Hari´s Märkte am Abend – 12.03.12 – Continental, Klöckner, VW, Tesla, Ceradyne

21 Uhr - Handelsschluss

Da die USA gestern schon auf Sommerzeit umgestellt haben, wir das aber erst in 2 Wochen machen, beginnt die Wallstreet für die nächsten zwei Wochen schon um 14.30 MEZ und endet um 21.00 MEZ.

Zum Markt gibt es heute wenig zu sagen. Wir schwanken im Band von DAX 6850 - 6900 ziellos hin und her. Der Markt weiss nicht so richtig, was er jetzt machen soll.

Wie ich schon am Freitag schrieb, empfinde ich die Situation nun als markttechnisch zunehmend zweifelhaft. Denn wenn wir es nun in den kommenden Tagen nicht schaffen zu neuen Höchstständen oberhalb DAX 6960 aufzubrechen - also bis zur 7000er Marke und darüber hinaus, dürfte diese Unfähigkeit als Schwäche bzw Topbildung interpretiert werden und dafür sorgen, dass die ersten Profis auf den Verkaufsknopf drücken. Wenn derartige Verkäufe der "Big Boys" auf einen unsicheren Markt treffen, erzeugt das eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Dann würden wir die wirkliche Korrektur erst noch bekommen. Und falls das passiert, erwarte ich nicht, dass der Markt bei DAX 6650 halt macht, dann geht es wohl tiefer runter - Ziel ist dann DAX 6400. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Markt würde auch so eine Korrektur nichts ändern, im Gegenteil. Aber wenn ich es vermeiden kann, will ich einer solchen Korrektur gerne aus dem Weg gehen.

Insofern sollten die Bullen nun möglichst bald zu neuen Höchstständen laufen um ein solches Szenario zu negieren und den Trend der höheren Hochs wieder in Gang zu setzen. Gelingt das nicht bald, werde ich das erste Mal in diesem Jahr überhaupt auf Defensive schalten. Aber noch haben die Bullen alle Chancen, sie müssen jetzt aber mal wieder Flagge zeigen. Warten wir einfach ab, was Morgen geht. Zuletzt waren die Dienstage im Sinne "Turnaround Tuesday" oft für eine Wende gut.

Was Einzelaktien angeht, steigt die hier mehrfach besprochene Continental (WKN 543900) heute dank guter Aussichten und eines guten Analystenkommentars um erneute 3%. Wie schon festgestellt, hat die Aktie einen "Lauf" und das nicht ohne Grund, denn da passt derzeit alles. Mittlerweile steht die Aktie kurz davor die Hochs von Juni letzten Jahres zu erklimmen, weswegen nun kurzfristig eine Absicherung sicher nicht schaden kann, denn auch Conti wird mal wieder eine Korrektur erleben. Mittelfristig sollten diese Hochs von 2011 aber kein Problem darstellen und ich kann mir bei Conti bis Jahresende durchaus Kurse um 90€ vorstellen.

Auffällig ist auch Klöckner (WKN KC0100), die trotz schwacher Stahlwerte heute nur minimal abgaben. Für mich sieht Klöckner so aus, als ob ein Boden gefunden wurde und das potentielle Downside damit sehr begrenzt ist. Nach oben ist die Aktie im Wartestand. Sobald hier aber die erste positive Nachricht kommen sollte - was aber durchaus noch Wochen oder sogar Monate dauern könnte - wird der Titel nach meiner Erwartung sehr schnell, sehr massiv nach oben anziehen. Da dieser Zeitpunkt nicht absehbar ist und man in diesem Fall schon am ersten Tag des Anstiegs eine Grössenordnung von 10% verpassen könnte, bin ich bei Klöckner schon mit einer Position in Lauerstellung investiert und halte das Chance/Risiko Profil mittelfristig für attraktiv. Kurzfristig ist die Aktie richtungslos und kann auch noch einmal bis ca. 10,2€ fallen.

Bei Volkswagen Vorzügen (WKN 766403) spricht viel dafür, dass hier kurzfristig die Luft raus ist. Trotz Rekordgewinn, sorgt ein verhaltener Ausblick aufgrund hoher Investitionen heute für Gewinnmitnahmen. Und auch der Chart könnte eine kurzfristige Topbildung signalisieren, da bei ca. 146€ ein Deckel auf dem Kurs zu sein scheint. Ob man in den nächsten Monaten bei VW also nach oben so furchtbar viel verpasst, würde ich mal zu bezweifeln wagen. Mittel- und Langfristig ist aber alles in bester Ordnung und VW ein echter Bluechip, an dem man nicht vorbei kommt. Insofern kann man die Aktie in meinen Augen weiter halten, Zukäufe drängen sich mir kurzfristig aber nicht mehr auf.

Die Aktie von Tesla Motors (WKN A1CX3T), die ich -> hier <- ja ausführlich besprochen hatte, arbeitet nun heftig an einem Ausbruch nach oben, wie Sie dem Chart entnehmen können. Ich bin mit einer kleineren Position investiert.


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Auf eine spannende und bei Ihnen wahrscheinlich wenig bekannte Aktie möchte ich Sie heute noch im Sinne einer Idee hinweisen.
Ceradyne (WKN 869651) - Website - ist eine Hightech Schmiede für keramische Anwendungen, mit interessanten Produkten im Bereich Militärtechnik, Automotive, Industrie etc. So stellt Ceradyne zb sehr leichte und trotzdem hoch sichere Keramikwesten für Militär und Spezialeinheiten her. Übrigens keine Sorge, Ceradyne ist nicht verwandt mit "Cyberdyne Systems" die (zumindest im Film) den Terminator hergestellt haben. 😉

Ein aktueller Auftrag sorgt heute für ein leichtes Plus, die Produktpalette ist zukunftsträchtig und die fundamentale Bewertung liegt auf Buchwert bzw bei einem P/E von unter 9 ! Und der Chart sieht auch interessant aus, alleine die Marktkapitalisierung von "nur" 700 Millionen USD könnte etwas höher sein. Nebenbei erwähnt, eine Dividende von 2% wird auch gezahlt. Vielleicht haben Sie ja Lust Ihr Aktienuniversum zu erweitern und dann werfen Sie mal einen Blick auf diese Keramik-Schmiede. Keramik-Fasern haben auf jeden Fall ein gewaltiges Potential und werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in Zukunft sicher noch viele interessante Anwendungen finden.


