf einen negativen Tag zu setzen und umgedreht, werden auch diesen Mechnismus Algorithmen erkennen und ausnutzen, so lange, bis es nicht mehr funktioniert. Dann bekommen wir eine Schaukelbörse ohne Richtung, aus Sicht der Algorithmen ist aber auch das eine einheitliche Bewegung.

Dass Märkte sich wandeln, ist nichts Neues und nicht Schlimmes. Der Markt des Jahres 1970 war auch nicht vollständig mit dem des Jahres 1930 zu vergleichen. Die Essenz bleibt, die Details ändern sich, das ist der Lauf der Welt und sollte uns nicht schrecken.

Passen wir uns dem Wandel an und bekämpfen ihn nicht, das ist die Fähigkeit erfolgreicher Anleger.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Aktien die man ignorieren sollte

Es gibt eine Art von Artikel, die viele Anleger aktiv suchen. Das sind die, die ihm die Zukunft weisssagen, also was er nun kaufen soll. Und wenn das dann noch mit Trigger-Worten wie "Value" und "Buffett" gewürzt wird, dann wird dieser Anleger ganz nervös. 😉 Natürlich sind diese Weissagungen durchweg sinnlos, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn der arme Warren Buffett jede missbräuchliche Verwendung seines Namens abmahnen würde, wäre er wahrscheinlich alleine davon schon reich.

Dann gibt es aber auch die Artikel, die diesem Anleger einen finanziellen Vorteil verschaffen, so zum Beispiel weil sie verhindern, dass er einen schweren Fehler begeht. Diese Artikel sind nicht so beliebt, zumal sie oft unangenehme Wahrheiten mit sich tragen, die entgegen der eigenen Instinkte laufen. Aber es sind genau diese Artikel, von denen dieser Anleger wirklich profitieren würde.

Einen nach meiner Meinung Artikel der zweiten Kategorie, will ich nun mit Ihnen teilen, ich habe ihn im Premium-Bereich schon im März 2015 geschrieben. Es ging damals um einen Typus von Aktien, von denen ich lieber die Finger lasse und als Beispiel habe ich damals Euromicron (WKN: A1K030) benutzt. Das ist aber ausdrücklich nur ein Beispiel, der Artikel vermittelt ein Grundprinzip, das für viele derartiger Aktien gültig ist.

Bevor ich zum damaligen Artikel komme, will ich Ihnen noch den dann folgenden Chartverlauf von Euromicron zeigen, den Zeitpunkt des folgenden Artikels habe ich markiert. Dann können Sie selber sehen, was danach passiert ist und meine Worte von vor mehr als 3 Jahren daher besonders gut einordnen:

Nach dem März 2015 wurde die Aktie auch immer wieder von diversen Publikationen "empfohlen", so im Juli 2017 bei damals 8€, heute 3€. Immer "Morgen" wird die grossartige Zukunft für das sicher anbrechen, was bis dahin nie gelungen ist. Morgen aber schon! 😉

Nun lesen Sie mal, es verhindert hoffentlich ähnliche Dummheiten:

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Dienstag 24.03.15 16:40 - Aktien, die ich nicht mag - Der Fall Euromicron

Es gibt Aktien, die ich persönlich als Einzeltitel nicht mag. Und ein so ein Fall aus dieser Kategorie, liefert dafür heute perfektes Anschauungsmaterial.

Es ist Euromicron (A1K030), bei denen heute ein Bilanzskandal aufgedeckt wurde, der CEO muss gehen und die Aktie raucht um über 20% ab. Lesen Sie hier:

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Ich mag diesen Typus Aktien nicht, weil es bei denen ein Muster gibt. Und darüber will ich heute mit Ihnen sprechen. Euromicron ist dabei nur ein Beispiel, nicht mehr.

Typisch für so Aktien ist, dass diese vor allem in den bekannten Anlegerpostillen immer an die Privatanleger heran getragen werden. Zu Euromicron zum Beispiel, liest man seit Jahren immer die gleiche Geschichte davon, dass der Aktie ja "so eine grosse Zukunft" bevor stehen würde. Blöd nur, dass diese Zukunft seit Jahren irgendwo immer +12 Monate entfernt ist und nie näher kommt. 😉

Netzwerk, Datensicherheit und IT-Sicherheit hört sich ja auf den ersten Blick auch nach Wachstum an. Nur reichen die Schlagwörter halt nicht, man muss schon genauer schauen, was das Unternehmen macht und vor allem, ob es wirklich einen Wettbewerbsvorteil hat, der nachhaltiges Wachstum ermöglicht. "Me too" Lösungen braucht der Markt nämlich nicht, auch nicht bei Sicherheit und Netzwerken.

Erst am 01.03.15 hat "Finanzen" dazu den folgenden Artikel Online gestellt:

Da schreibt mal wieder jemand von "Value", weil das KBV bei 0,7 ist und fusst das Ganze auf die Aussagen und Hoffnungen des Managements bzw öffentlichen Zahlen. Sie wissen wie ich dazu stehe und in Artikeln wie -> Das Zerrbild des Value-Investing < - habe ich ausführlich dargelegt, was davon in meinen Augen zu halten ist: Nichts!

Ich hoffe, Ihnen als treue Leser ist schnell klar, wie verfehlt diese ganze Argumentation ist. Denn die könnte nur dann zutreffend sein, wenn man davon ausgeht, dass der ganze Rest des Marktes schlicht zu blöd und beschränkt ist, diese "offensichtliche Unterbewertung" aufgrund öffentlich sichtbarer Zahlen selber zu erkennen. Ein Kurswert unter dem Buchwert ist deswegen ohne tiefgehende Kenntnisse erst einmal ein Problemindikator und kein Kaufgrund!

