Vom Glauben, dem Weltuntergang und dem säkularen Bullenmarkt



Vor 4 Jahren, am 11.11.2013, habe ich Ihnen hier im freien Bereich einen Artikel geschrieben. Er hiess:

-> Aktienmärkte von 1896 bis heute - Steht ein neuer säkularer Bullenmarkt bevor? <-

In diesem Artikel habe ich Ihnen dieses aus alten Kursdaten selbst erzeugte Chart des Dow Jones Index seit 1896 gezeigt:

Dow Historisch

Und ich habe unter anderem wie folgt argumentiert:

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

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Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

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Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neuen jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Nun war diese Einordnung damals keine Gewissheit, Gewissheit gibt es nie. Es war einfach eine gute Wahrscheinlichkeit, die man nicht aus dem Auge verlieren sollte, während in dieser Phase permanent "Crash-Weissagungen" auf die Anleger einprasselten, von denen ich zwei einfach mal wieder kopieren will, über die ich mich damals im Premium-Bereich schon mokiert hatte:

Ich könnte endlos solche Artikel zitieren und auch aktuell haben diese wieder Hochkonjunktur. Denn das Fiese, das unsichere Seelen immer wieder in den Bann der Abkömmlinge von Nostradamus zieht, ist die Möglichkeit, dass es ja morgen doch *den* Crash geben *könnte*, denn die Zukunft ist ungewiss. Ja es *könnte*, morgen *könnte* die Welt untergehen, das ist objektiv richtig. Und nun?

Wer diese Sorge immer in sich trägt, ist eben für Einflüsterungen empfänglich und diese psychologischen Angriffspunkte werden natürlich auch von Unternehmen die etwas verkaufen wollen, gezielt zur Umsatzmehrung genutzt. Ich bin sicher, es sind einige unter Ihnen, die sich damals haben von den Crash-Propheten zu ihrem Nachteil beeinflussen lassen und es sind einige hier, die auch heute wieder fest vom unmittelbar bevorstehenden Börsen-Untergang ausgehen. Kann ja auch sein, unmöglich ist gar nichts.

Deshalb hat der Blick zurück bei Menschen die noch von diesen Ängsten getrieben werden ein weit heilsamere Wirkung, als Predigten in die Zukunft hinein. Man kann sozusagen im Nachhinein mal anschauen, wo man sich hat damals in Aufregung versetzen lassen und was dann in der Realität passiert ist. Und wenn wir vernunftbegabt sind, können wir daraus Schlüsse ziehen die uns helfen, in Zukunft nicht mehr so leicht zu beeinflussen zu sein.

Und deshalb habe ich oben mit Ihnen auf meinen Artikel aus 2013 geschaut und Links aus 2014 geteilt, von denen es tausende in diesem Stil gibt, denn mit der Heraufbeschwörung des Weltuntergangs lassen sich trefflich Klicks generieren.

Zurück schauen können wir auch auf andere Artikel von mir, wie den von der bei Tichy, der auch das Bild eines grossen Bullenmarktes in den Raum stellte, gerade weil das Finanzsystem so markant verzerrt wurde.

Auch ansonsten habe ich das Geschäft mit den Weltuntergangsszenarien immer wieder zum Thema gemacht, wie in -> Das dümmliche Gebrabbel der Weltuntergangspropheten <- und nun zeige ich Ihnen das aktuelle Langfristchart des Leitindex S&P500. Was sagt uns das?

Es sagt uns, dass da vielleicht tatsächlich ein großer, säkularer Bullenmarkt unterwegs ist, der gerade erst begonnen hat. 20% Korrekturen wird es auf dem Weg sicher geben, am Trend aber nichts ändern.

Ist das sicher? Natürlich nicht, nichts ist sicher und ich bin kein blinder Bulle, denn Glauben gehört in die Kirche und nicht an die Börse. Das gilt aber für den Glauben an den immerwährenden Bullenmarkt ebenso, wie für den permanenten Glauben an den "Crash", der uns davon abhält das Richtige zu tun.

Alles was wir als vernunftbegabte Anleger tun können ist, uns rational an das halten, was uns der Markt an Signalen gibt. Und da haben wir die obigen Langfrist-Charts, die den Beginn einer lange andauernden bullischen Phase in Aussicht stellen, auch wenn in 2018 sicher mal wieder eine 10-20% Korrektur fällig sein wird.

Auf der anderen Seite geben die Charts aber keinerlei Signale eines Trendbruchs oder bevorstehenden Einbruchs. Nur wenn wir klüger als der Markt sein wollen, flüstern uns diese Stimmen wieder ein, dass der Markt ja nun zusammenbrechen *muss*, weil das Weltfinanzsystem so überdehnt, verbogen und krank sei. Ja das ist es fraglos, aber deswegen *muss* der Markt immer noch gar nichts, er musste auch 2013 und 2014 nichts und er kann vielleicht genau deswegen noch Jahre steigen, denken Sie an die "Katastrophenhausse".

Wenn Sie verstehen wollen, warum Börse so schwer ist, dann haben Sie da die Antwort. Wegen uns, weil wir immer klüger als der Markt sein wollen, es aber nicht sind.

Man muss doch kein blinder Bulle sein, um an diesem Bullenmarkt mitzuverdienen. Man kann absichern, man kann aufmerksam sein, man kann sich die Punkte überlegen an denen man die Reissleine zieht, wenn sich das Katastrophenszenario doch realisiert. Aber man kann doch trotzdem mitgehen, man muss doch nicht paralysiert in der Ecke hocken - Selbstmord aus Angst vor dem Tod sozusagen.

Kontrollierte, vorsichtige Offensive ist seit Jahren das Gebot der Stunde an den Börsen- Wir pflegen das hier bei surveybuilder.info und es hat uns nicht geschadet. Und gerade weil wir nahe am Markt dran sind, werden wir auch merken wenn der Tag des jüngsten Gerichts wirklich kommt - grosse Weltuntergangs-Prophezeihungen braucht es dafür nicht, die sind nur Opium für den Anleger.

Der wahrscheinliche Pfad für die Börsen ist weiter nach oben, unterbrochen von einer 10-20% Korrektur, die nun mehr als überfällig ist und von der wir in 2018 sinnvoll ausgehen. Was ist so schwer daran, diese wahrscheinlichste Realität zum Massstab des kontrollierten Handelns zu machen?

Ihr Hari

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