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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 09.03.12 – Zurück auf Los – Linde, Molycorp

22 Uhr - Handelsschluss - Wochenabschluss

Wäre man diese Woche auf Urlaub gewesen - fernab irgendwo im Urwald ohne Internet-Zugang - und würde man heute zurück kommen, könnte man anhand der DAX Stände von Freitag letzter Woche bis heute nur das Fazit ziehen: ruhige Woche, nichts passiert ! 😉

Das es anders war, kann man wunderbar an der "Untertasse" des DAX Wochencharts sehen. Man könnte es auch einen "Krater" nennen. 😉 Letztlich sind wir nun aber wieder "Zurück auf Los" und die alten Aussagen zum Markt sind nach wie vor gültig.

Diese "Cup & Handle" Formation ist in der Regel übrigens eine Trendbestätigung, sprich es sollten steigende Kurse folgen. Allerdings passen hier nicht alle Parameter nach Lehrbuch des "Cup & Handle", aber auffällig sieht es trotzdem aus.

Auf jeden Fall sah für mich die Korrektur am Dienstag mit der hochgepushten Aufregung um Griechenland und diesem merkwürdigen IIF Dokument doch recht "engineered" aus, ich denke da hat Big Money einfach einen durch China angeschlagenen und technisch schwankenden Markt genutzt, um uns mal durch ein für Big Money profitables Wechselbad zu treiben. Für den Markt war es trotzdem gut, weil sicher ein paar schwache Hände heraus gekegelt wurden. Leider aber nicht gut genug, denn wie ich schon gestern schrieb, fehlte die Phase der Panik und des Zweifels noch, um die Luft nachhaltig zu reinigen.

Das ist insofern schade, als wir nun weiter permanent und jeden Tag mit der Angst vor einer schweren Korrektur leben müssen. Ein Rücksetzer bis DAX 6400 hätte dieses Risiko aber bereinigt und uns einen sauberen und risikoarmen Long-Setup für ein paar Wochen beschert. Aber wir nehmen den Markt halt demütig wie er ist, wir haben ja auch keine andere Wahl. 😉

Nach unten sollten wir nun aber kurzfristig besser nicht mehr wegkippen, denn das würde der Markt wohl als Signal auffassen nun erst einmal heftig auf den Verkaufsknopf zu drücken. DAX 6400 wären dann sehr wahrscheinlich und um dieses Risiko schnell wegzubekommen, sollten wir nun zügig zu den Höchstständen laufen. Sollte das nicht passieren und wir um DAX 6850 seitwärts laufen, rechne ich damit das viele Profis Anfang nächster Woche sehr skeptisch werden und schon deshalb auf den Verkaufsknopf drücken. Leider ist die Bewegung nach oben aber nicht leicht und voller Hürden, da wir eine Menge alter Widerstände oberhalb DAX 7000 haben.

Das beste, theoretische Szenario für die Bullen lautet also, dass wir nächste Woche schnell über DAX 7000 gehen, um dann eine paar Tage über und unter 7000 hin und her zu schwanken, bevor wir dann endgültig nach oben durchbrechen. Ob das so kommt, ich weiss es nicht.

Ehrlich gesagt habe ich nun ein komisches Gefühl in der Magengrube, das im März noch eine böse Überraschung kommt. Ich kann Ihnen nicht wirklich sagen woher das Gefühl kommt, aber es ist nagend da, seit wir nach nur einem Tag Korrektur so schnell wieder hochgedreht sind. "Ich habe da ein ganz mieses Gefühl" - um es mit Han Solo zu sagen, als sie im ersten Star Wars Film auf einen kleinen Mond zufliegen, der sich dann als gigantische Kampfstation heraus stellt. 😉

Und wir hatten heute noch etwas was sich komisch anfühlte: der Euro fiel gegenüber dem Dollar um über 1% und gleichzeitig stiegen die amerikanischen Märkte - das ist eher selten ! Gleichzeitig hatten wir einen V -förmigen Spike im Gold, der Gold ab 14.30 Uhr nach den Arbeitsmarktdaten auf unter 1680 USD drückte - das verstehe ich bei steigendem Dollar noch - dann aber Gold ab 16 Uhr wieder bis über 1710 USD hiefte. Das ist alles sehr komisch und "passt nicht". Und wenn Dinge passieren, die "nicht passen", macht mich das unruhig. Trotzdem ist meine negative Ahnung letztlich ohne belastbare Grundlage und deshalb muss ich damit leben und darf mein Handeln davon auf keinen Fall abhängig machen.

Rational gehört den Bullen weiterhin das Vertrauen, denn auch das die Korrektur nur einen Tag dauerte, ist ein weiteres Zeichen der Stärke des Marktes und der Aufwärtstrend seit Jahresanfang ist nach wie vor voll intakt ! Und danach - nach den Signalen des Marktes - werde ich handeln, nicht nach einem komischen Gefühl in der Magengrube.

Die Aktie des Tages ist für mich Linde (WKN 648300). Linde lieferte heute beeindruckende Zahlen, hat ein hervorragendes Management und eine tolle Marktposition, ist in einem starken Aufwärtstrend und stieg konsequenterweise heute um mehr als 6%. Und ich kann Linde auf diesem Niveau trotzdem nicht mehr kaufen, obwohl es in meinen Augen zu den bestgeführten Unternehmen überhaupt gehört.

Mir fehlt es leider noch etwas an detailliertem Verständnis für das Geschäft und auch die Bewertung mit einem KGV von rund 15 ist zwar nicht überzogen, nimmt aber doch weiteren Erfolg in der Zukunft schon vorweg. Wäre ich noch bei Linde drin, könnte man den Qualitäts-Titel sicher mit einem Trailingstop laufen lassen. Ein Einstieg drängt sich mir aber im Moment nicht mehr auf. Sollten wir noch einmal unter 120€ zurück kommen, werde ich meine Meinung potentiell ändern.