Jetzt ist der Markt ja sehr wohl immer wieder lokal ineffizient und neigt zu Übertreibungen und auch dazu, Dinge temporär zu übersehen. Aber so "blöd", eine in den Anleger-Medien über Jahre immer wieder breit getretene Aktie permanent völlig falsch einzuschätzen - so blöd ist Mr. Market dann doch nicht!

Nein, die Realität ist, dass die geballte Intelligenz des Marktes der Euromicron gerade einmal 100 Millionen € Marktkapitalisierung zubilligt. Und da wir ja auch verstanden haben, dass der Markt Erwartungen einpreist und auch Unternehmen ohne Umsatz schon einmal ein paar Milliarden Marktkapitalisierung gewährt, wenn die Aussichten gut sind, heisst das umgedreht, dass hier niemand grosse Erwartungen hat. Ausser den Gläubigen solcher "Value-Analysen" natürlich, das sind die einzig Intelligenten im Markt. 😉

Auch zum Thema -> Marktkapitalisierung < - habe ich mich ausführlich geäussert und ich mache um so Unternehmen eine Bogen, weil wie in dem Artikel argumentiert, ist der Informationsnachteil für Anleger viel zu gross - wie wir ja heute wieder bei Euromicron sehen.

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Börsenjahr 2019 – Dem Optimismus eine Chance!

Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019, wünsche ich auch an dieser Stelle allen freien Lesern!

Seit dem letzten Artikel am 17.12. ist viel passiert und wir haben in der Community dazu auch viel besprochen. Die Grundlage eines schlechten Jahresanfangs wie beschrieben, wurde durch eine katastrophale Kommunikation des FED Chefs Powell in der Woche vor Weihnachten zerstört.

Denn die Grundlage der Vergleiche zu 2008 und 2016 war ja, dass im alten Jahr die Kurse noch zusammengehalten werden, um die Performance nicht zu versauen, dann aber im neuen Jahr das große Geld "abzuladen" beginnt.

Was aber passiert ist, ist in Folge der FED am 19.12. ein Zusammenbruch des Marktes, der mit einem Ausverkauf am Freitag vor Weihnachten und genau am Heiligabend, historische Ausmaße angenommen hatte. Je nachdem wie man rechnet, war das der schlechteste Dezember seit der großen Depression der 30er Jahre, in deren Folge dann auch Adolf Hitler an die Macht gespült wurde - oder es waren sogar die schlimmsten Börsenweihnachten überhaupt!

Damit war die Grundlage eines im alten Jahr zusammengehaltenen Marktes gar nicht da, womit uns schon vor Weihnachten klar war, dass kurzfristig eher ein Rebound anstehen würde und so ist es dann ja auch gekommen:

Klar ist nun, dass wir hier eine Situation vor uns haben, die nach einem klassischen Test der Einbruchszone bei 2.600 nachgerade schreit, der dann abgewiesen wird und zu neuen Tiefs führt. Das ist das Model das die Bären haben dürften und es ist nicht von der Hand zu weisen.

Klar ist aber auch, dass in den US alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag, einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Und klar ist daher auch, dass der US Markt mit seiner Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen ist. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Objektiv deutet in den US weiter wenig auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist nicht ungewöhnlich, der Aktienmarkt hat immer schon 9 der letzten 5 Rezessionen vorher gesagt, man sollte sich das aber klarmachen. Und genau deshalb, ist eine positive Überraschung hier wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Ich will hier im freien Bereich die taktische Diskussion um das was die kommenden Woche ansteht und wie sich das auf die Kurse auswirkt, gar nicht führen. Wie das Jahr wird, weiss sowieso niemand und man kann bestenfalls die Entwicklung der kommenden Wochen richtig einschätzen. Und wenn wir das wieder wie so oft hinbekommen, ist das das Maximum was möglich ist. Man fliegt eben auf Sicht, aber gute Sicht kann schon einen Vorteil verschaffen.

Ich will hier stattdessen das ganz große Bild betrachten, wie es sich für langfristigen Investoren darstellt. Viele Anleger haben ja in den letzten Jahren immer gesagt, dass sie dann bei der nächsten Korrektur endlich einsteigen würden.

Ich habe mich darüber immer lustig gemacht, weil die Erfahrung sagt, dass die die in den letzten Jahren immer gezögert haben, es in der Korrektur erst recht nicht können, weil dann die Nachrichtenlage so negativ ist. Dann wird wieder gezögert und am Ende passiert das Gleiche wie 2009 oder 2013 oder 2016, man wartet auf den "ganz großen Crash", der aber dummerweise statistisch nur alle paar Jahrzehnte mal kommt, der letzte liegt jetzt 10 Jahre zurück.

Schauen wir doch mal, wo wir in 2019 nun stehen:

  • Kann diese Korrektur sich ausweiten, der S&P500 bis zur 2016er Ausbruchzone fallen und damit 30-40% korrigieren? Eindeutig ja!
  • Kann der DAX wieder vierstellig werden? Eindeutig ja!
  • Kann eine Einigung zwischen US und China scheitern und ein heißer Handelskrieg entstehen? Eindeutig ja!
  • Kann Italien zu einem Bruch der Eurozone führen? Eindeutig ja!
  • Kann die Konjunktur in Deutschland als Folge einer Mischung von gesellschaftlicher Larmoyanz und Selbstverstümmelung endgültig in eine Rezession abkippen? Eindeutig ja!
  • Können die Probleme mit Krediten in den Emerging Markets sich zu einer neuen Kreditkrise ausweiten? Eindeutig ja!