Trotzdem möchte ich zu Ehren des Linde CEOs Wolfgang Reitzle und des herausragenden Jobs, den er zusammen mit seinem Team abgeliefert hat, den beeindruckenden Langfrist-Chart von Linde seit 1992 hier einmal zeigen.

Seit 2003 verantwortet Wolfgang Reitzle das Geschäft als CEO. Er ist der lebende Beweis, dass man kein Fachmann sein muss, um als Top-Manager Erfolg zu haben. Denn als Reitzle von Jaguar, Aston Martin & Co. 2002 zu Linde kam, wusste er von Industriegasen vermutlich auch nicht sehr viel mehr als ich jetzt - nämlich fast nichts. Was er aber danach aus Linde gemacht hat, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Und "nebenher" hat er seit 2009 als Aufsichtsratchef massgeblichen Anteil daran, dass das Desaster rund um Schaeffler und Continental geräuschlos bereinigt wurde. Einer der heissesten Jobs die Deutschland damals zu vergeben hatte. Bravo kann ich da nur sagen !

Wolfgang Reitzle gehört für mich einfach in die absolute Top-Liga der Unternehmensführer, wann immer er etwas zu sagen hat, höre ich genau zu. Wie auch zuletzt, als er als einziger der Unternehmenselite Deutschlands mal den Mumm hatte auszusprechen, was so viele andere nur hinter vorgehaltener Hand flüstern. Selbstverständlich ist es nicht der Untergang Deutschlands, wenn wir aus dem Euro austreten würden, im Gegenteil - lesen Sie .

Man muss schon eine Menge Rückrat und Reputation haben, um sich offen gegen die aktuellen politischen Denkverbote zu stellen und das Risiko einzugehen, es sich mit der Kanzlerin zu verscherzen. Wolfgang Reitzle gehört scheinbar in diese Liga. Ich verneige mich in Hochachtung !

Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf einen ganz "heissen Reifen" aufmerksam machen. Molycorp (WKN A1C2G7), ist einer der wenigen "Seltene-Erden" Förderer der westlichen Welt und übernimmt nun den kanadischen Seltene-Erden Verarbeiter Neo Material Technologies (WKN A0JL2T). Neo Material steigt heute um 37%, aber Molycorp - und das ist als Käufer ungewöhnlich - auch um über 18% !

Mr. Market liebt den Deal also offensichtlich, was auch kein Wunder ist, denn hier scheint sich *der* Seltene-Erden Förderer der westlichen Welt zu formen und Molycorp zahlt einen sehr günstigen Preis für Neo Material. Schon heute ist Molycorp mit 2 Milliarden USD Marktkapitalisierung ja kein kleines Unternehmen mehr, das Potential ist aber noch viel grösser und mittelfristig könnte Molycorp auch auf den Akquisitions-Radar der Bergbau-Riesen ala Rio Tinto (WKN 852147) geraten.

Nach dem brutalen Absturz der letzten Monate durch fallende Preise bei Seltenen Erden, könnte Molycorp auch vom Chart her nun am Boden angekommen sein, auch wenn es dafür charttechnisch, ausser dem Kaufsignal von heute, noch keine echten Beweise gibt. Und wenn die Gewinnprognosen des Managements nachhaltig sein sollten, bekommt man Molycorp aktuell für ein Forward PE von nur 5 !

Andersherum, steht und fällt Molycorp mit dem Preisdruck der von China ausgeht. Stellen wir uns also theoretisch vor, dass China seine Exportbeschränkungen aufhebt und die Welt mit seltenen Erden flutet, dann hat Molycorp wohl ein riesiges Problem. Denn die geringen Abbaukosten, die die Chinesen ohne Rücksicht auf Umweltschutz erzielen, dürften für Molycorp schwer zu erreichen sein.

Und noch etwas sollte man verstehen, gerade weil interessierte Kreise das Thema "Seltene-Erden" schon beim unerfahrenen Normalanleger gepusht haben, um mit dem Wort "selten" die Gier anzuregen und schnellen Profit zu machen. "Seltene-Erden" sind keineswegs so selten wie es scheint, sondern viele dieser Metalle sind geologische Massenware, was die Vorräte in der Erde angeht ! Es gibt also mehr als genug für den Bedarf der Industrie auf der Erde verteilt. Das Problem ist nur, dass sich bisher der Schwerpunkt der Förderstätten in China ballt, unter anderem weil die Förderung ein ziemlich schmutziges Geschäft ist und China mit Preisdumping alle anderen Minen unrentabel gemacht hat.

Molycorp ist also ein ganz "heisser Reifen", der entweder mit Totalverlust oder mit Ver-X-Fachung enden kann. Beides ist eindeutig möglich und ich warne eindringlich davor, einseitig nur die Chancen zu sehen ! Höchst spannend ist die Aktie aber schon und ein Titel für starke Nerven und erfahrene Anleger, die das Thema auch permanent beobachten können. Lesen Sie bei Bloomberg mehr zum Deal oder schauen Sie einfach mal selber auf den Chart:


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Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Gastkommentar – DAX, S&P 500 & Co. im langjährigen Vergleich – von “Johann”

Redaktionelle Anmerkung von Hari:

Im folgenden finden Sie einen Diskussionsbeitrag unsere neues Mitglieds "Johann", den ich hier als Gastkommentar einstelle und über den ich mich sehr freue. Ich freue mich besonders, weil sich hier jemand viel Arbeit gemacht hat und ganz bewusst mutig etwas zur Diskussion stellt, mit dem Ziel die Meinung und das Feedback der anderen Blog-Leser zu bekommen. Mutig deshalb, weil man ja auch immer Gefahr läuft etwas missverstanden zu haben und sich so der Öffentlichkeit zu stellen braucht Mut.

In diesem Sinne freue ich mich auf Ihr Feedback !

Vorab von mir noch eine Anmerkung, die ich "Johann" schon im Vorfeld habe zukommen lassen: Der hier verwendete DAX ist ein Performance-Index, in dem alle jemals aufgelaufenen Dividenden aufkummuliert wurden und im DAX-Stand enthalten sind. Die hier verwendeten S&P 500 und Eurostoxx sind dagegen Kurs-Indizes ohne Ausschüttungen, die also exakt die aktuelle Marktkapitalisierung der enthaltenen Aktien (nach Gewichtung) darstellen.

Die Folge davon ist, dass der DAX im Vergleich stärker aussieht als er ist, weil er bei einer mittleren Ausschüttungsquote von ca. 2% jedes Jahr um diesen Wert besser aussieht, als er tatsächlich besser gelaufen ist. Umgedreht, bei einem Vergleich mit einer langfristigen Verzinsung, ist der DAX aber die richtige Betrachtung, weil dann gehören die Ausschüttungen zwingend dazu. Der S&P 500 erzielt also eine höhere jährliche Rendite, als es der reine Kursverlauf des Kurs-Index impliziert.

Diese Ungleichgewichte sollte man bei der Bewertung im Auge haben, das sollte uns aber nicht davon abhalten, interessante Ansichten aus dieser Analyse zu ziehen.

Ich werde mich mit weiteren Kommentaren oder Wertungen zu diesem Beitrag nun ganz bewusst zurück halten und wünsche Ihnen viel Spass beim lesen !

Ihr Hari

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Von "Johann"

Angeregt durch einen Kommentar von Hari ”Vom Marktkonsens in DAX und S&P 500“ habe ich mir DAX und S&P 500 mal genauer angesehen. Habe dazu einen Indexvergleich (bei der comdirect) angestellt und mir den Kurs vom S&P 500 (schwarz) anzeigen lassen und folgende Werte zum Vergleich hinzugefügt: DAX (rot), EuroStoxx50 (grün), 5% Zinsen pro Jahr (untere Linie), 8%Zinsen pro Jahr (mittlere Linie) und 10% Zinsen pro Jahr (obere Linie). Als Zeitraum habe ich abschließend 07.03. 1987 bis 07.03.2015! gewählt (25 Jahre bis heute). Das Ergebnis ist ziemlich interessant – vielleicht nicht für einen Profi (oder Volkswirtschaftler); aber mich (als Ingenieur und analytisch denkenden Mensch) hat es sehr nachdenklich gemacht.

In allen Aufwärtsbewegungen kommt es beim DAX zu massiven Übertreibungen im Vergleich zum S&P500. Selbst der EuroStoxx toppt den S&P Anfang 2000. Zudem schaffen es EuroStoxx und S&P in diesem Vergleich über einen sehr langen Zeitraum annähernd parallel zu laufen – siehe 2002 bis Anfang 2009 (also 7 Jahre!) Exakt parallelen Verlauf schafft DAX mit S&P nur zwischen Mitte 2002 bis Anfang 2005 – immerhin 3 Jahre). Dann plötzlich trennt sich der DAX von S&P im Jahr 2005, um genau 4 Jahre später „im Crash 2008/2009“ fast wieder auf S&P und EuroStoxx zurückzufinden. Danach trennt sich der EuroStoxx Anfang 2010 deutlich vom S&P500 und fällt ab Mitte 2011 sogar unter die “langfristige 5%-Verzinsung“! (ist das schon die Auswirkung von Griechenland oder zeigt sich bereits eine generelle Schwäche von Europe?). Der DAX hingegen entscheidet sich für die entgegengesetzte Richtung und strebt an, wieder auf die „8%-Verzinsung“ (mit einer kleinen Übertreibung) zurück zu finden.

Es sieht insgesamt also so aus, als würde sich der DAX über diesen langen Zeitraum auf eine ca. 8%-Verzinsung einpendeln (Zufall?, Normalität? Gesundes Wachstum?), wobei sehr starke Entfernungen von dieser 8%-Verzinsung (insbesondere über die 10%-Verzinsung hinaus) mit “sehr heftigen Rückschlägen” früher oder später “bestraft” werden. Weiterhin sieht man, dass aufgrund des gewählten Betrachtungszeitraums die Werte auf der y-Achse (die Steigerung in Prozent) exakt den DAX-Stand repräsentieren (2mal an den 800%, entspricht 8.000 Punkten gescheitert).

Ich frage mich nun schon ein wenig, ob die auf diese Weise produzierte Grafik einen “Blick in die Glaskugel” erlaubt, und habe diesen dennoch mal gewagt („Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft.“ – Mark Twain) und 2 Szenarien entwickelt. Wir befinden uns am Beginn eines Bullenmarkts (1) bzw. am Beginn eines Bärenmarkts (2) (dies würde auch sehr gut zur Einschätzung von Hari passen, der seit einiger Zeit davon ausgeht, dass „in Kürze“ eine heftige Bewegung einsetzen würde, wobei die Richtung offen wäre).

Wenden wir uns zuerst mal Szenario 1 zu, welches den beginnenden Bullenmarkt beschreiben könnte. Um diesbezüglich ein Szenario entwickeln zu können, habe ich mir den Anstieg des DAX von Ende 1996 bis Anfang 2000 betrachtet. Die Steigung „dieser Geraden“ habe ich herangezogen und diese Steigung einer Geraden in den Tiefpunkt des DAX in 20111 gelegt. Sollte es zu einer Wiederholung der Hausse zwischen 1994 bis 2000 kommen, so erkennt man, dass wir wahrscheinlich zu schnell nach oben gegangen sind. Vorausgesetzt, wir befinden uns im Szenario 1 könnten wir selbst einen Rückschlag des DAX bis auf ca. 6400 entspannt beobachten; denn etwa Mitte 2013 steht der erfolgreiche Test von 8.000 an, um 2014 dann die 10.000 zu erreichen. Übertreibungen und Euphorie könnten natürlich dafür sorgen, dass die 10.000 schon vorher „kurz berührt“ werden. Unter der Voraussetzung, dass die Parallelität der Bewegungen von S&P und EuroStoxx noch Gültigkeit hat, habe ich mit der gleichen Steigung die Aufwärtsgeraden für S&P und EuroStox eingetragen. Dies würde bedeuten, dass S&P Ende 2013/Anfang 2014 bei etwa 2.600 stehen könnte und dann zufälliger Weise“ exakt die 8%-Verzinsungslinie wieder gefunden hätte. Zu diesem Zeitpunkt wäre dann auch die Differenz zum DAX fast wieder aufgehoben!