Und so weiter, ich könnte mit anderen Themen weitermachen. Das alleine sagt uns aber gar nichts, denn diese Aussagen hätte ich auch vor 2 Jahren am Anfang von 2017 mehr oder weniger so machen können und Sie wissen ja, wie gnadenlos die Börsen in 2017 hoch geschoben haben.

Entscheidend ist nicht, dass diese Risiken existieren, entscheidend ist wie wahrscheinlich sie sind und wie viel davon schon im Markt eingebacken ist!

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Jahresanfang 2019 – historische Parallelen?

Der Markt konnte sich bisher selbst zu einer schwächlichen Jahresend-Rally nicht mehr aufraffen, was für diese Jahreszeit schon extrem ungewöhnlich ist.

Bis vor 2 Wochen war die Welt noch halbwegs in Ordnung und das Modell einer begrenzten Korrektur mit traditionell starkem Jahresende, bei der Mehrheit zurecht dominant. Erst der massive Absturz am Dienstag vor 2 Wochen, hat diese positive Interpretation negiert und die Stimmung allgemein massiv nach unten gedrückt.

In dieser nun laufenden KW51 besteht durchaus eine Chance auf Stärke, weil die FED am Mittwoch als Katalysator existiert und die Stimmung allgemein sehr negativ geworden ist. Wenn ein überverkaufter Marktzustand auf die FED trifft, schafft das in einem normalen Markt in der Regel eine positive Mischung.

Aber ist das noch ein "normaler" Markt? Und selbst wenn der S&P500 diese Woche doch noch zur Jahresende-Rally antritt und dem großen Einbruch noch einmal im letzten Moment von der Schippe springt, dürfte er zum Jahresende bestenfalls in der Range von 2.820 bis 2.600 bleiben, neue Hochs und ein Ende der Korrektur, sind für 2018 wohl eher vom Tisch.

Selbst aber wenn der Index nun noch einmal 10% korrigiert und in den Bereich von 2.400 eintritt, was nun sehr gut denkbär wäre, wäre der langfristige Aufwärtstrend noch intakt und das Geschehen müsste als üble, aber notwendige Bereinigung eines zu guten Jahres 2017 gewertet werden:

Wir alle würden gerne wissen, wie das in 2019 weiter geht, nur leider hat niemand eine Glaskugel, gerade die nicht, die am lautesten mit Prognosen um sich werfen.

Für 2018, waren die DAX-Prognosen der Analysten der Banken mal wieder völlig falsch, wie schon für 2017, warum bitte, soll man da für 2019 auch nur eine Sekunde darüber nachdenken?

Schauen Sie , kein Einziger der "Prognostiker" hat auch nur ansatzweise den aktuellen DAX-Stand auf dem Radar gehabt, alle waren zu optmistisch. Und waren alle zu pessimistisch, der DAX Stand Ende 2017 war 12.918.

Würde man eine Horde Affen mit Dartpfeilen auf ein Ziel mit Markierungen zwischen 10.000 und 15.000 werfen lassen, wäre die Trefferquote wahrscheinlich deutlich höher. 😛

Wir sehen was diese "Prognosen" sind, Fortschreibungen der Gegenwart, die kein Profi ernst nimmt. Diese werden nach meinem Eindruck geschrieben, um Otto Normalanlegers fatales Bedürfnis nach Führung zu befriedigen und sich als Bank ins Gespräch zu bringen. Auch außerhalb der Banken hatte kaum jemand diese massive Schwäche im Herbst auf dem Radar, auch ich in diesem Ausmass nicht. Aber ich behaupte auch nicht den Schlussstand des Folgejahres prognostizieren zu können, da liegt der Unterschied.

Aber, wir sind nicht völlig blind. Denn wenn man seine Zeit nicht mit solchen Prognosen vergeudet, sondern nach Mustern in der Marktmechanik sucht, wird man gerade um den Jahreswechsel fündig. Da gibt es viele Muster die immer wiederkehren, das "Window-Dressing" zum Jahresende ist dabei einer der bekanntesten Faktoren. Und von diesen Mustern kann man einiges ableiten.

2018 ist dabei besonders spannend, weil wir - wenn nicht noch ein Weihnachtswunder passiert - weit ab von den Höchstständen schliessen werden und die Jahresendrally bestenfalls schwach war und schlimmstenfalls ganz fehlte.

Was bedeutet das für den Jahresanfang?

Oft nichts Gutes. Bis zum Jahresende werden die Börsen oft noch zusammengehalten, weil sich die großen Markt-Elefanten ihre Jahresperformance - an der auch Boni hängen - nicht völlig versauen lassen wollen. Am Anfang des neuen Jahres, kann dann nach schwachen Jahren aber das Großreinemachen losgehen und Hedge-Funds werden liquidiert, die nicht performt haben.

Während nach starken Jahren der Jahresanfang also gerne Stärke bringt, weil jeder im Sinne "neues Spiel neues Glück" sich wieder einkaufen will, wird es nach schwachen Vorjahren und einem schwachen Jahresabschluss gerne gefährlich.

Sie wollen einen Beleg dafür? Nun schauen Sie auf die letzten 12 Jahre, da hatten wir fast immer ein starkes Jahresende und dann einen brauchbaren Start ins neue Jahr. Aber es gab zwei Jahre mit schwachem Jahresabschluss, als die Jahresendrally faktisch ausgefallen ist - wie möglicherweise 2018, noch hat das Jahr ja 2 Wochen um was gut zu machen.

Und das waren 2007 und 2015 und hier ist, was danach passierte:

Ich denke das ist eindrucksvoll und eindrücklich.

Gerade wenn jetzt mit der FED doch noch späte Stärke kommt, hätten wir eine Replik dieser Vorjahre, eine schwache Jahresendrally mit Risiko, dass es zum Jahresanfang richtig zu rappeln beginnt.

Und für dieses "Rappeln" gibt es auch objektive Gründe, es dürfte in diesem schwierigen Jahr einige institutionelle Anleger, insbesondere Hedge-Fonds, "erwischt" haben, die dann in 2019 abgewickelt werden und das ist selten gut für einen Markt.

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Was ist ein gleitender Durchschnitt?


surveybuilder.info liefert tägliche Aktualität, Hintergründe und Ausblicke, wir besprechen langfristige Investments ebenso wie Trades und tauschen uns in Foren und Community aus. Und das mehrmals börsentäglich.

surveybuilder.info erklärt aber auch Grundlagen, ja auch die absoluten Basics für jeden Anleger. Und das auf eine Art und Weise, die die theoretischen Konstrukte am Beispiel erlebbar macht.

Hier ist ein Beispiel eines solchen Artikels von Anfang Oktober, in dem die absoluten Grundlagen zu gleitenden Durchschnitten vermittelt werden.

Sie wissen das alles schon? Bestimmt, aber lesen Sie trotzdem mal, vielleicht bringt die Darstellung im Gesamtkontext Sie ja doch auf den einen oder anderen Gedanken.

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Was ein Durchschnitt ist, wissen Sie sicher. Man nehme X Zahlen, addiere diese zusammen und teile die Summe durch X. Und schon hat man den ungewichteten Durchschnitt der Zahlen. Wenn man jetzt einzelne der Zahlen nach irgend einer Logik noch höher gewichtet als andere, bekommt man einen gewichteten Durchschnitt.

Beim Kursverlauf an der Börse ist es ganz ähnlich. Addieren wir die letzten 20 Schlusskurse der letzten 20 Tage und teilen diese Summe durch 20, dann wir haben einen Durchschnitt gebildet. Und wenn wir das nun für jeden Tag machen, jeweils immer für die letzten 20 Tage, dann haben wir einen gleitenden Durchschnitt gebildet, auch *Simple Moving Average* oder *SMA* genannt.

So einfach ist das, hier ist der SMA20 in blau im Chart des S&P500 zur Zeit der Lehman-Krise dargestellt. Dieses und die folgenden Charts sind übrigens zur Vergrößerung klickbar:

Dieser 20er-gleitende-Durchschnitt glättet also den Kursverlauf, weil er jeweils die letzten 20 Zeitpunkte zusammenfasst und daraus einen Durchschnitt bildet. Diese Durchschnittspunkte werden verbunden und fertig ist die Linie des 20er SMA!

Bevor ich hier weiter mache, will ich mit einer Fehlkonzeption aufräumen, die mancher vielleicht hat und die fatal ist, weil sie zu völlig falschen Schlußfolgerungen führt. Denn wenn wir die Durchschnittsgröße von 20 Äpfeln bilden, ist es naheliegender Weise ein "Apfeldurchschnitt". Wenn wir aber die Durchschnittsgröße von 20 Birnen bilden, ist es ein "Birnen-Durchschnitt" und eben *kein* "Apfel-Durchschnitt".

Und auch bei Charts bezieht sich ein gleitender Durchschnitt daher *immer* auf die Dimension des Charts. Wenn im Chart ein Punkt oder eine Kerze pro Tag dargestellt wird, ist es ein 20-Tage-Durchschnitt, auch 20-Tage-Linie genannt. Wenn es aber ein Chart wie oben mit Wochenkerzen ist, ist es ein 20-Wochen-Durchschnitt, bzw eine 20-Wochen-Linie, wenn man die Punkte miteinander verbindet!

Wer also in einem Chart mit Wochenkerzen eine 200-Tage-Linie darstellen will, sollte sich daran erinnern, dass die meisten Handelswochen 5 Handelstage haben und weiss dann, dass eine 40-Wochen-Linie näherungsweise einer 200-Tage-Linie entsprechen muss, weil eben 40*5=200 ist.

Nun zurück zum obigen Chart, das also die 20-Wochen-Linie im Sinne des einfachen gleitenden Durchschnitts - des SMA20 - darstellt.

Wenn wir uns klar machen, was ein Durchschnitt der letzten 20 Zahlen bedeutet, dann ist klar, dass der Durchschnitt dann exakt auf dem Niveau der letzten (aktuellen) Zahl stehen wird, wenn es in den 20 Punkten vorher keine große Bewegung gab und diese nur um die letzte Zahl herum fluktuiert sind.

Im Chart wäre das ein Kursverlauf seitwärts, der in den letzten 20 Punkten (hier Wochen) wenig direktionale Bewegung hatte. Genau diesen Fall sehen wir Ende 2007 im Chart mit "SMA auf Kurs" bezeichnet, als der Markt 2007 kurz vor Weihnachten noch durch Window-Dressing zusammen gehalten wurde.

Wenn aber eine starke Bewegung einsetzt, wenn also die 20 Punkte vor dem aktuellen Tag immer tiefer oder höher gegangen sind, *muss* der gleitende Durchschnitt zwangsläufig immer *nachlaufen*, weil der Durchschnitt logischerweise in Richtung des Trends höher (bei fallendem Trend) oder tiefer (bei steigendem Trend) sein muss.