In diesem Szenario würde auch der EuroStoxx(exakt die gleiche Steigung der Geraden wie bei DAX und S&P) mit knapp 1 Jahr Verspätung die 8%-Verzinsungslinie wieder treffen.

Szenario 2 sieht übel aus und für mich bzgl. EuroStoxx schwer erklärbar.

Eingetragen habe ich eine Gerade für den DAX, die exakt die gleiche (negative) Steigung hat, wie das Maximum Anfang 2000 bis zum MinimumAnfang 2003. Sollten wir also in einen Bärenmarkt einsteigen, könnte es bis zu einem Rückgang gehen, wobei das Minimum erst in Mitte 2013 erreicht werden könnte. Unter der Voraussetzung, dass der Aufschlag auf der 5%-Verzinsungslinie stoppt (die hat übrigens schon 2mal für den S&P gehalten!!) hätten wir gleichzeitig das Minimum des Crashs von Anfang 2009 erreicht (Zufall?), welches bei ungefähr 3.700 liegen würde (kein schöner Gedanke!). Dieses Szenario hätte aufgrund der Betrachtung der Vergangenheit allerdings nur Sinn, wenn dann auch S&P sowie EuroStoxx sich wieder zusammenfinden würden. Für den S&P würde dieses Szenario nur einen relativ kleinen Rücksetzer bedeuten, dessen Minimum sich beim Tiefststand Mitte 2010 einfinden würde! Damit aber auch der EuroStoxx sich wieder „beim Rest“ einfindet, müsste dieser allerdings steigen. Für mich eigentlich nicht erklärlich, wenn gleichzeitig der DAX „einen Niedergang erlebt“. Aber wie immer Szenario 2 genau ausgehen würde – sollte es nur annähernd so verlaufen, hätten wir nach fast 30 Jahren eine Verzinsung der Aktienmärkte von gerade einmal ungefähren 5 % durchlitten.

Ich hoffe mal für Szenario 1! Das wären zwar nur 3% Unterschied!! – aber diese hätten erhebliche Auswirkungen über knapp 30 Jahre!!

Ach ja – was man auch sehr schön sieht. Altmeister Kostolany hätte tatsächlich einmal recht gehabt. 1991 Aktien kaufen, dann schlafen und 7 Jahre später aufwachen und in Mitte 1998 alles verkaufen - wäre genial gewesen. 14 Jahre später (zu 1998) sind wir noch immer keinen Schritt weitergekommen! Ansonsten zeigt der Verlauf: wer zulange schläft wacht möglicherweise mit einem Alptraum auf.

In diesem Sinne freue ich mich auf viele Kommentare und eine rege Diskussion.

Viele Grüße
Johannes

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Nachtrag vom 10.03.12

Hallo Zusammen,

erstmals vielen Dank für die zahlreichen Kommentare und die nette Aufnahme des Ingenieurs in Eurem Kreis. Ich habe ´ne Menge gelernt und so mancher Zusammenhang war mir bislang nicht so klar. Was ich mitgenommen habe: funktioniert die Welt „einigermaßen normal“ können wir von einer mittleren jährlichen Verzinsung von ca. 8% bei Aktien ausgehen; entscheidend ist aber immer der Bezugspunkt ab dem man rechnet und logisch: je länger der Betrachtungszeitraum, desto klarer wird das Bild der Vergangenheit (nicht das der Zukunft!) und desto sicherer werden die 8% Verzinsung.

Und auch der Unterschied zwischen DAX und S&P ist mir klar geworden. Und daher möchte ich jetzt den S&P 500 verwenden, um vielleicht noch mehr aus dem Thema (mit Hilfe des Lineals) „rauszukitzeln“. Habe mir also den S&P 500 ab dem Jahr 1970 betrachtet und eine logarithmische Darstellung gewählt; dann wird die jährliche Verzinsung zu einer Geraden. In der Abbildung erkennt man den Verlauf und die obere durchgezogene Gerade ist die Gerade der ab dem 01.01.1970 berechneten 8%-Verzinsung. Die gestrichelten Geraden sind Parallelverschiebungen von dieser und ich habe versucht, die untere Begrenzung auf die größten Rückgänge zu legen. Schaut man sich den Verlauf noch genauer an, erkennt man sehr gut weitere Tops und Dows, die sich (exakt! – gibt’s dafür eine Begründung??) zwischen den gestrichelten grünen Linien befinden.

Was man nun rückwirkend sehr gut erkennt, ist die lange Phase des Aufstiegs von1982 bis 2000 (die 18 Jahre hat ja auch Tribun bereits erwähnt). Was ich aber im Rückblick in dieser Darstellung besonders interessant finde: es sieht fast so aus, als wäre der S&P Anfang 1996 erst mal an der oberen Begrenzung abgeprallt und noch im gleichen Jahr hat er einen erneuten „Angriff“ gestartet, der dann Ende 1996 erfolgreich war. Nach einem kurzen Rücksetzer im ersten Quartal 1997 („Mr. Market wusste wohl, dass er eigentlich den Pfad der Tugend und Bescheidenheit nicht hätte verlassen sollen – nur innerhalb der Begrenzungen darf er sich auch mal mit ein paar mehr Prozent Steigung austoben)) gab es kein Halten mehr bis Mitte 1998. Der Crash (war das damals nicht Russland) hat „ihn“ aber auch nicht zur Vernunft gebracht und unter die „obere Begrenzung“ zurück geführt.