Diesen Effekt sehen wir im Chart im November 2008 und im August 2009, als wir jeweils starke direktionale Bewegungen hatten und der gleitende Durchschnitt daher zwangsläufig immer nachlaufen muss.

Was zeigt uns also ein gleitender Durchschnitt? Ganz trivial, den geglätteten Kursverlauf. Und die Glättung wird umso stärker, je länger man den Bereich der Durchschnittsbildung macht. Ein SMA50 ist also deutlich stärker geglättet als ein SMA20.

Fertig, mehr "Geheimnis" gibt es erst einmal nicht. Wenn Sie das verstanden haben, haben Sie auch sofort verstanden, worin der Sinn eines gleitenden Durchschnitts liegt. Denn wir erleben doch gerade derzeit wieder, wie der Markt mal einen Tag steigt und einen Tag fällt und am Ende nicht viel passiert. Und wenn wir langfristig agieren, dann wollen wir uns doch von diesem Hin- und Her nicht verrückt machen lassen.

Genau hier liegt der Sinn einer Darstellung eines SMA, wenn man daran sein Handeln ausrichtet. Wenn wir nur dann agieren, wenn der SMA ein Signal liefert und *nicht* auf jeder Zuckung im Verlauf, dann glätten wir genau dieses unnötige Geschaukel und bekommen eine ruhigere Hand.

Und so ein Signal kann in beide Richtungen gehen, es kann ein Ausstiegssignal sein, oder ein Einstiegssignal. Gerade bei bekannten Durchschnitten wie der 50-Tages-Linie zum Beispiel, laufen nach oben trendende Aktien mit denen gerne oberhalb synchron, so dass ein touchieren der Linie ein Kaufsignal sein kann.

Konkret gesagt, ist das Agieren auf Basis des SMA also ein ideales Tools für Investoren, die eine ruhige Hand suchen und sich nicht vorschnell verrückt machen lassen wollen.

Wie lange man glättet, entscheidet dann darüber, wie stark man temporäre Dellen aussitzen will, aber damit auch, wie viel "Verspätung" man bei echten Abwärtsbewegungen hat.

Fügen wir zu obigem Chart doch mal den SMA50 in Rot hinzu, dann sehen wir schnell, dass dieser später zu fallen beginnt und viel später erst den Tiefpunkt erreicht:

Weiterlesen ...Was ist ein gleitender Durchschnitt?

Einen Schritt weiter

Wir haben Sonntag Mittag und die Nachrichten vom G20 Gipfel vom sind noch nicht alt.

Letzte Woche Montag habe ich Ihnen hier unter dem Titel -> Jetzt oder Nie <- dargestellt, dass der US Markt an der Klippe zu einem mittelfristigen Bärenmarkt stand. Es hätte nicht viel gefehlt diesen abstürzen zu lassen und für die Bullen war es eine Situation, in der sie entweder in den Ring steigen mussten oder sozusagen für immer schweigen.

Es gibt ja den netten Spruch "Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter" und genau so ist es gekommen, nur dass die Bullen eine 180 Grad Wende vom Abgrund weg erzwungen haben, auf den letzten Drücker sozusagen.

Ja, die Bullen sind in den Ring gestiegen und das massiv, sie hatten aber auch eine Menge Feuerunterstützung. Letzte Woche Montag und Dienstag hat der Markt sich schon aus eigener Kraft hoch gerobbt, aber eine Rede des FED Chefs am Mittwoch Abend um 18 Uhr MEZ stand aus, die wir hier in der Community auch aufmerksam erwartet haben. Schon wenige Minuten danach, das Redemanuskript war verteilt, war klar was das bedeutete, eine massive Rally nämlich.

Denn Powell hatte seine Aussagen von Anfang Oktober wieder eingefangen, die damals deutlich am Einbruch mitgewirkt hatte. Damals sagte er: "long way below neutral." was das Niveau der Zinsen anging. Das musste man als einen steilen Zinspfad interpretieren, der Markt hatte damit für 2019 3 Erhöhungen eingepreist und hatte Sorgen entwickelt, dass die FED eine heran kriechende Rezession übersieht und überzieht.

Mit dem "just below neutral" von Mittwoch 18 Uhr, veränderte Powell den Ton erheblich und es gibt für den Markt nichts Mächtigeres, als eine Notenbank die auf die Taubenseite wechselt. Denn "neutral" heisst die Zinsen sind fast OK und den Rest sieht man dann "data dependent".

Das löste eine deutliche Rally in den US Indizes aus, die Donnerstag und Freitag bestätigt wurde. Und nun haben wir ein zweites Positivum, der obige, temporäre Waffenstillstand stellt das Optimum dar, das man realistisch erwarten konnte.

Niemand mit Verstand hat eine echte Einigung erwartet, das geht bei dem komplexen und vielschichtigen Thema schlicht nicht. Auf den Pfad des Dialogs zurück zu kehren und die Ultimaten abzuschwächen und mehr Zeit zu kaufen, ist daher das Beste was man vom Gipfel erwarten konnte.

Wir können davon ausgehen, dass der Markt das am Montag wohlwollend aufnehmen wird, denn der hatte durchaus noch Angst vor einer Eskalation. Wirklich gelöst ist durch die Verschiebung aber auch nichts, auch das wird der Markt verstehen, aber ein versöhnlicher Jahresabschluss in den US Märkten scheint nun sehr wahrscheinlich.

Im S&P500 können wir damit rechnen, dass die hier gezeigte, altuelle Ausgangslage, nach oben aufgelöst wird und am Montag der untere Lila Pfeil erobert, sowie der obere Lila Pfeil angelaufen wird:

Ich hatte Ihnen dazu schon am Freitag geschrieben:

So, direkt unter dem 200er SMA, sieht ein Index aus, der sich auf eine Party mit Tanz vorbereitet, aber noch nicht sicher ist, ob er nicht doch schnell zum Notausgang muss, weil der Tanzpartner zu hässlich ist.

Diese Sorge um einen hässlichen Tanzpartner dürfte nun weg sein, eine Auflösung nach oben in der kommenden Woche wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist am Montag eine Bewegung bis zum zweiten Lila Pfeil, der Nackenlinie - und danach sieht man weiter.

Und falls der unwahrscheinliche Fall eintritt und der Markt diese Vorlage nun nicht zur Rally nutzen kann, sollte man das als tiefrotes Alarmsignal betrachten, denn ein Markt der nicht tut was er sollte, ist ein gefährlicher.

Wenn Sie genauer wissen wollen was das alles bedeutet, denn die kommende Woche ist voller Ereignisse, sollten Sie zu uns dazu stossen. Hier im freien Bereich biete ich Ihnen bewusst nur einen oberflächlichen Teaser, denn ich gehöre nicht zur Fraktion die Klicks hinterher jagt, ich schreibe für Menschen, denen surveybuilder.info etwas wert ist.

Die kommende Woche bietet die für den DAX wichtige Sitzung der deutschen Autobauer bei Trump, sie bietet allerlei Notenbankreden und am Ende die wichtigen US Arbeitsmarktdaten. Insofern wird es auch nachdem der Markt den G20 Gipfel verarbeitet hat, diese Woche genügend spannende Entwicklungen geben. Und wir werden eine Menge Aktien besprechen, die in der Korrektur besonders vom Handelskonflikt und den Sorgen um China betroffen waren und daher nun besondere Chancen bieten.

Denn auch wenn wir immer noch nicht wissen, ob der Bullenmarkt sich mittel- und langfristig noch fortsetzt, oder wir nun schon in einer Topbildung sind, die mit einem niedrigeren Hoch als Ergebnis dieses Rebounds auslaufen wird, für uns ist jetzt einfach wichtig, dass die kommenden Wochen bis zum Jahresende kurzfristige Chancen bieten, alles weitere sieht man dann, einen Schritt nach dem anderen.

Achja, bevor ich es vergesse, wir bekommen durch den Tod des 41. Präsidenten George H. W. Bush am Mittwoch überraschend einen handelsfreien Tag in den US, der allerlei Termine durcheinander werfen wird.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Jetzt oder Nie!

Eine Frage liegt natürlich an den Märkten in der Luft, die Frage nach der Jahresendrally bzw als Alternative der großen Topbildung.

Wer mir hier schon länger seit 2012 folgt weiss, dass ich vorschnellen Crash-Propheten immer eine klare Absage erteilt habe, selbst hier im freien Bereich war das überdeutlich. Als wir Anfang 2016 korrigierten, habe ich eine grössere Baisse nicht ernsthaft in Erwägung gezogen und das als kaufbare Korrektur betrachtet. Als Trump vor 2 Jahren gewählt wurde, habe ich schnell die Rallychance darin gesehen. Und als diesen Februar die Märkte einknickten, habe ich auch das als kaufbare Korrektur betrachtet und die Chance im Rebound gesucht.

Eigentlich habe ich diesem Markt und den dahinter stehenden Treibern seit 2011 getraut. 2011 im Zuge der Eurokrise war das letzte Jahr, in dem ich ernsthafte Sorgen um den Markt hatte und etwaige Schwäche nicht als normale Korrektur betrachtet habe. Danach begann ja auch die Geld-Expansion der Notenbanken, es war also gar nicht so schwer diese bullische Haltung einzunehmen. Dass unzählige Crash-Propheten in all den Jahren trotzdem die Depots ihrer Jünger zerstört haben, beweist ja nur wie sinnlos und nur auf Klicks ausgerichtet, diese permanente Angstmache ist.

Als der US-Markt Anfang Oktober diesen Jahres erste Risse in der ruhigen Oberfläche zeigte, habe ich auch das gesehen und wir haben uns in der Community darauf vorbereitet. Es war schon Anfang September völlig klar, dass -> entweder das Eine fallen oder das Andere steigen muss < -. Und da die anderen Märkte eben nicht stiegen, mussten die US Märkte auch früher oder später fallen.

Dass die Oktober-Korrektur kam, war also erwartbar, genau genommen seit dem Sommer überfällig und hat sich sogar konkret in den Tagen Ende September / Anfang Oktober angekündigt. Zu dem Zeitpunkt war aber auch mein Modell das einer weiter kaufbaren, gesunden Korrektur, die dann zum Jahresende von Stärke abgelöst wird.

So bliebt das auch lange und das Marktverhalten passte. Wir hatten am 29.10. ein schönes Tief auf den Niveaus des Frühjahres und haben unter Volumen gedreht. Am 07.11. haben wir im Zuge der US-Zwischenwahl die Zwischenhochs von Mitte Oktober wieder erreicht und haben begonnen eine schöne Wendeformation zu bilden, die ich in Lila skizziert habe.

Bis dahin war eigentlich noch alles in Butter und das Modell der kaufbaren Korrektur dominant. Wenn die Bullen jetzt in den Ring steigen und kaufen würden, hätte man zum Jahresende weiter optimistisch sein können.