Erst Mitte 2002 war „der Ausflug beendet“ und man befand sich wieder im „grünen Bereich“ – Mission 8% lief also wieder völlig normal weiter. Und eigentlich sieht es so aus, als hätte es noch länger so weitergehen können: wäre da 2008 nicht dieses außerordentliche Ereignis passiert – und so wie die „Massenhysterie in den 90-Jahren“ den S&P über die Obere Begrenzung gehievt hatte, so schleuderte die „Massenpanik“ 2008/Anfang 2009 den S&P unter die untere Begrenzung. Und jetzt…. Eigentlich sieht nicht besonders bedrohlich aus.

Was mich jetzt als „neugierigen Ingenieur“ noch interessierte, war: kann ich Wiederholungen von bedeutenden Ereignissen „im Chart“ finden. Aus diesem Grund habe ich den Tiefpunkt im Jahr 1982 (als der große Aufstieg begann) mit dem Top verbunden, das erstmals die obere grüne Begrenzung erreichte (das war der Höchststand im Crashjahr 1987). Diese Gerade habe ich dann kopiert und daher mit exakt gleicher Länge und Steigung in das Jahr Anfang 1995 geschoben. Dies deshalb, weil hier stark auffällig die Phase beginnt, in der sich „Mr. Market entscheidet“ das Wachstum zu beschleunigen „und auszubüchsen“. Und wo das Ende dieser Geraden endet, kann ja jeder sehen.

Ob das Zufall ist oder ob Volkswirtschaften auch Gesetze wie die Naturwissenschaften haben, weiß ich nicht. Sollte es jedoch kein Zufall sein, müsste man „das Spielchen“ ja nochmal wiederholen können. Nächstmöglicher Ansatzpunkt wäre „im Chart“ der Tiefststand Anfang 2009. Ich hab es gewagt…. Naja, würde irgendwie zur Situation seit Anfang 2009 passen – es sieht fast so aus, als würde sich Mr. Market anschicken, wieder in den grünen Bereich zu laufen. Und falls es doch kein „Volkswirtschaftsgesetz“ gibt – vielleicht haben wir Glück und „das Verschieben einer Geraden klappt ein drittes Mal“.

Ach ja – wenn wir jetzt besser als die 8% sein wollen, müssten wir vielleicht nur noch ein paar Aktien finden, die seit langer Zeit in einem z.B. 20%-Verzinsungskanal liegen und sich zudem gerade „im grünen Bereich“ befinden.
2 hab ich (aufgrund meines eigenen Kommentars hier) schon entdeckt. Aber wie so oft: hinterher sind wir alle schlauer.

Viele Grüße
Johann

Deutsche Bank – zerschlagt sie endlich !

Heute erlaube ich mir aus gegebenem Anlass einen persönlichen Kommentar zum Umbau bei der Deutsche Bank (WKN 514000).

Kaum waren die Meldungen über die neue Mangement-Struktur draussen, da hatte die einschlägige Presse natürlich nicht besseres zu tun, als das Bild vom "bösen Gierbanker" Anshu Jain zu malen, der die Herrschaft an sich reisst.

Für mich sind das demagogische Zerrbilder für die Volksseele, die auf dem Rücken von einem Menschen ausgetragen werden, der sich mangels deutscher Sprache nicht angemessen verteidigen kann. Bestimmte Teile der Presse haben mit so etwas ja aber scheinbar Erfahrung, wie man an einigen sehr persönlichen Kampagnen der Vergangenheit nach meiner Ansicht nachvollziehen kann.

Wenn man das so liest, könnte man fast meinen, deutschsprachige Manager ala Ackermann, Börsig und Co. seien ja perse weit weniger "gierig" und ihnen ginge es ja nur um das Gemeinwohl, während der "böse" Herr Jain uns ja wie Graf Dracula nur aussaugen will. Das ich nicht lache, das sind für mich Zerrbilder, sonst nichts !

Die neuen Herren Jain und Fitschen machen nichts anderes, als was auch jeder Minister gleich welcher Partei von links bis rechts macht, wenn er Chef eines Ministeriums wird. Sie bringen Vertraute auf die Schaltstellen der Organisation. Solange man es dabei nicht im Sinne einer "Säuberung" übertreibt und alter Kompetenz ihren Raum lässt auch wenn sie einen eigenen Kopf hat, macht das für Organisationen auch durchaus Sinn. Denn die Leistungskraft der Organisation als Ganzes steigt dadurch, Sand im Getriebe durch Machtkämpfe in der zweiten Reihe kann man im weltweiten Wettbewerb nicht gebrauchen.

Aber ein Korn Wahrheit ist nach meinem Einddruck an dem Gerede vom "Putsch" vielleicht ja doch dran, wie so oft haben Gerüchte einen wahren Kern. Denn die Investmentbanker haben scheinbar noch mehr Macht im Konzern bekommen, eine Macht die ihnen nach meiner Ansicht übrigens primär die Herren Ackermann und Vorgänger gewährt haben, in dem sie zuliessen, dass sich dort Aktienanteile in Form von Boni im (vermutlich) zweistelligen Prozent-Bereich des Stammkapitals der Deutschen Bank ansammelten.

Den Investmentbankern "gehört" die Deutsche Bank im wahrsten Sinne des Wortes. Und deswegen sollte sie sowieso besser in "Londoner Bank" umbenannt werden. 😉 Nicht wegen der paar Posten die Jain nun vergibt, sondern weil die Investmentbanker durch für mich völlig überzogene Boni mächtige Aktionäre wurden !

Und an der Stelle werde ich dann doch wütend, wenn ich mir anschaue, dass der Staat - und damit wir Steuerzahler - eine defacto Ausfallgarantie für die Deutsche Bank aussprechen, die die Herren der Deutschen Bank aber nichts kostet. Denn die Deutsche Bank ist bei dieser Grösse einfach "too big to fail". Was bedeutet, dass wir alle - Sie und Ich - das Risiko des grossen, gehebelten Rades mittragen, dass die Truppen um Jain drehen und weiter drehen werden.