Haben Sie aber nicht. Definitiv nicht! Stattdessen gab es diverse sehr negative Tage, die nun zu einem vollen Retest der Tiefs vom 29.10. geführt haben. Gerade die letzte Woche war bezeichnend, die Thanksgiving-Woche hat eigentlich historisch einen hervorragenden Trackrecord für Stärke, was wir bekamen, war aber ein jämmerliches Abwärtsgebrösel, wie ich es in dieser Woche schon lange nicht mehr erlebt habe,

Das Ganze ging einher mit einer dramatischen Verschlechterung der Marktmechanik, die letzten 2 Wochen zeigten mehrere Tage mit echtem Bärenmarktverhalten, in denen jedweder Rallyversuch gnadenlos abgeschnitten wurde.

Gleichzeitig verschlechterten sich auch andere Indikatoren und einige Warnzeichen traten an die Oberfläche, nicht irgendwelche dubiosen "Omens", sondern ernst zu nehmende Indikatoren wie beispielsweise ein merkbarer Anstieg der Yields bei wackeligen Hochzinsanleihen.

Das waren alles Dinge, die man auf der "rechten Schulter" einer Wendeformation nicht sehen wollte und schon gar nicht in einer traditionell starken Marktphase kurz vor Weihnachten. Und es waren alles Dinge, denen keine großen Neuigkeiten gegenüber standen, vielmehr war durch die US-Wahlen gerade ein Unsicherheitsfaktor abgeräumt worden und selbst die FED hat vor ca. 10 Tagen leicht zu blinzeln begonnen.

Trotzdem konnte der Markt keine Stärke entwickeln. Das war bemerkenswert und völlig anders als in allen Korrekturen der letzten Jahre zuvor. Egal ob Flash Crash am 24.08.15, die Korrektur zum 2016er Jahresanfang oder der Brexit; Schwäche wurde gekauft, wenn der Markt irgendwann technisch überverkauft war. Die bullischen Kräfte waren immer dominant, in diesem November 2018 sind sie es nicht mehr und das darf man nicht übersehen!

Und wenn ein Markt nach langer Korrektur keinen Rebound zusammen bekommen kann - auch nicht an den Stellen, wo der Rebound normalerweise zuverlässig kommen würde - dann ist das ein sehr gefährlicher Markt geworden!

Das alles und viele Details, die ich in meinen vielen täglichen Artikeln bespreche, haben meine Sicht in den letzten 2 Wochen erheblich verdüstert. Auch das Sentiment ist immer noch viel zu gelassen, so richtig rechnet weiter niemand mit fortgesetzten Schmerzen.

Und so stehen wir nun am Anfang dieser Woche vor einem "Jetzt oder Nie" Moment. Entweder die Bullen steigen jetzt hier in den Ring und erzwingen den Doppelboden, oder weit grösseres Ungemach liegt vor uns!

Der Unterschied zwischen einer normalen 10% "Feld-Wald-und-Wiesen-Korrektur" und einem echten, mittelfristigen Bärenmarkt, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden, optisch sichtbar gemacht, an der Frage eines Doppelbodens im S&P500 oder nicht.

Spätestens das nervös erwartete Treffen Trump-Xi beim G20 Gipfel am nächsten Wochenende, dürfte hier die Entscheidung herbeiführen. Wenn das ohne Konsens und im Streit zu Ende geht, werden die Ängste um den Handelskrieg und eine weltweite Rezession noch einmal erheblich nach oben schnellen und den S&P500 wohl von hier einbrechen lassen. Über das Risiko Italiens müssen wir dabei dann gar nicht reden.

Zum ersten Mal seit 2011 - nicht 2016 und nicht dieses Frühjahr, aber diesen Spätherbst 2018 - halte ich das Risiko, dass der Markt über eine normale Korrektur hinaus ernsthaft einbricht und wir auch aus langfristiger Investmentsicht in einen Bärenmarkt eintreten, für so signifikant, dass wir uns damit auseinandersetzen und davor schützen müssen. Es ist Zeit für die Bullen, jetzt oder nie!

Aber noch schlimmer als nur weitere Abgaben, der Markt wirkt so angeschlagen, dass wenn er markant durch die Tiefs von Oktober durchfallen würde, sogar eine abstrakte Crash-Gefahr existieren würde. Denn Crashs kommen nicht aus dem Nichts, wenn ein Markt gerade neue Hochs erklimmt, ist das Risiko praktisch Null. Crashs treten dann auf, wenn ein schwacher Markt schon fällt und in den freien Fall übergeht, weil unten die Sicherungen heraus fallen.

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Das neue Phone ist die Watch

Der folgende Artikel ist von kleinen redaktionellen Änderungen abgesehen, so schon vor 2 Monaten im Premium Bereich erschienen.

Vor 2 Monaten hat ja Apple seine neuen Smartphones vorgestellt und schnell war die Presse voll mit den Berichten zum .

Auch aktuell gehen ja mal wieder Sorgen um Apples Absatzzahlen um, weil es Berichte von schlechten Zahlen von Zulieferern beim iPhone Xr gibt.

Nun sind ja bekanntermaßen "Prognosen besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen", aber diese Prognose vom gesättigten Smartphone-Markt wird ja nun so stark überall herumgereicht, dass sie einfach richtig sein muss. Millionen Lemmingen können sich doch nicht irren, oder doch? 😉

Nun, dieser etwas spitze Satz zeigt schon, dass ich da eine ganz andere Sicht habe und diese Sicht möchte mit Ihnen nun auch im freien Bereich teilen.