Und damit es da kein Missverständnis gibt, ich habe nichts gegen das grosse Rad und halte die Investmentbanker als "böse Buben" wie oben beschrieben für ein Zerrbild, mit dem man die unwissende Volksseele aus höchst eigensüchtigen Motiven knetet. Investmentbanken machen einen wichtigen Job, an dem zunächst einmal nichts auszusetzen ist, solange Risiko und Haftung an der richtigen Stelle liegen.

Ich habe aber massiv etwas dagegen, dass ich ungewollt für die Fehler der Investmentbank mithafte. Herr Jain und seine Truppen hätten bestimmt auch etwas dagegen für die Millionen an Darlehen deutscher Bürger mit dem persönlichen Vermögen zu haften, ohne darauf Einfluss zu haben.

DAS finde ich auf gut Deutsch eine "Sauerei" und ich verstehe nicht, warum die Politik das zulässt.

Und die bisherigen "Lösungen" der Politik sind für mich unzureichend und nicht mehr als ein Nasenwasser. Die vermeintlich so "hohen" neuen Eigenkapitalanforderungen an die Banken sind beim Profil der Deutschen Bank nach wie vor viel zu gering und können einen katastrophalen Zusammenbruch nicht verhindern, da das im Investmentbanking gedrehte Rad viel zu gross ist. Deutschland sollte sich da ein Beispiel an der Schweiz nehmen, die ihre UBS und Credit Suisse weit stärker an die Kandarre nimmt.

Die einzige, in meinen Augen wirklich funktionierende Lösung wird aber politisch gar nicht diskutiert und es ist mir ein Rätsel warum das nicht passiert. Die Deutsche Bank gehört für mich im Sinne des Amtseides aller deutschen Verantwortlichen "zum Wohle des deutschen Volkes" zerschlagen ! Und zwar in eine Investmentbank die frei agieren darf und eine "Geschäftsbank", die nur für die Kontenführung und Kreditvergabe zuständig ist. Ein Trennbankensystem eben !

Dann endlich könnte man die Investmentbank im Falle des Falles auch leichter abwickeln und müsste keinen Bankrun in ganz Deutschland befürchten. Dann endlich wäre auch die implizite Staatsgarantie durch uns Steuerzahler vom Tisch.

Natürlich werden sich gerade die Investmentbanker massiv dagegen wehren und wie Ackermann permanent von den Vorteilen einer integrierten Gesamtbank reden. Diesen Vorteil haben aber nur die Aktionäre und Bonusempfänger der Bank.

Richtig ist natürlich, dass es diese Investmentbank auf eigenen Füssen weit schwerer hätte, weil sie eben nicht mehr wie heute die Einlagen von "Oma Büllerbeck" in der Filiale als Grundlage nutzen könnte, um an den Märkten das grosse Rad zu drehen.

Aber wäre nicht genau das wünschenswert ? Was hat es noch mit dem Gedanken einer Bank zu tun, dass Spareinlagen braver Bürger ungewollt und ungefragt das indirekte Treibmittel für grosse Spekulation sind ? Eine reine Investmentbank hätte nur noch das Kapital der Anleger zur Verfügung, die es auch bewusst für die Geschäfte der Investmentbank einsetzen wollen. Das ist fair und sauber und da kann und sollte sich der Staat dann auch raus halten. Und wenn diese Investmentbank riesige Gewinne macht, seien Sie den handelnden Personen zu gönnen. Und bei Verlusten haften die, die dafür zuständig sind - die Aktionäre und nicht wir Steuerzahler !

Also zerschlagt endlich den Koloss Deutsche Bank ! Warum meine Damen und Herren Politiker, trauen Sie sich da nicht ran ?

Hari´s Märkte am Abend – 07.03.12 – regungslose Spannung

22 Uhr - Handelsschluss

Es sind nicht immer die besonders volatilen Tage, die besonders spannend sind. Auch heute war es sehr spannend, weil jeder die Frage vor sich herschiebt: kommt noch Teil 2 des Absturzes oder war es das schon ?

Ich habe deshalb heute auch zweimal ein kurzes Marktupdate geliefert, um Ihnen ein Gefühl dafür zu geben, wie sich meine Sichtweise im Laufe des Tages ändert. Denn die Frage die man sich permanent stellt lautet: "Wie denken die anderen im Markt ?"

Denn was man selber erwartet ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, was der Marktkonsens ist, was also die Mehrheit erwartet. Schafft man es diesen Marktkonsens zu erkennen oder zu antizipieren, hat man einen Edge und kann daraus Entscheidungen ableiten. Denn zu oft ist der Marktkonsens genau das, was nicht eintrifft. Das ist ja auch nicht verwunderlich, denn wenn alle schon gekauft haben weil sie von steigenden Kursen ausgehen, kann niemand mehr kaufen und die Kurse müssen fallen. Und umgekehrt.

Der heutige Tag hat bei dieser Frage aber keine Auflösung gebracht, wie ich ja schon gestern hier vermutet hatte. Nach den heutigen Bewegungen ist nach wie vor alles möglich. Der kleine "Buy-the-Dip" war gemässigt und weder so hoch, dass man ihn besonders erwähnen sollte, noch so schwach, dass man daraus eine besondere Marktschwäche ableiten könnte.

Bei aller Spannung ist heute also nicht viel passiert - regungslose Spannung sozusagen.

Morgen haben wir dann Grosskampftag. Um 13 Uhr Zinssatz Bank of England, um 13.45 Uhr Zinssatz EZB , um 14.30 Uhr Beginn Pressekonferenz EZB, um 14.30 Uhr Anträge Arbeitslosenhilfe in den USA und um 21 Uhr das grosse Finale des griechischen Schuldenschnitts mit dem Ende der Annahmefrist.

Morgen wird also wohl ein volatiler Tag, der unsere ganze Aufmerksamkeit benötigt. Wenn zu Griechenland nicht schon vorab ein positives Ergebnis verkündet wird, dürfte das für die deutschen Anleger eine ziemlich ärgerliche Hängepartie über Nacht werden, deren Auflösung man dann im DAX am Freitag Morgen mit einem grossen GAP nach oben oder unten zur Kenntnis nehmen darf.

Also mache ich es heute kurz um Kraft und Schlaf zu tanken, zumal ich die letzten Tage ja viel geschrieben habe.

Ein paar kurze Ideen möchte ich Ihnen heute aber trotzdem noch an die Hand geben, und zwar möchte ich Ihnen das Universum der "Energie-Infrastruktur-Aktien" in Erinnerung rufen. Denn dieses Segement profitiert ebenso von dem wachsenden Energiebedarf der Welt, wie auch von den Investitionen im Rahmen der erneuerbaren Energien.

Und besonders auffällig war in der aktuellen Korrektur, dass sich alle unten genannten Aktien durch relative Stärke ausgezeichnet haben und nur mässig abgegeben haben. Ich werde die Aktien im folgenden nicht ausführlich besprechen, und nicht jede dieser Aktien muss man vom Timing her nun auch unbedingt gerade jetzt kaufen. Aber alle 4 Aktien haben ein attraktives Geschäftsmodell im Bereich "Energie-Infrastruktur" und eine ausgezeichnete Marktposition und sind immer einen Blick wert, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung:

1. ABB (WKN 919730) - der schweizer Stromspezialist ist der Blue-Chip im Bereich Energie-Infrastruktur schlechthin und hat nach einer Konsolidierung wieder interessante Kurse.

2. Schneider Electric (WKN 860180) - der hier schon mehrfach besprochene Spezialist für Gebäudemanagement, dreht im Kurs seit einiger Zeit nach oben und hat langfristig eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition in einem Wachstumsmarkt.

3. Itron (WKN 888379) - der amerikanische Smart-Grid Spezialist legt gerade einen gewaltigen Turnaround hin. Nachdem er ungefähr die Hälfte des sensationellen 24% Tages-Anstiegs von Februar wieder abgegeben hat, scheint der Kurs nun bereit wieder nach oben zu drehen.

4. Prysmian (WKN A0MP84) - der Marktführer im Bereich Hochspannungs- und Tiefseekabel profitiert von den Investitionen in Offshore-Windparks und die Kursentwicklung spricht bisher eine klare Sprache bei gleichzeitig moderater Bewertung.

Über Ihre Meinung/Einschätzung/Analyse zu obigen Titeln freue ich mich wie immer !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, bis Morgen in alter Frische !
Ihr Hari

Marktupdate – 07.03.12 – Vom Marktkonsens in DAX und S&P 500

17 Uhr

Es wird nun sehr spannend. Die von mir heute um 9 Uhr beschriebene Sicht "bleiben Sie vorsichtig" scheint heute auch an der Wallstreet bisher Marktkonsens gewesen zu sein.

Man erkennt es daran, dass es keine Abgaben mehr gab, aber auch keine wirklich relevanten "Buy the Dip" Käufe. Der Markt wartet nun also ab. Er will eigentlich nicht mehr verkaufen und hat sich gestern scheinbar ausreichend von "Ballast" befreit. Kaufen will er aber auch noch nicht. Und der DAX mäandert unentschlossen um die 6650er Marke.

Positiv ist aber zu werten, dass nach der ersten Handelsstunde an der Wallstreet, weitere Verkäufe der Marktelephanten ausgeblieben sind. Darauf hatte ich eigentlich gewartet. Es scheint also keinen unmittelbaren, weiteren Abgabedruck zu geben. Und wenn sich diese Erkenntnis am Markt durchsetzt, bekommen wir vielleicht heute schon im späten Wallstreet-Handel eine deutliche Bewegung nach oben.

Das macht das Ganze nun sehr unberechenbar. Der Markt ist in sehr gespannter Wartestellung. Wir sind zwar gestern weit gefallen, aber nicht weit genug um die Luft wirklich zu reinigen und eine Gegenbewegung eindeutig zum wahrscheinlichsten Szenario zu machen.

Letztlich genügt jetzt also eine Nachricht - ein kleines Streichholz - und wir zünden in die eine oder andere Richtung.

Es ist mir nun absolut unmöglich einzuschätzen, woher dieses Streichholz kommt. Ich habe im Moment auch keine Wahrscheinlichkeiten mehr zu bieten. Mein Gefühl sagt mir zwar, dass der Schuldenschnitt in Griechenland nicht scheitern wird und spätestens Morgen ein positiver Katalysator kommt. Aber das ist nur ein Gefühl und keine Grundlage für Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen.

Uns bleibt also nur abzuwarten und so schnell wie es geht an die dann folgende Bewegung zu adaptieren. Wer sich jetzt schon unbedingt positionieren will, kann das tun, sollte aber eine Strategie haben was er macht, wenn die Bewegung in die Gegenrichtung geht !

Bis heute Abend, Ihr Hari.

Marktupdate – 07.03.12 – Bleiben Sie vorsichtig !

Marktupdate 9 Uhr

Bleiben Sie heute vorsichtig ! Wie immer ist alles eine Frage von Wahrscheinlichkeiten. Und auch wenn es natürlich durchaus möglich ist, dass wir nun heute sofort wieder V-förmig nach oben laufen, halte ich das für wenig wahrscheinlich.

Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass wir nach einer kurzen Stabilisierung und auch einer kleinen positiven Gegenbewegung einen weiteren Schlag nach unten bekommen. Denn noch ist jeder der Meinung: "Ach, das ist ja nur eine Korrektur und Einstiegsgelegenheit".

Damit wir einen wirklichen Wendepunkt bekommen, sollte erst mehr Verunsicherung einziehen und es sollten sich viele fragen, ob sie jetzt nicht doch lieber aussteigen sollten. Ein weiterer deutlicher Abrutscher wäre dafür die Grundlage und würde den Markt möglicherweise endgültig bereinigen.

Ich versuche daher ruhig zu bleiben und nicht zu früh in den Markt zu springen, auch wenn es mich bei bestimmten Aktien durchaus schon wieder "juckt". Ich versuche mir statt dessen die Einstiegskurse zu überlegen und den Markt zu mir kommen zu lassen.