Ich erlaube mir also einen Blick in unsere Zukunft 5-10 Jahre von jetzt und bin gespannt, ob Sie diesen Blick teilen können. Wenn ja, wenn ich im Kern richtig liege, eröffnet das nämlich eine ganze Reihe hoch attraktiver Investitionschancen, wir müssen nur auf die richtigen Themen schauen.

Bevor ich meine Erwartung mit Ihnen teile, möchte ich Sie aber bitten den folgenden Artikel zu lesen: . Denn dieser Artikel ragte vor 2 Monaten für mich aus einem Meer des immer gleichen Geschreibsels heraus, da hatte ich mal das Gefühl, dass ein Redakteur das eigene Hirn angeschaltet hat, statt nur die immer gleichen Standardsätze von Reuters abzuschreiben.

Aber der Autor geht in meinen Augen nicht konsequent und weit genug und das will ich nun tun.

Smartphones heißen Smartphones, weil sie ursprünglich um die Funktion des Telefonierens, also den kommunikativen Kontakt, herum gebaut wurden - was Videotelefonie durchaus einschliesst. Heute schon sind "Smartphones" aber viel mehr, es sind eigentlich kleine, mobile Computer und auch leistungsfähige Spiele kommen mit der aktuellen Generation endlich in Reichweite, siehe unter anderem das gezielt für IOS und Android entwickelt wurde.

Diese Entwicklung wird massiv fortschreiten und sich weiter beschleunigen und mit zwei weiteren, schon weit fortgeschrittenen Entwicklungen, vermutlich zu einer disruptiven Veränderung der Welt der "Personal Computer" führen. Einer Veränderung, die so in aller Schärfe die Mehrheit wohl noch nicht auf dem Radar hat.

Gemeint ist damit erstens die digitale Übertragung von Bildschirmsignalen über kurze Strecken per Funk. Schon heute , das Thema ist aber noch nicht standardisiert und leistungsfähig genug - das wird aber kommen.

In der Zukunft braucht es also keine feste Verbindung zwischen Computer und Display mehr wie beim klassischen Notebook, sondern ein mobiler Computer - heute "Smartphone" genannt - kann über kurze Strecke auf jedem Riesendisplay seine Inhalte anzeigen - ohne Kabel.

Zweitens ist es die fortschreitende Spracheingabe, sowie die Möglichkeit Fingerbewegungen im 3D-Raum zu erkennen, die die Verwendung von mechanischen Tastaturen zunehmend zurückdrängen und bis auf Spezialanwendungen und Vielschreiber wie mich, wohl ablösen wird.

Beides zusammen führt zu folgender ersten Behauptung:

In gut 10 Jahren von jetzt, wird es kaum mehr klassische PCs mit ihren großen Gehäusen und kaum mehr klassische Notebooks geben. Das was wir heute "Computer" nennen, wird weitgehend ausgestorben sein.

An diese Stelle treten "Persönliche Smartdevices" im Formfaktor heutiger Smartphones mit eigenem Display, die sich mit jedem größeren Display oder wahlweise Datenbrillen per Kurzstrecken-Funk verbinden lassen, wenn man mehr Übersichtlichkeit bei der professionellen Arbeit erzielen will.

Die Eingabe erfolgt dabei je nach Anwendungsfall per Spracheingabe oder via eingeblendeter Tastatur, auf der man "in der Luft" tippt - die 3D-Technik die heute rudimentär für "Face-ID" verwendet wird, wird die Fingerbewegungen in Tastendrücke umwandeln.

Das was Sie heute "Smartphone" nennen, wird also ein noch viel leistungsfähigerer Computer sein, den Sie irgendwo hinlegen und mit einem optischen Darstellungsdevice Ihrer Wahl damit arbeiten. Keine Kabel, keine Mäuse, keine Tasturen. Sprache und Fingergesten "in der Luft" oder auf einer beliebigen, gescannten Oberfläche, die dann wie eine Maus funktionieren.

Nun werden einige einwenden, dass die leistungsfähigsten Grafiklösungen immer ein Kühlungsproblem haben, und daher nie im Formfaktor "Smartphone" sein werden. Das Argument zieht aber in meinen Augen nicht. Erstens ist es ja schon heute so, dass wir nur über ein paar Jahre Fortschritt reden, bis das was gestern noch aktiv mit Lüftern gekühlt in zwei Slots eines PCs thronte, in gleicher Leistung in einem Smartphone zu finden ist. Schauen Sie sich die Leistungsfähigkeit der Grafikeinheiten der iPhone Xs an, das ist beeindruckend und kann problemlos in den Wettbewerb mit großen Grafikkarten treten, die nun einige Jahre alt sind.

Hinzu kommt aber, dass die Not für mehr Grafikleistung mMn langsam abflachen wird, weil mehr als 4K für das menschliche Auge sowieso keinen Unterschied mehr macht. Sicher dann wird 3D kommen und andere Themen wie aktuell Raytracing, aber ich gehe schon davon aus, dass der Vorsprung "aktiv gekühlter" Grafikeinheiten mit immer kleineren Produktionsverfahren langsam schwindet und letztlich kein Kaufkriteríum für normale Consumer-Anwendungen mehr darstellen wird. Nur noch Spezialanwendungen werden einen aktiv gekühlten Chip benötigen.

In dieser Welt in 10 Jahren sind "Computer" also mobile Schnittstellen zur Dateneingabe und Ausgabe im Smartphone-Formfaktor, mit genügend Leistungskraft für alles, was ein normaler Anwender braucht. Unser "Notebook", unseren "PC" werden wir also immer "am Mann" in der Jackentasche haben können und damit weit flexibler sein als heute.

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